21.11.2025
Dismas
Liebe Schwestern und Brüder,
das heutige Fest Christkönig zeigt uns Christus als einen König, der so ganz anders ist, als sich die Welt sonst einen König vorstellt: Die Krone ist nicht aus Gold, sondern aus Dornen; der Thron kein bequemer, ausladender Stuhl, sondern ein Kreuz; die Kleidung nicht aus erlesensten Stoffen, sondern wenn überhaupt nur ein Leinentuch um die Hüfte, aber wahrscheinlich noch nicht einmal dies.
Genau vor 100 Jahren wurde das Fest von Papst Pius XI. eingeführt und der Anlass war die 1600-Jahr-Feier des ersten Konzils der Kirche, des Konzils von Nicäa. Während nach dem 1. Weltkrieg die Monarchien in Europa zerfielen, sollte der Blick auf den wahren König gerichtet werden.Aber schauen wir auf das Evangelium: Lukas berichtet uns eine Begebenheit, die die anderen Evangelisten so nicht erzählen. Inmitten des grausamen Geschehens der Kreuzigung werden wir Zeugen einer sehr persönlichen, ja beinahe intimen Begegnung. Wir sind Zeugen eines Gespräches zwischen Jesus und einem der beiden Schächer. Die Tradition gibt ihm den Namen „Dismas“ von ἡ δυσμή (dysē), was „Untergang“, „Sonnenuntergang“ oder sinngemäß einfach „Ende“ bedeuten kann: Am Ende seines Lebens muss sich dieser Mann nichts mehr beweisen, er kann sich sehen, wie er ist:
Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten Quelle: Evangelium nach Lukas 23,41
Wie schrecklich muss neben der grausamen Strafe dieses Eingeständnis eigener Fehlbarkeit sein?
Doch Lukas erzählt weiter und da entdecken wir etwas Wunderbares: Dismas spricht Jesus nun direkt an und möglicherweise merken wir gar nicht, wie er das tut. Er spricht ihn nur mit „Jesus“ an – ohne irgendeinen Titel wie „Rabbi“, oder „Meister“.
Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Quelle: Evangelium nach Lukas 23,42
Dies ist in den Evangelien die einzige Stelle, in der jemand Jesus einfach nur mit Seinem Namen anspricht. Der Gescheiterte spricht mit dem Gescheiterten! Jesus ist in diesem Moment nichts anderes als wahrer Mensch. Nichts, noch nicht einmal ein Titel, trennt Ihn jetzt noch von dem, der ganz unten angekommen ist.
Schauen wir auf die Antwort Jesu:
Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein Quelle: Evangelium nach Lukas 23,43
Jesus, ganz Mensch, offenbart, wer Er eben auch ist: Gott! Nur Gott kann das Himmelreich versprechen. Das ist wirkliche Macht, über die sonst kein weltlicher König verfügt.
Dismas, der Schächer, sieht sich ungeschminkt in seiner Fehlerhaftigkeit. Aber das sagt nichts über den Wert seiner Person! Das ist etwas anders. Jesus sieht den Menschen, der mehr ist als die Summe seiner Fehler und Schwächen; der Mensch, der geschaffen wurde zum Lobe Gottes kann Gott selbst dort begegnen, wo alles gottlos scheint.
Was kann das für uns bedeuten? Natürlich freuen wir uns über ein Leben, das gelingt und dem auch die Anerkennung der anderen nicht verwehrt wird. Als Christen können wir überdies aber gerade am heutigen Christkönigsfest noch etwas sehen, was wirklich Frohe Botschaft genannt wird: Jesus lässt sich auch da finden, wo sich ein Mensch „ganz unten“ befindet und begegnet ihm dort tatsächlich als Gleicher. Der Mensch begegnet einem anderen, der nicht nur einfach da ist, sonder der ihn als Mensch in all seinem Wert sieht. Die letzten Päpste machten das immer sehr eindrücklich deutlich, indem sie Gefängnisse aufsuchten, um den Gefangenen zu begegnen. Der verstorbene Papst Franziskus antwortete dabei einmal einem Reporter auf die Frage, warum er das tue, indem er sagte: „Ich frage mich immer: warum sie und nicht ich?“. Und Papst Johannes XXIII. rief im Gefängnishof: „Meine Lieben, ich bin es, euer Bruder Johannes!“
Dazu sind auch wir als Christen eingeladen: dass wir an einem Klima in unserer Gesellschaft mitwirken, das gerade in den sozialen Medien eher daran interessiert ist zu verurteilen, auszugrenzen. Wie schnell sind auch wir bereit, Gerüchten zu glauben und dem Hörensagen Raum in unserer Urteilsfindung einzuräumen?
Was einen Menschen und damit die Welt im Kleinen wirklich verändern kann: Der Blick Jesu, ein Blick, den wir eingeladen sind nachzuahmen.
Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du rufst uns in Dein Reich. Wir bitten Dich:
- Lass uns die Wahrheit Deiner Gegenwart durch unser Leben glaubwürdig bezeugen.
(Christkönig - wir bitten Dich, erhöre uns.) - Lass diejenigen, deren Leben schwer geworden ist, erfahren, dass Du ein Gott bist, der das Leben liebt.
- Schenke besonders den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft die Achtung vor der Heiligkeit des Lebens.
- Lass uns erfahren, dass Deine Gnade gerade dann in uns wirksame wird, wenn wir selbst unsere Schwachheit bekennen.
- Mach Deine Kirche in unserer Welt zu einem glaubwürdigen Garanten dafür, dass Gerechtigkeit immer mit Liebe verbunden ist.
- Lass unsere Verstorbenen in dem Reich des Friedens wohnen, zu dem wir alle unterwegs sind.
Du wirst dem Vater das Reich übergeben, in dem er mit Dir und dem Heiligen Geist lebst und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.