06.02.2026

Salz und Licht

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore am 5. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

Liebe Schwestern und Brüder,

noch bis in die 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts gab es bei der Taufe von Kindern einen eigenartigen Ritus: Dem Säuglinge wurde etwas Salz auf die Zunge gelegt, wobei der Priester sprach: „Empfange das Salz der Weisheit: Es sei Dir heilsame Gnade für das ewige Leben“. Dieser uralte Ritus findet seinen Ursprung im heutigen Evangelium: „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13) und wenn in der frühen Kirche ein Katechumene seinen mehrjährigen Weg zur Taufe antrat, wurde ihm ganz zu Beginn dieses Weges während einer kleinen Zeremonie etwas Salz in den Mund gelegt!

In der Antike und in der Welt Jesu hatte das Salz eine zweifache Bedeutung: Es konservierte Lebensmittel, bewahrte sie vor der Verwesung. So drückte das Salz in der frühen Kirche die Gegenwart des Wortes Gottes aus, ja die Gegenwart des Auferstandenen, der die einzige Rettung gegen die Herrschaft des Todes, der Verwesung ist. Wer den Weg des Christwerdens beginnen wollte, den Weg auf Christus zu, sollte in sich also das Wort Gottes bewahren, sich von diesem Wort formen lassen, gerade auch in Zeiten der Bedrängnis. Die Beziehung mit dem Auferstandenen bewahrt vor den Kräften des Todes.

Dann dient das Salz auch als Würze, es gibt Geschmack. Schon im Buch Levitikus, dem 3. Buch Mose, wird den Priestern geboten, dass jedes Opfer für Gott mit Salz gewürzt sein musste, damit es Geschmack hat für Gott (vgl. Lev 2,13)! Dieses Tieropfer war natürlich nur ein Symbol für das einzige Opfer, das wirklich zählt und das Psalm 40 beschreibt und Hebr. 10 aufnimmt: „Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen – da sagte ich: ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun“. Das Geschenk, das ich Gott – und damit der Welt – machen kann, ist: ein Leben, das den „Geschmack Christi“ in sich trägt!

Was dies im Einzelnen dann bedeuten mag, hängt von unserem konkreten Leben ab: Sei es in Partnerschaft und Familie; sei es in der Arbeitswelt; im politischen Engagement – der Kampf gegen die Kräfte der „Verwesung“, des Todes ist vielfältig und selten einfach. „Ihr seid das Salz der Erde“.

Wir müssen uns davon verabschieden zu meinen, dass die Botschaft Jesu jedem „schmeckt“. Die Kräfte des Widerstandes sind immer aktiv und sehr effektiv. Wenn die Kirche meint, die Botschaft Jesu darauf reduzieren zu können, dass sie jedem Menschen vermittelt, irgendwie doch von Gott geliebt zu sein, dann führt das nicht zur Akzeptanz, sondern zur Selbstauflösung! Dem Menschen und der Kirche ist es aufgetragen, „Salz“ zu sein.

- Steht das Salz am Anfang des Weges zur Taufe hin, so markiert das Licht sein Ende. Nach der Taufe wird dem Neugetauften das an der Osterkerze entzündete Licht übergeben: „Empfange das Licht Christi!“ Dieses Licht ist letztlich die Wahrheit, die Christus selber ist. In Christus erkenne ich die Wahrheit über den Menschen und das Leben, über Sinn und Zweck der Schöpfung, über den Wert der menschlichen Existenz. Und: Wer das Licht Christ in die Welt trägt, der bekommt es mit der Finsternis zu tun, die sich gegen dieses Licht wendet.

Über die Wahrheit spricht unsere moderne Welt nicht gerne – und wenn, dann von „Wahrheiten“, die aber keine Wahrheit sind, sondern subjektive Ansichten über Gott und die Welt! Toleranz wird da als oberste Norm propagiert, die allein das menschliche Zusammenleben möglich machen kann und soll. Wo aber das Leben selbst auf dem Spiel steht, wo das Lebensrecht angezweifelt wird, der Schutz der Schwachen nicht mehr überall gilt, die Schöpfung der Machbarkeit des Menschen ausgesetzt wird, ist das Leben in Gefahr und wir Christen müssen wieder neu von der Wahrheit sprechen – um des Menschen willen. In unserem Land waren wir die letzten Jahrzehnte gesellschaftlich verwöhnt und Politik und Kirche schienen an einem Strang zu ziehen. Aufmerksame Beobachter – und Beter – konnten allerdings schon lange sehen, dass das nicht der Fall war.

Wir leben in einer herausfordernden Zeit, die viele neue Chancen bietet. Wenn es auch noch keine Massenbewegung ist, so suchen doch immer mehr gerade junge Menschen neu nach dem Lebenssinn und finden ihn im Christentum. Sie finden etwas, das wir selbst möglicherweise gar nicht mehr so richtig wahrnehmen: Licht und Würze für ihr Leben. Die Bergpredigt ist immer aktuell!

Amen.

(Anregungen für diese Predigt verdanke ich: Benedetto XVI, Dio è la vera realtà, Città del Vaticano 2025, 56ff.)

Fürbitten

Jesus Christus ist das Licht unseres Lebens. Wir bitten Ihn:

  • Du berufst uns in Deiner Kirche dazu, das „Salz der Welt“ zu sein und Dein Wort und deine Gegenwart in unserem Alltag zu bezeugen. Schenke uns dafür Kraft und Mut. 
    (Christus, höre uns - Christus erhöre uns.)
  • Durch Krankheit, Verlust der Arbeit, Trauer um einen Menschen, und Sorgen erfahren Menschen immer wieder die Dunkelheit des Lebens. Hilf uns, ihnen das Licht zu bringen, das Du selber bist.
  • Menschen fühlen sich schutzlos: Gegenüber Mächtigen, einer Politik des Krieges und der Gewalt, einem unpersönlichen Schicksal. Lass uns Christen nicht müde werden, in Deinem Namen für sie Partei zu ergreifen.
  • Wir bitten Dich heute besonders für die jungen Menschen, die nach Sinn und Orientierung Ausschau halten. Lass sie auch durch unser Vorbild die Freundschaft zu Dir wagen. 
  • Schenke unseren Verstorbenen in der Himmlischen Stadt die Geborgenheit mit Dir und allen Heiligen.

Wenn die Menschen uns sehen, sollen sie den Vater loben, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

Die verschiedenen Texte am 5. Sonntag des Jahreskreises des Lesejahres A finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron und beim Evangelium in leichter Sprache.

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