02.01.2026
Alle Jahre wieder…
Liebe Schwestern und Brüder,
„alle Jahre wieder“, so heißt es in einem bekannten Weihnachtslied. „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.“ So haben wir es auch wieder gefeiert und gemeinsam Feiertage, Ferientage verbracht. Aber jetzt geht’s weiter, irgendwie wieder von vorne los.
Am Neujahrsmorgen schon auf dem Weg zur Messe: Ein erster abgeschmückter Weihnachtsbaum lag an der Straße. Und in Mainz waren schon am Vormittag hunderte Fassenachtsgardisten unterwegs, um die neue Saison einzuläuten. In wenigen Tagen werden auch wir „abschmücken“.
Und wieder – wie aus der Zeit gefallen – hören wir heute, am Sonntag nach Neujahr, das Festevangelium des Weihnachtstages, den Prolog des Johannesevangeliums: “Im Anfang war das Wort – und das Wort ist Fleisch geworden“. Schon am Weihnachtstag traf es irgendwie nicht so recht unsere Stimmung …
Alle Jahre wieder feiern wir das Weihnachtsfest und wir geben uns dabei auch große Mühe: Es ist ein Bedürfnis nach Wärme und Harmonie, die wir mit diesem Fest verbinden. Die Sehnsucht nach Frieden gehört dazu. Alle Jahre wieder gönnen wir uns – und das durchaus auch mit finanziellem Aufwand – eine kollektive Auszeit vom Alltag, der für immer mehr Menschen auch in unserer Gesellschaft belastender geworden ist.
Gerade weil für viele unserer Zeitgenossen Weihnachten nun „gegessen“ ist, möchte ich uns fragen: Haben wir überhaupt wahrgenommen, was uns da „serviert“ wurde?
„Alle Jahre wieder“ – das Lied spricht vom Christuskind, das mit Seinem Segen in jedes Haus einkehrt und uns auf allen Wegen begleitet. „Steht auch mir zur Seite still und unerkannt, dass es treu mich leite an der lieben Hand“.
Mensch, ist es nicht genau das, was ich mir wünsche?! Einsamkeit ist ein Problem, das als solches auch in unserer Gesellschaft zunehmend erkannt wird. Die Sprachlosigkeit nimmt zu, obwohl wir mit den modernen Kommunikationsmitteln doch ständig erreichbar sind. Was auch immer es ist: Jemand, der verlässlich und glaubwürdig an meiner Seite steht – das ist ein unbezahlbarer Schatz!
Wir hören die Botschaft – alle Jahre wieder – doch dann ist es wieder so, wie es im Evangelium heißt:
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Quelle: Evangelium nach Johannes 1,11
Die Botschaft des Christentums wird in den kommenden Jahren immer weniger gehört werden, wenn sie einfach von „der Kirche“ kommt. Das ist kein neues Phänomen. Schon der hl. Franziskus legte in seiner ersten, nicht bestätigten Regel im 17. Kapitel fest: „Und alle Brüder sollen durch ihre Werke predigen“. Damals schon, im 13. Jahrhundert, musste das Wort Gottes nach neuen, einfachen Weisen suchen, um das Herz der Menschen zu erreichen: Franziskus tat das auch durch das erste lebendige Krippenspiel 1223.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine christliche Gemeinschaft – ob nun als Gemeinde verfasst oder nicht – „die Hoffnung für diese Welt ist“, wie es der Gründer der amerikanischen Freikirche Bill Hybels vor Jahren einmal sagte. Beklagen wir nicht einen scheinbaren Rückgang kirchlichen Lebens, der letztlich nur die Strukturen betrifft. Glauben wir an Den, der uns „alle Jahre wieder“ und so auch in diesem Jahr „mit allem Segen seines Geistes gesegnet“ (Eph 1,3) hat, wie es in der heutigen Lesung aus dem Epheserbrief heißt. Vertrauen wir darauf, dass Er wieder Seinen Weg zu den Menschen bahnen will, und vertrauen wir auch darauf, dass jeder von uns – wenn wir uns denn darauf einlassen wollen – eine ganz entscheidende Rolle spielen darf!
„Alle Jahre wieder“ – die letzte Strophe des Liedes lautet: „Sagt’s den Kindern allen, dass ein Vater ist, dem sie wohlgefallen, der sie nie vergisst.“
Wenn wir aus diesem Vertrauen leben – und das heißt glauben – werden andere das spüren. Und sie werden fragen: „Woher wisst ihr das?“, und dann können wir antworten: Kommt und seht…!
Amen.
Fürbitten
Christus, das Ewige Wort des Vaters, das Fleisch geworden ist, bitten wir:
- Hilf uns als Deiner Kirche in diesem Jahr, Dein Wort und Deine Nähe so zu bezeugen, dass die Menschen neu entdecken, dass du ein Gott bist, der unter uns wohnt.
(Komm, Herr Jesus – Komm, Herr Jesus) - Für alle, die unter dem Fehlen menschlicher Worte und ihrer Einsamkeit leiden und die nicht spüren, geliebt zu sein.
- Für diejenigen, die den großen Worten unseres Lebens nicht mehr glauben können, deren Liebe zerbrochen, deren Hoffnungen enttäuscht und Perspektiven zerstört sind.
- Für die Menschen, die durch Krankheit verängstigt, durch eine Trennung entmutigt, durch Konflikte verletzt sind.
- Für die, die unter Krieg und Terror leiden, die sich nach einem Wort des Friedens und Taten der Versöhnung sehnen.
- Für diejenigen, deren Leben zu Ende geht, die gestorben sind und in unserem Leben eine Leere zurückgelassen haben.
Barmherziger Vater, Dein Wort hält, was es verspricht, Dein Sohn Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.