22.08.2025
Worum es im Reich Gottes geht
Liebe Schwestern und Brüder,
Werbung für das Reich Gottes sieht anders aus: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; viele werden nicht hineinkommen; ich weiß nicht, wer ihr seid; Erste werden Letzte sein“. Es handelt sich um Worte Jesu und wir könnten uns ihnen entziehen – das ändert aber nichts daran, dass sie dastehen: als Frohe Botschaft oder als Mahnung?
Was aber wäre, wenn Jesus auf die Frage, ob es denn nur wenige seien, die gerettet werden, geantwortet hätte: „Egal was du tust, das Reich Gottes steht dir offen! Lebe einfach wie du willst – und egal was du unternimmst oder unterlässt: die Tür bleibt immer offen. Der Vater liebt dich und bei Ihm gibt es keine ersten und keine letzten“?
Wäre das Frohe Botschaft? Oder nicht vielmehr genau das Gegenteil? Wäre das nicht ein Schlag ins Gesicht für all die, die auf der Schattenseite des Lebens stehen? Für all die, die sich gegen viele Widerstände bemühen, Licht in das Dunkel der Menschen zu bringen? Wenn es egal wäre, ob ich gut oder schlecht bin, weil dies letztlich unerheblich ist – eine grausige Welt für die meisten, ein Schlaraffenland für wenige!
- Das heutige Evangelium lässt uns – wie schon an den vergangenen Sonntagen – neu fragen: worum geht es eigentlich? Um ein Ticket für die Veranstaltung „Ewiges Leben“? Um Belohnung bzw. Bestrafung für angemessenes oder unangemessenes Verhalten? Gemeinde, Kirche, kirchliches Leben – worum dreht es sich? Weswegen engagiere ich mich dort, was ist der Nutzen, der Mehrwert?
Auch wenn dies bei uns noch etwas verborgen geschieht, so ist in vielen Ländern seit einigen Jahren etwas Interessantes zu beobachten: Menschen, vor allem viele junge, suchen in der Kirche neu die Anbetung, eine persönliche Beziehung zu Christus, eine Begegnung mit IHM in der Eucharistie – wobei hier der schlichten und würdigen Feier der normalen Liturgie irgendwelchen gestalteten Feiern der Vorzug gegeben wird. Sie sind weniger an Aktivitäten und Events interessiert, sondern an einer Beziehung. Nicht an irgendeiner, sondern an der zu Jesus Christus – um daraus das Leben zu gestalten.
Was meine ich damit? Vielleicht wird’s durch den Kontrast deutlich:
Ich erinnere mich an Gespräche in Gremien und Gruppen meiner früheren Frankfurter Gemeinden. Als ich einmal davon sprach, dass die Beziehung zu Christus am Anfang meiner Berufung stand und dies das Schönste sei, was wir als Kirche ermöglichen könnten, antwortete mir ein PGR-Mitglied: „Naja, als Priester müssen sie ja so sprechen!“ Als es ein anderes Mal um die Vorbereitung zu Fronleichnam mit Pfarrfest ging und ich auf eine würdige Feier der Liturgie Wert legte, hörte ich den Kommentar: „Das eigentliche Fest beginnt doch eh erst nach der Messe!“ Bischof Franz Kamphaus mahnte schon damals in einer Predigt: die Kirche sei wie ein Rad mit vielen Speichen, das sich dreht. Und dann kommt der Widersacher und reißt den innersten Punkt heraus – das Rad dreht sich, dreht sich, aber ohne den inneren Punkt, das Herz, die Mitte. „Das darf um Himmels Willen nicht geschehen!“, so schloss er.
Ja, das darf nicht geschehen. Die Beziehung zu Christus ist die Mitte. Sie muss die sichtbare, die spürbare Mitte sein und bleiben. Erst sie gibt unser aller Tun – nicht nur in der Gemeinde – Sinn und Orientierung. Sie gibt mir Kraft für den Alltag – auch für die Dinge, die in der Nachfolge schwer und mühsam sind, die sinnlos scheinen. Aber durch IHN, Christus, möchte ich mich immer neu darum bemühen: Zuhören; über meine Bequemlichkeit herausgehen; großzügig sein; verzeihen; den unbequemen statt den bequemen Weg gehen; mich dort einsetzen, wo ich wenig Applaus erwarten kann; denen nahe sein, die Jesus seligpreist …
Ja ich weiß, dass ich viel zu oft hinter meinen Möglichkeiten zurück bleibe – sei es aus Angst oder Bequemlichkeit, aus Faulheit oder Desinteresse. Aber ich weiß – ja ich spüre auch: ER gibt nicht auf, mich zu ermutigen, den Weg zu gehen, den ER gebahnt hat.
„Sind es nur wenige, die gerettet werden“ – die Frage ist falsch gestellt. Es geht Jesus um etwas ganz anders.
Amen.
Fürbitten
Unser Herr Jesus Christus ist die Tür, die zum Herzen des Vaters führt. Ihn wollen wir bitten:
- Wir bitten Dich für Deine Kirche, für unsere Pfarrei und unsere Gemeinden: dass die Freude, die nur Du schenken kannst, aus unseren Worten und Taten spricht und Menschen zu Dir führt.
(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns) - Wir bitten für die Kinder, die in diesen Tagen in die Schule aufgenommen wurden, und für die Jugendlichen, die ein Studium, eine Ausbildung oder ein freiwilliges Soziales Jahr beginnen: Lass sie Deine liebende Begleitung erfahren.
- Lass diejenigen, die sich für den Frieden und die Versöhnung gerade in der Ukraine und im Heiligen Land einsetzen, ein offenes Ohr und ein bereites Herz bei denen Mächtigen dieser Welt finden.
- Schenke uns allen den Mut, uns in unserem Alltag der Stille auszusetzen: im persönlichen Gebet, im Lesen der Heiligen Schrift im Hören auf dein Wort.
- Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen: öffne Du ihnen die Tür zum ewigen Leben.
Dir, barmherziger Vater, sei Dank, durch Deinen Sohn Jesus Christus, der uns in die Gemeinschaft mit Dir und dem Heiligen Geist lädt, jetzt schon und einst in Ewigkeit.
Amen.