27.02.2026
Verklärung – in Seinem Licht erscheinen
Liebe Schwestern und Brüder,
haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum wir in der Fastenzeit immer dieses Evangelium von der Verklärung Jesu hören? Es ist fester Bestandteil des 2. Sonntags der Fastenzeit. Warum? Was will es uns sagen – und vor allem: was kann es uns, mir bedeuten?
Dabei müssen wir zurück in die Kirche des 4. und 5. Jahrhunderts: In dieser Zeit wurden Menschen, die sich auf die Taufe vorbereiten wollten, in einem langen, mehrjährigen Prozess in die Kirche und den Glauben eingeführt. Die letzen 7 Wochen vor der Taufe an Ostern bildeten den Höhepunkt dieser Vorbereitung. Bis heute bewahrt die Kirche in der Fastenzeit die Evangelien, die genau diesem Zweck dienten: in den Glauben einzuführen.Dabei ging – und geht – es um das, was wir in der 1. Lesung von Abraham hörten:
Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde …ein Segen sollst du sein Quelle: Genesis 12,1f.
Christsein ist eine Lebensweise, die grundverschieden ist von dem, was die Welt sonst bietet. Um Christ zu werden bedarf es dieser fundamentalen Bereitschaft: ein anderes Leben zu leben, aus dem bisherigen „Land“ auszuwandern. Was das bedeutet? In den frühen Paulusbriefen (besonders 1 Thess!) wird das gut deutlich.
- Haben wir nicht heute diese Situation wieder erreicht? Angesichts dessen, was uns die Gesellschaft als modern und selbstverständlich anpreisen will, müsste die Lebensweise der Christen mehr und mehr anstößig wirken.
- Aber was erzählt das heutige Evangelium? Der, dem die Christen nachfolgen, ist kein Prophet, kein Guru – ER ist Gott selbst. ER kam – ER kommt – als die Erfüllung einer uralten Verheißung: durch IHN ist ein Exodus möglich, eine Befreiung aus der Sklaverei – aus der Sklaverei in eine Freiheit, die es mir ermöglicht, endlich der zu sein, der ich bin. Theologisch heißt das: befreit zu sein von meiner Sünde!
Dieses Licht, das Christus ist, will ich nicht nur als Kerze in der Hand halten, ich möchte es selbst leben, es soll aus mir strahlen, so, als wenn ich ein neues weißes Gewand an hätte, als ob ich IHN selbst „anziehen“ würde!
- Ein solches neues Leben führt aber vom Berg wieder zurück in die Niederungen, dort, wo der Glaube sich bewähren muss. Christus sagt es Seinen Jüngern sehr klar: durch die Passion! Ein Gläubiger verlässt nicht diese Welt, er taucht in sie hinein, um durch Christus Licht zu bringen.
Willst du das? Dem Täufling musste klar sein, auf was er sich einlässt. Die Gemeinschaft untereinander – dafür ist die Gemeinde da! – und vor allem Christus selbst geben dafür die Kraft.
- Berührt mich das? Ist mir klar, worum es geht? Anders als die Täuflinge der ersten Jahrhunderte, haben die meisten von uns eine solche Konversion in der Regel nicht hinter uns gebracht. Darüber heute nachzudenken, wie dies ermöglicht werden kann, wäre eine lohnende Aufgabe! Nutzen wir das, was jetzt, heute möglich ist: Diese Fastenzeit gibt uns wieder die Möglichkeit, das nachzuholen, was in der Tiefe möglicherweise noch nicht stattfand. Dabei geht es vor allem um den „Exodus“: den Auszug aus dem Land der Unfreiheit!
Dazu lädt uns Christus ein, dabei geht Er uns voran. ER möchte – und das war damals den Taufbewerbern klar – dass ER durch den Menschen „hindurchstrahlen“ kann, dass der Mensch wieder ein neues weißes Kleid erhalten kann. Dafür ist es nötig, das abzulegen, was mein Zeugnis für IHN verdunkeln könnte – nein, was es tatsächlich verdunkelt. Für die Täuflinge damals war dies nicht nur ein persönlicher, innerer Akt, sondern dafür stiegen sie in der Osternacht bei ihrer Taufe in das Taufbecken hinein und legten mit ihren alten Kleidern auch den alten Menschen ab, den Menschen der Sünde – das äußere Bad macht das innere deutlich. Es ist ein Absterben des früheren Leben.
Die Kirche setzt für uns dafür die jährliche Osterbeichte ein – ein äußeres Bekenntnis zu einer inneren Entscheidung, einer inneren Umkehr.
Nutzen wir diese Zeit und diese Gelegenheit, lassen wir die Chance, die Gnade dieser Fastenzeit nicht ungenutzt an uns vorüberziehen, die Verklärung an uns geschehen zu lassen, dass wir selbst wie in Licht getaucht erscheinen – es geht darum, Christus in die Welt zu tragen und Gottes Auftrag an Abraham als den Unsrigen anzunehmen: Ihr sollt ein Segen sein!
Amen.
Fürbitten
Jesus, auf dessen Wort wir hören sollen, bitten wir:
- Du hast Deine Jünger auf den Berg Tabor genommen und zeigtest Dich ihnen als der, der Du bist: Lass uns Christen Dich und Dein Licht in diese Welt tragen und genau so Zeugen der Hoffnung und Zuversicht sein, die unsere Gesellschaft so sehr braucht.
(Christus, höre uns – Christus erhöre uns) - Deine Jünger erkannten in Dir den Sohn Gottes, der unser Bruder geworden ist. Wir bitten Dich für alle verantwortlichen Kriegs- und Konfliktparteien auf dieser Welt: Lass sie begreifen, wie heilig jedes einzelne Menschenleben ist und schenke ihnen die Bereitschaft, sich dem Frieden und der Versöhnung zu öffnen.
- Du hast auf dem Berg der Verklärung Deinen Himmlischen Vater neu erfahren. Wir bitten heute für die, die durch Enttäuschungen und Verluste das Vertrauen in Dich verlieren. Schenke ihnen neu die Erfahrung Deiner Nähe.
- Wir bitten für alle Kranken und ihre Angehörigen; wir bitten für die Sterbenden und die, die von ihnen Abschied nehmen; und wir vertrauen Dir die Verstorbenen an: Stärke unser Vertrauen in Deine Sorge.
Dir vertrauen wir uns an, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit.
Amen.