29.08.2025

Valentinuswallfahrt 2025: Wir sind von Gott geliebt

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zur Valentinuswallfahrt am 31. August um 10 Uhr in Kiedrich

Herzliche Einladung!

Diese Predigt wird teil des Gottesdienstes am Sonntag, den 31. August 2025 um 10 Uhr in der Basilica minor in Kiedrich sein an den sich die sakramentale Prozession anschließt.

Um 14:30 Uhr des selben Tages findet auch eine Valentinus-Bruderschaftsandacht mit Auflegung der Reliquien statt.

Wir laden Sie ganz herzlich ein an der Wallfahrt teilzunehmen!

Liebe Schwestern und Brüder,

vor kurzem sah ich einen Cartoon, das ein älteres Ehepaar zeigte. Sie sagte zu ihm: „Du hast mir schon lange nicht mehr gesagt, dass du mich liebst!“ – Er meinte daraufhin: „Ich habe es dir doch schon bei der Hochzeit gesagt – wenn sich daran was ändert, sage ich es dir!“ Also: Er liebt sie immer noch – was will sie mehr? Doch: Sie möchte es einfach immer wieder einmal hören. Weil wir das brauchen. Weil es uns gut tut. Weil wir uns verändern und Sicherheit brauchen!

Manchmal gibt es aber auch Sätze, die hören wir so oft, dass wir sie gar nicht mehr richtig hören. Ein solcher Satz ist z.B.: Gott liebt die Menschen. Gott liebt dich! „Ja, ja“, mögen wir da denken und sagen, das ist schon richtig – aber irgendwie geht er doch an uns vorbei. Offensichtlich nehmen wir ihn als selbstverständlich. Aber ist das wirklich so? Ist das für uns so selbstverständlich?

- Im Brief an die Römer, von dem wir eben den Anfang hörten, schreibt Paulus: „An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen“. Mit dieser Aussage fängt er an, das ist das Wichtigste: Wir sind, ich bin von Gott geliebt!

Ich muss mir das nicht verdienen, ich muss nichts leisten, um geliebt zu sein und zu werden. Ich bin es. Einfach so! Nur deswegen bin ich!

Für Paulus war diese Erkenntnis eine Revolution und wenn wir uns seine Briefe anschauen, werden wir merken, dass er immer wieder an diesen Punkt kommt: Du, Mensch, bist geliebt. Und die Liebe Gottes zu dir hängt nicht davon, ab, ob du Gott ebenso liebst. Nein, das Wesen Gottes ist die Liebe und Er kann gar nicht anders, als das: Dir in Liebe zu begegnen.

- Diese Erfahrung, die Paulus niederschreibt und „sein Evangelium“ nennt, ist heute auch für viele nicht selbstverständlich. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Immer wieder ist es auch die Erfahrung von Leid!

Wir feiern heute hier in Kiedrich unseren Patron. Das Leben des hl. Valentin verliert sich ein wenig in der Geschichte und der Tradition. Wofür er aber stand und steht machte ihn nicht nur hier in Kiedrich zu einer Leuchtfigur. Er steht dafür, dass Menschen, die sich ausgeschlossen fühlten und es durch ihre Krankheit auch waren, erfahren konnten: Warum auch immer das Leid dich trifft und du trotz deiner Wallfahrt und deiner Gebete nicht geheilt wirst, du bist geliebt, du bist wertvoll. Damit wir uns nicht missverstehen: Es geht nicht um Mitleid, darum, dass ich jemanden „von oben herab“ die Hand reiche und etwas trösten will. Es geht um Würde.

“Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – das ist der erste und wohl wichtigste Grundsatz im 1. Artikel unseres Grundgesetzes. Er ist Frucht einer furchtbaren Erfahrung in unserem Land – und er ist Frucht der christlichen Prägung derer, die dieses Grundgesetz formulierten. Die Würde: Der Mensch kann in Situationen kommen, in denen er sie sich nehmen lässt, in denen er meint, sie nicht bewahren zu können. Krankheit, gerade auch psychische Erkrankungen, können ein solcher Grund sein. Da ist der Mensch auf Hilfe angewiesen, spürt, dass er vielem nicht mehr gewachsen ist wie früher, da wird er gemieden oder „schief“ angeschaut – und auch für einen gläubigen Menschen kann dann die Frage am Horizont erscheinen: Wenn mich Gott liebt, wenn ich in Seinen Augen etwas Besonderes bin, wieso dann das? Fromme Menschen versuchen dann zu sagen: „Du musst dein Kreuz tragen!“, aber ist das wirklich ein Trost, eine Hilfe, eine Erklärung?

Paulus spricht im Römerbrief davon: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? (und wir können hier all unsere persönliche Not noch hinzufügen).. Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes“ (Röm 8, 35ff). Gebe ich Ihm die Möglichkeit, mir das zu zeigen, das zu sagen?

Mit dem Bild, mit dem ich anfing, dem Bild des alten Paares und ihrer Frage nach der Liebe, möchte ich schließen: Wenn sie, schwach und hinfällig, einfach sieht, dass er jeden Tag da ist, sie im Krankenhaus besucht, die Hand hält, ihr kleine Geschenke macht – kurz: einfach da ist, einfach so, dann wird sie spüren und wissen: Er liebt mich noch immer.

Jesus, der Freund, von dem wir im Evangelium hörten, zeigt es mir auch. Er ist da. Einfach so. Weil ER mich liebt.

Amen.

Die verschiedenen Texte vom 22. Sonntag des Jahreskreises des Lesejahres C finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron und beim Evangelium in leichter Sprache.

In der Predigt wird indes auf ein anderes Evangelium bezug genommen: Den Beginn des Briefs des Apostels Paulus an die Römer. Sie finden diesen (in diversen Übersetzungen) unter anderem beim ERF Bibelserver: Römer 1,7

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