09.01.2026

Taufe: aus der Fülle des Geistes leben

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore am Fest der Taufe des Herrn 2026 (Lesejahr A)

Liebe Schwestern und Brüder,

alle vier Evangelien berichten davon, dass die Taufe Jesu das entscheidende Ereignis im Leben Jesu war: Von diesem Moment an lebte Er anders! Das Leben in der Verborgenheit oder der Vorbereitung in Nazareth war vorbei und Er tritt hinaus in die Öffentlichkeit, um das zu leben und zu lehren, was wir heute als die Botschaft des Christentums verstehen. Die Taufe war die Initialzündung: Seine Bereitschaft und die Sendung, Seine „Bevollmächtigung“ durch den Vater, kommen zusammen.

- Wer kann sich von uns an seine eigene Taufe erinnern? Es sind wohl die allerwenigsten! Papst Franziskus hatte uns alle vor Jahren dazu ermutigt, uns an den Tag unserer eigenen Taufe zu erinnern und persönlich zu feiern. Dieser Tag hat uns zu einem Glied an dem großartigen Leib Christi gemacht und dies ist ein Geschenk! Was ich bedaure: Wir können einen Tag feiern, der vielleicht in Bildern festgehalten wurde aber wir erinnern uns nicht daran. Und damit wissen wir auch nicht, was sich dadurch hätte verändern können oder was er bedeutet hat – denn es gibt ja in unserer Erinnerung kein Vorher und Nachher. Denn das ist mit der Taufe – wir hörten es im Evangelium – und in der Zeit der ersten Jahrhunderte des Christentums ursprünglich verbunden gewesen: Die Taufe ist eine Initiation, eine Initialzündung des Lebens, sie markiert einen Bruch oder Übergang des Lebens in ein Vorher und ein Nachher! Jesus wurde in der Gestalt einer Taube mit der Kraft des Geistes gestärkt und wir beteten eben im Tagesgebet: „Gib, dass auch wir … aus der Fülle dieses Geistes leben“.

Der Heilige Geist: Er ist kein himmlischer „Vitamin-Booster“, der unserem persönlichen Leben und unseren Projekten zu mehr Kraft verhelfen soll. ER ist Gottes unsichtbare Gegenwart, die sich mit meinem Leben verbindet, um das Leben Gottes und Seinen Projekten in dieser Welt durch mich und meine Fähigkeiten zum Durchbruch verhelfen soll. Dafür braucht es in der Regel eine eindeutige Entscheidung. Dafür braucht Gott meine freiwillige Bereitschaft, Ihn so an und durch mich handeln zu lassen. Das meint Taufe!

- An unserer Situation, dass wir getauft wurden, weil andere es aus guten Gründen für richtig hielten und uns so mit der Kirche verbinden wollten, ändert das nichts. Was ich aber tun kann: mich erinnern! Gab es für mich eine Situation, in der ich mich ausdrücklich für den Weg des Glaubens, für ein Leben mit Christus entschieden habe? Ein Moment, in dem ich dachte oder erfuhr: Ab jetzt ist es anders, ab jetzt möchte ich mehr aus dem Vertrauen leben, dass Gott mein Leben begleitet? Ja vielleicht sogar: Ich möchte auf meine Weise dem Reich Gottes in meinem Umfeld zum Durchbruch verhelfen? Kann ich daran anknüpfen, den Geist dieses Moments, dieser „Taufe“ spüren und mich wieder neu dafür entscheiden: dass ich dem Leib Christi durch mich zum Wachstum verhelfe?

Denn darum geht es: Um Sein Reich! Es geht darum, dass diese Welt wieder dahin kommt, wie sie von Gott gemeint ist, dass die „Gerechtigkeit“ Gottes sichtbar wird, also Sein wunderbares Wirken.

Wieder liegt ein Jahr vor uns, ein Buch mit so vielen unbeschriebenen Blättern. Der eine oder die andere von uns steht möglicherweise vor Veränderungen, Herausforderungen und wichtigen Entscheidungen. Wie wäre es, sich dann mit Christus einzureihen in die Menge der Menschen, die sich am Jordan zusammengefunden haben, um eine Taufe zu vollziehen: Jesus verließ dabei das „Leben für sich“, um in das „Leben für uns“ zu wechseln. Entscheidungen, die Er von diesem Moment an traf, hatten eine andere Zielrichtung. ER wusste, wie sehr der Vater Ihn liebt und dies bildet den Kern Seiner Persönlichkeit. Wenn wir – das kann jeder Einzelne nur für sich selber tun – in dieser Haltung Jesu sagen: Veränderungen, Herausforderungen, Entscheidungen, ja auch Krisen und Krankheiten haben in diesem Jahr nicht einfach nur mit mir alleine zu tun. Sie sind Teil eines großen Ganzen und ich möchte in meiner Weise daran mitwirken, dass dieses Große und Ganze auch durch meinen kleinen Beitrag strahlen kann: als Reich Gottes.

Liturgie ist keine Erinnerung. Liturgie ist Feier des „Es-ist-Jetzt“! Jetzt bekommen wir, bekomme ich gesagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Es gab dafür einen konkreten Anfangspunkt, das ist unsere Taufe. Und Gott hört nicht auf, es uns immer wieder zu sagen, es uns spüren zu lassen – bis wir es selbst glauben!

Amen.

Fürbitten

Den allmächtigen Vater, der bei der Taufe im Jordan Jesus als seinen geliebten Sohn geoffenbart hat, bitten wir:

  • Schenke uns als Deiner Kirche in diesem Jahr die Bereitschaft, uns Dir ganz zur Verfügung zu stellen, damit so Deine Nähe, Barmherzigkeit und Liebe gegenüber der Welt spürbar wird.
    (Wir bitten Dich, erhöre uns)
  • Schenke allen Getauften den Mut, von der Freude und der Erfüllung zu sprechen, die nur der Glaube schenken kann.
  • Schenke denen, die ihren Glauben verloren haben, Begegnungen mit Glaubenszeugen, die sie neu ermutigen, sich auf Dich und Dein Wort zu verlassen.
  • Lass uns mitwirken an einer Welt, in der Friede, Versöhnung und Gerechtigkeit möglich werden, und hilf allen, die in Politik und Wirtschaft für das Wohl anderer Verantwortung tragen.
  • Nimm unsere Verstorbenen bei Dir auf und verzeihe ihnen dort, wo sie Dir und Deiner Führung misstraut haben.

Denn Du bist das Leben und willst, dass wir es ergreifen. Dir sei Dank mit dem Sohn und dem Heiligen Geist in alle Ewigkeit.

Amen.

Die verschiedenen Texte am Fest der Taufe des Herrn des Lesejahres A finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron und beim Evangelium in leichter Sprache.

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