01.03.2026
Quarantäne?
Das Wort löst bei vielen von uns Schrecken und Abwehr aus. Die Corona-Zeit hat vielen Menschen Schaden zugefügt, Seelen und menschliches Miteinander geschunden.
Gehen wir dem Begriff mal auf den Grund: Quarantäne kommt von (frz.) quarante und bedeutet `vierzig`.
Die `40` hat in der Bibel eine ganz besondere Bedeutung. Das Volk Israel zog 40 Jahre durch die Wüste. Mose war vierzig Tage auf dem Berg, Elija war vierzig Tage in der Wüste. Niemals meint es eine numerische Angabe, es sind keine gezählten Zeitabschnitte. Die `40` steht in der Bibel für eine Zeit des Reifens, des Umbruchs, des Neuanfangs.
Das Volk Israel lernte auf dem Weg durch die Wüste, auf dem Wegzug aus der Heimat in die Fremde, Gott als den kennen, der mitgeht. Gott als Mitgeher, als der, der für sein Volk sorgt und auch korrigiert. Auf dieser Wüstenwanderung lernten sie neue Lebensregeln, erfuhren, dass Gott und Mensch in Beziehung leben können und dadurch Zukunft werden kann.
Mose auf dem Berg trat in Beziehung zu Gott, war erleuchtet und angerührt, zugleich aber auch mit neuer Leidenschaft für Gott und sein Wort entfacht – so sehr, dass er angesichts des Bundesbruches seines Volkes, die Tafeln mit den Weisungen Gottes zerschmetterte… dann aber für sein Volk um Erbarmen bitten konnte.
Elija zog vierzig Tage und Nächte durch die Wüste – nachdem er voller Zorn die Gottlosigkeit angeprangert hatte, im Namen Gottes gewütet hatte, dann fliehen musste… und schließlich am Gottesberg Gott als den ganz Anderen erfahren durfte. Gott war nicht im Toben, im Sturm und in der Lautstärke, sondern im leisen Säuseln. Gott hatte er hier, nach seinem Fluchtweg ganz neu erfahren… und war gerüstet für den neuen Auftrag.
Auch Jesus war vierzig Tage in der Wüste; nach seiner Berufung in der Taufe am Jordan wird er in der Wüste versucht. Macht, Erfolg, Ansehen… alles schlägt er aus. Er hält seiner Berufung stand. Bindet sich an das göttliche Wort und seine Berufung.
Aus dieser biblischen Szene heraus ist unsere Fastenzeit gedacht. 40 Tage vor Ostern (die Sonntage werden nicht mitgezählt) sind Tage, in denen wir als Christen unserer Berufung standhalten und sie erneuern können. Es sind Tage, die uns neue Orientierung geben können, wenn wir uns einmal zurückziehen aus dem lauten Geschehen und den sozialen Medien dieser Zeit und Worte suchen, die uns guttun. Worte, die uns neu ins Leben hineinführen. Worte, die uns nicht schaden, die das menschliche Miteinander und unsere Seele neu ausrichten. Worte, die aus dem Munde Gottes kommen – wie wir am ersten Fastensonntag hören.
40 Tage Fastenzeit ist Quarantäne für die Seele und das menschliche Miteinander – nicht, um uns Unheil und Schrecken auszusetzen, sondern um uns ein wenig heiler, friedvoller und bewusster zu machen: 40 Tage Fastenzeit mögen uns guttun, damit wir anschließend anderen Menschen wieder guttun können. Denn wer nur sich selbst sieht, sich nicht zurückbindet an Gottes Wort und Gottes Liebe, verliert die Orientierung – so, wie damals das Volk Israel in der Wüste auch Irrwege gehen musste, weil es aus Angst und Verzweiflung Gott aus dem Auge verloren hatte.
Nutzen wir die 40 Tage zum Neuanfang mit den Mitmenschen, mit Gott … auch den sozialen Medien.
Dann ist diese „Quarantäne“ Heilszeit. Binden wir uns neu an unsere Berufung durch die Taufe – oder suchen wir ganz neu nach dem Gott, der ein Mitgeher-Gott ist.
Monika Dittmann