16.08.2025
Vom Mut in der Nachfolge
Liebe Schwestern und Brüder,
es ist schon eine Versuchung, dem heutigen Evangelium das Bedrohliche zu nehmen und das Wort vom „Feuer“ in den Griff zu bekommen. Dann könnten wir vom „Feuer des Hl. Geistes“ sprechen, vom „Feuer der Begeisterung“, das Jesus auf die Erde, vor allem zu Seinen Jüngern bringen will. Und dann könnten wir hier darüber sprechen, wie wir hierzulande wieder etwas mehr Begeisterung und Glaubensfreude verbreiten könnten und uns da gegenseitig ermutigen. Das würde sich auf jeden Fall lohnen!
- Aber nein, kehren wir zum Text des Evangeliums zurück. Jesus drängt dort Seine Jünger zu Entscheidung und Entschiedenheit für das Reich Gottes und warnt sie vor faulen Kompromissen. Dabei macht ER auch deutlich, dass eine solche Haltung auch zu Konsequenzen führt – und das bedeutet: Es braucht in der Nachfolge eben auch Mut! Jesus wird der Erste sein, der die Konsequenzen Seines Handelns zu spüren bekommen wird und Er spricht in diesem Zusammenhang von einer „Taufe“, die hier Sein blutiges Kreuzesopfer meint.
Die Tradition der Kirche hat diese Aussage Jesu immer schon im Kontext der großen Prophetengestalten des AT gesehen: Wir hörten in der 1. Lesung vom Propheten Jeremia, davon, wie er von seinen Feinden in eine Zisterne geworfen wird. Worin bestand sein Verbrechen, sein Vergehen? Schlicht und einfach darin, dass er angesichts der Belagerung Jerusalems durch die Babylonier davon sprach, dass es keine Rettung gibt, sondern nur die Kapitulation, um dem Tod zu entkommen! Er sollte Recht behalten. Jeremia war auch deswegen unbequem, da er die Politik der Herrschenden, die Moral des Volkes und die religiöse Indifferenz beklagte und dies alles letztlich als Grund dafür sah, dass das Volk Unheil erfährt. Für den „Mainstream“ waren und sind solche Menschen schwer zu ertragen.
Jesus war – Jesus Christus ist! – ein solcher Störenfried. Und jeder, der sich in Seine Nachfolge begibt, muss das wissen, muss damit rechnen. Jesus will keinen Streit, keine Spaltung – beim Evangelisten Matthäus ist sogar vom „Schwert“ die Rede (vgl. Mt 10,34) – aber in unserer Welt, die so ist, wie sie nun mal ist, ist das nahezu unvermeidlich! In der Sprache der Theologie nennen das das die „Folge der Erbsünde“, die Folge davon, dass die Menschen immer wieder in Versuchung geraten, eine angeblich bessere Welt nach ihren Vorstellungen zu bauen – und dabei Gott und Seine Vorstellungen vom Leben an die Seite stellen.
Nichts anderes hält Jesus Seinen Gegner vor. Da sie mächtig sind, weiß ER aber auch, wie das für Ihn erst einmal enden wird.
- Heute scheidet, spaltet und entzweit das Wort Gottes in gleicher Weise. Dort z.B., wo es um die Frage nach der Würde des Menschen und den Lebensschutz geht. Das haben wir kürzlich wieder beim Streit um Richterberufungen mitbekommen. Das Wort Gottes entzweit, wenn es um den Einsatz für die Ungeborenen und den Menschen in seiner letzten Lebensphase geht. Ähnliches erleben wir bei den Fragen nach Gerechtigkeit: Wenn es um die Frage der gerechten Verteilung der Güter der Erde, um die Frage nach Migration, arm und reich geht, erfährt die Kirche seit den Zeiten des Hl. Papstes Johannes Paul II. viel Gegenwind. Das sehen wir auch hinsichtlich der Verwirrung, die im Blick auf die Genderfragen bei uns herrscht und der gegenüber die Kirche auf ihre Lehre vom Menschen verweist. Da weist der Konflikt, der bis in die Gemeinschaft der Gläubigen hinein reicht, Züge eines Kulturkampfes auf. Und: So wie damals sind auch heute die Gegner mächtig!
- Nein, das Wort Gottes hat nichts Bedrohliches. Es spricht vom Plan Gottes mit der Welt und der unbedingten Würde des Menschen und seiner Beziehung zu Gott; es spricht davon, den Menschen genau dazu zu befreien: dass er Partner, Freund Gottes wird! Das war und ist das Anliegen Jesu. Das Kreuz zeigt, wohin es führen kann, sich dafür einzusetzen – aber die Auferstehung bezeugt, was letztlich siegt. Dieses Feuer möchte Jesus heute auch durch uns weitertragen. Und dieses Feuer möchte auf mich überspringen, damit ich diese Frohe Botschaft verbreite – dafür verleiht ER mir auch den Geist des Mutes.
Amen.
Fürbitten
Jesus Christus ist gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen und wünscht, dass es hell brennen möge. Wir bitten Ihn:
- Wir bitten Dich für Deine Kirche, für unsere Pfarrei und unsere Gemeinden: dass wir noch mutiger die Befreiung verkünden, die Du mit der Frohen Botschaft in die Welt gebracht hast.
(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns) - Wir bitten für die Kinder, die in diesen Tagen in die Schule aufgenommen wurden und für die Jugendlichen, die ein Studium, eine Ausbildung oder ein freiwilliges Soziales Jahr beginnen: Lass sie Deine liebende Begleitung erfahren.
- Lass diejenigen, die sich für den Frieden und die Versöhnung gerade in der Ukraine und im Heiligen Land einsetzen, ein offenes Ohr und ein bereites Herz bei denen Mächtigen dieser Welt finden.
- Wir bringen Dir unseren Alltag in Partnerschaft, Ehe, Familie, Beruf und Freizeit: Lass uns erkennen, wo Du selbst durch uns sprechen und handeln willst.
- Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen, dass sie nach all den Wirrnissen ihres Lebens in Deiner Ruhe leben dürfen.
Dir, Barmherziger Vater, sei Dank denn Du hörst die Gebete, die wir im Namen Deines Sohnes zu Dir bringen, mit dem Du in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und herrschst in alle Ewigkeit.
Amen.