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Zwei Heilungen – oder: zum Leben befreien

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 13. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Zwei Heilungen – oder: zum Leben befreien
Zwei Heilungen – oder: zum Leben befreien
Die Gelegenheit beim Schopfe packen bzw. wie im Markusevangelium beschrieben am Gewand berühren. © Gerd Altmann auf pixabay.com

Die Texte zum 13. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Weish 1, 13–15; 2, 23–24 und 2 Kor 8, 7.9.13–15) und des Evangeliums (Mk 5, 21–43) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

sind das einfach Heilungs- und Wundergeschichten, die wir uns hier anhören? Damit haben sie kaum oder gar keinen Bezug zu unserer Realität! Das wäre unbefriedigend. Machen wir den Versuch, da etwas mehr „rauszuholen“, um „Frohe Botschaft“ zu entdecken:

- Blut, Lebenssaft: Nach dem Buch Deuteronomium ist es „Sitz des Lebens“, der Lebenskraft (vgl. 12,23). Die Frau, deren Namen wir nicht kennen, ist also nicht einfach nur krank: Das Leben sickert aus ihr heraus! Was mag das für ein Leben gewesen sein, das sie führte? Eines, in dem sie immer geben musste als selbst zu bekommen? Ein Leben, das sie immer einsamer, hilfloser werden ließ? Mit diesem Leiden ist sie nun wirklich nicht allein! Dazu kommt: Sie ist ängstlich, traut sich nicht hervor, tritt nicht schützend für sich selber ein.

Aber dann: Bei Jesus traut sie sich hervor. Zwar noch irgendwie „in Deckung“, aber sie tut’s – für Außenstehende mag es eher wie zufällig ausgesehen haben, eine beiläufige Berührung. Aber für sie selbst steckt Hoffnung darin, Vertrauen. Nur so kommt der Kraftstrom zustande. Und Jesus? Für Ihn gibt es keine „heimliche“ Verbindung: ER stellt die Frau ins Licht, ins rechte Licht, in Sein Licht. Für die Zeitgenossen Jesu machte sich jemand unrein, der eine blutflüssige Frau berührte. Jesus schert sich nicht darum. Er schämt sich nicht für sie und ER stellt ihre Glaubenskraft heraus, ihre Stärke: Ja, es ist gut, dass du dir holst, was du für dein Leben, dein Überleben brauchst. Gott will, dass du dein Leben lebst. Trau dich!

So gesehen ist das doch ermutigende, froh machende Botschaft!

- Die Tochter des Jairus: Wer war sie eigentlich? Auch dort: Kein Name. Aber der ihres Vaters und dessen Stellung:
Synagogenvorsteher! Kinder eines solchen Mannes standen durchaus auch im Blick der Öffentlichkeit – gerade auch dann, wenn sie ins heiratsfähige Alter kamen. Ist es so schwer sich vorzustellen, was es für Kinder bedeuten kann, die Erwartungen der Eltern erfüllen zu müssen? Wie sich so ein Leben nicht entfalten kann? Wie das Leben aus solchen Kindern herausfließt, bevor sie es richtig ergreifen können? Das Mädchen liegt im Serben – und die Eltern verstehen es nicht. In diese Geschichte ist noch eine andere verwoben: die des Unglaubens der Umstehenden. Es ist nichts von einem Vertrauen zu Gott zu hören – und das im Umfeld der Synagoge! „Sie ist gestorben“! Aus! Basta! Das ist die Realität!

So etwas begegnet mir oft – gerade im kirchlichen Kontext. Die Angst vor dem Tod und seiner angeblichen Macht hält die Menschen in Atem. Höchst aktuell. Die Menschen lachen Jesus aus, als Er sagt, sie lebe. Was für eine Verzweiflung liegt in diesem Lachen?! Was aber passiert dann? Wenn es nur das irdische Leben gäbe, könnte die Lieben nicht atmen. Die Liebe lebt doch von der Freiheit – vom unendlichen Horizont, von der unendlichen Größe des anderen, den wir lieben. Liebe weiß um das ewige Leben. Sonst ist sie keine Liebe. Und deswegen gibt Liebe frei – der andere darf, muss sein eigenes Leben leben dürfen.

Jesus schickt die Menschen hinaus – nein: ER wirft sie hinaus! Seine Toleranz hat auch Grenzen! Und dann: Er nimmt die Hand des Mädchens, nicht um sie zu gängeln, sondern aufzurichten, ins Leben hinein.

So gesehen ist das doch ermutigende, froh machende Botschaft!

- Was die beiden Erzählungen, die ineinander verschachtelt sind, verbindet, ist die Zahl „Zwölf“: Die Frau litt seit zwölf Jahren an Blutfluss; das Mädchen war zwölf Jahre alt. Dass es erzählt wird, ist keine Nebensache – wie überhaupt das Evangelium keine Nebensächlichkeiten erzählt! Die „Zwölf“ ist eine Idealzahl, eine Zahl, die mit der Erwählung Gottes verbunden ist. In unserem Fall: Es gibt auch für Gott eine Grenze dessen, was dem Menschen an Leid zugemutet werden kann. Da ist Gott nicht neutral abwartend, da bleibt ER nicht unberührt.

Auch das ist – so empfinde ich es – eine ermutigende, eine froh machende Botschaft.

Amen.

In Christus erkennen wir die Barmherzigkeit Gottes. Ihn bitten wir:

  • Für Deine Kirche und für jeden Christen: Schenke uns den Mut, Deine Barmherzigkeit durch unser Reden und Tun in unserem Alltag zu bezeugen.
    (Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)
  • Für alle Menschen, die in Not geraten sind; die Kranken und Trauernden, für die, die Angst haben und einsam sind: Lass sie erfahren, dass Du ihnen nahe bist.
  • Für alle, denen wir das Gebet versprochen haben und um die wir uns sorgen und besonders für die, mit denen wir uns schwer tun.
  • Für alle Jugendlichen, die in diesen Wochen die Schule verlassen und eine Ausbildung, ein Studium oder ein Soziales Jahr beginnen und für alle, die in diesen Wochen Erholung an Leib und Seele suchen.
  • Für unsere Verstorbenen: für die, die wir vermissen und für die, an die niemand mehr denkt: Lass sie an Deinem Leben teilhaben.

Denn du bist der, der uns auf unseren Wegen begleitet. Dir sei Dank, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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