12.12.2025

Vertrauen wagen

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore am 3. Advent 2025 (Lesejahr A)

Liebe Schwestern und Brüder,

Bist du es? Bist du es, der kommen soll? Quelle: Johannes der Täufer

So fragt Johannes der Täufer im Gefängnis. Er ahnt, wie es mit ihm enden wird und sieht sich am Ende seines Lebens mit der Frage konfrontiert: Hat es sich gelohnt? War es das wert, dass ich mein Leben dafür eingesetzt habe? Dass ich Jesus den Weg bereitet habe?

Jesus antwortet auf diese Frage mit Versen aus den Prophezeiungen des Jesaja: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören. All das ist durch Jesus geschehen, davon wird Johannes gehört haben. Aber reicht diese Antwort aus? Versuchen wir, uns in die Situation des Johannes zu begeben: Wäre uns diese Antwort genug?

Ich erinnere mich an meine Studienzeit: Ein jüngerer Mitbruder im Priesterseminar wollte gleich zu Beginn seines Theologiestudiums eine Seminararbeit mit dem Titel „Gott beweisen“ schreiben. Klar, mit den Mitteln der Vernunft muss es doch möglich sein, deutlich zu machen, dass es unvernünftig ist, Gott aus der Gleichung des Lebens auszuklammern. Dieser junge Seminarist kam aus Berlin, aus dem ehemaligen Osten der Stadt, und die Katholiken dort hatten sicher keine leichten Jahre und Jahrzehnte hinter sich. Es ist doch sehr verständlich, dass da ein junger Mann versucht, mit Mitteln der Vernunft zu zeigen, ja zu beweisen: Ich bin nicht verrückt, wenn ich an Gott glaube!

„Bist du es?“ Angenommen, es wäre möglich, Gott zu beweisen, also eindeutig darzulegen, dass es Gott gibt und Er hinter allem steht, was sich lebt, bewegt und dreht: Wäre unsere Welt anders? Stünde unsere Gesellschaft anders da? Könnten wir es in unserer Nachbarsschaft spüren? Wenn man „weiß“, dass Gott existiert, dann wäre alles anders!

Aber stimmt das wirklich? Zu wissen, dass es Gott gibt, heißt doch noch lange nicht, dass ich Ihm auch vertraue, dass ich Ihm mein Leben anvertraue und damit das Leben tatsächlich anders wird!

„Bist du es?“ In Krisen unseres Lebens zeigt sich, auf welchem Fundament wir stehen, auch auf welchem Glaubensfundament! Johannes der Täufer ist in einer genau solchen Krisensituation seine Lebens angelangt: Hat sich mein Leben, mein Einsatz gelohnt? Hat mein Leben etwas Sinnvolles in diese Welt hineingebracht? Zu wissen, dass Wunder geschehen sind, die mit dem Kommen des Messias verbunden sind, ist das eine. Aber dabei auch den Schritt zu wagen, dieser Person zu vertrauen ist etwas völlig anderes!

Im Advent, der Vorbereitung auf Weihnachten, geht es genau darum: Kann ich, will ich diesem Gott, der sich in Jesus so klein gemacht hat, mein Leben anvertrauen? Bin ich davon überzeugt, dass ER der „Polarstern“ meines Lebens ist, auf den ich alles ausrichten kann? Die Antwort auf diese Frage kann mir niemand abnehmen, ich muss sie selbst finden und dann auch leben. Andere können mir dabei eine Hilfe sein, eine Ermutigung, ein Vorbild. Wie schön ist es, sich z.B. einen Heiligen als einen Wegbegleiter auszusuchen und zu entdecken, dass seine Kämpfe und Krisen gar nicht so sehr anders waren als meine – und dass er dabei bleib: Auf Ihn zu vertrauen. Und dabei gerade auch auf die kleinen Zeichen in meinem Leben zu achten. Zeichen, auf die Jesus Johannes den Täufer aufmerksam macht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. Das alles ist noch keine heile Welt – es sind aber Zeichen von Heil! Wo Christus ist, werden keine Systeme umgestürzt oder kuriert, sondern Menschen: der einzelne Mensch erfährt Heil und Heilung. Der Mensch, der es Christus erlaubt, sich ihm zu nähern, bei ihm anzukommen.

Advent – Ankunft. Gott kommt beim Menschen an. Und dann ist es Christus, der mich fragt: „Bist du es, bist du der, durch den ich ankommen kann beim Menschen?“

Durch Johannes wurden Menschen auf Christus hingewiesen, zu Ihm geführt. „Bist du es?“, fragt Er uns – bist auch du einer, durch den das geschehen kann?

Reicht uns das als Antwort? Johannes wird am Ende nicht aus dem Gefängnis befreit, der Henker wird sein Leben beenden. „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ – das galt für Johannes und das gilt für uns heute: Es auszuhalten, dass Christus anders ist und anders handelt, als ich mir das wünsche und mir das vorstelle. Ihn dabei als den zu betrachten, der weiß, was Er will. Denn ER ist der Messias. Er kommt an. Advent.

Amen.

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, der gekommen ist und dessen Reich wächst, bitten wir: 

  • Blinde sehen wieder – wir bitten Dich für Deine Kirche, dass sie den Menschen Deine Botschaft glaubwürdig und barmherzig verkündet.
    (Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)
  • Lahme gehen – wir bitten dich für diejenigen, die auf ihrem Lebensweg ins Stolpern geraten sind und nicht mehr wissen, wie es weiter geht.
  • Aussätzige werden rein – wir bitten Dich für alle Ausgestoßenen unserer Gesellschaft: die leiblich und seelisch Erkrankten, die Gestrauchelten, die schuldig Gewordenen.
  • Taube hören – wir bitten Dich für diejenigen, die im Trubel unserer Welt ihre tiefe Sehnsucht nach Dir nicht mehr vernehmen können.
  • Den Armen wird das Evangelium verkündet – wir bitten Dich um die Bereitschaft, gerade denen, die in nah oder fern in eine Notlage geraten sind, mit unseren Möglichkeiten zu helfen.
  • Tote stehen auf - wir bitten Dich für unsere Toten, dass an ihnen Deine Verheißung in Erfüllung geht.

Dir möchten wir den Weg bereiten, der Du vom Vater kommst, mit dem Du in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

Amen.

Die verschiedenen Texte am 3. Advent des Lesejahres A finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron und beim Evangelium in leichter Sprache.

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