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Verklärung Jesu - oder: Wo das Glück zu finden ist

Predigt von Pfr. Nandkisore am 2. Fastensonntag 2020 (08.03.)
Verklärung Jesu - oder: Wo das Glück zu finden ist
Verklärung Jesu - oder: Wo das Glück zu finden ist
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

wann sind wir glücklich? Was macht uns glücklich? Darf ich so fragen, jetzt, in einer Zeit, in der Menschen Angst haben und verunsichert sind? Wo sich wieder Menschen auf den unsicheren Weg einer Flucht machen und eingesperrt sind in die Ränkespiele von Politikern? Wo auch in unserem Land Hass gesät wird? Kann ich da selbstvergessen einfach vom „Glück“ predigen – und letztlich so deutlich machen, dass Kirche und Verkündigung wieder einmal nicht mit dem wirklichen Leben und seinen Bediungungen zu tun hat?

Ich darf es, ich muss es, weil es um etwas ganz Entscheidendes in der Nachfolge Jesu geht – und weil ich mich gerade deswegen einsetze für und gegen all das, was das Glück der Menschen fördert oder verhindert.

- Der Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann ist in seinem Kommentar zum Matthäusevangelium davon überzeugt, dass uns im heutigen Evangelium von der Verklärung wie sonst an keiner anderen Stelle des Neuen Testaments ein Jesus beschrieben wird, der zutiefst glücklich ist! Da wird beschrieben, wie Sein Gesicht „strahlt“ – werden wir nicht genau so einen Menschen beschreiben, der glücklich ist? Nähern wir uns einmal unter und hinter der Feierlichkeit der Sprache des Evangeliums dem, was da gesagt wird:

- Das Glück Jeus kommt nicht von ungefähr. Zwei Gestalten sind da neben ihm, die genau wie Er das waren, was sie sein sollten. Schauen wir uns das an.

Da ist Mose:  Er steht nicht einfach für den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Er steht prinzipiell für den Ruf der Freiheit aus jeder Form der Verknechtung! Lassen wir den Gedanken einmal zu: der Ruf der Freiheit – aus jeder Form der Verknechtung. Können wir ahnen, welche Kraft Religion bekommen kann – und wie ärgerlich es ist, wenn sie sich bei uns nur in engstirnigen Machtspielen zeigt?

Israel lebt auf fremdem Territorium, es hat, was es braucht zum Überleben. Das reicht nicht. Irgendwann reicht das nicht mehr. Ob da in fernen Ländern Menschen aufbrechen in der Hoffnung auf ein besseres Leben im reichen Westen oder ob bei uns Menschen spüren, dass das tägliche Einerlei vom morgendlichem Wecken und alltäglicher Arbeit, verbunden mit einem Wust an Vorschriften und Anweisungen, nicht das Leben ist, bei dem sie spüren, dass sie selbst darin vorkommen. Mose steht als Person für den Widerstand gegen jedes System, jede Macht, jede Politik und Wirtschaft, die sich wie der Pharao zu „Gott“ erhebt. Mose steht für den Gott Israels, den Gott Jesu, der davon befreien will: Es ist möglich! Es ist anderes Leben machbar, das wirklich Leben ist. Steht auf! Mach mit!

Auf dem Berg spürt Jesus: Das ist es. Dazu bin ich gekommen. Das ist möglich.

- Das ist aber nur der eine Teil.

Der andere Teil ist dargestellt in Elija, dem Propheten. Er steht für den Kampf gegen jede Form der Religion als Tyrannei. Wo Menschen im Namen Gottes klein gehalten werden, leiden; wo Menschen im Namen Gottes verkümmern, sich nicht entwickeln können – all diesen „Baalspriestern“ sagt Elija den Kampf an!

Und Jesus führt das fort. Bis heute. Mit und gegen Seine Kirche. Was Elija auch erlebt, auf dem Berg Horeb in aller Einsamkeit, als er sich seinem Gott gegenüber stellt, wird ihn tief verwandeln und ihn mutig machen: die Freiheit, ganz er selbst zu sein, so, wie Gott ihn gedacht und gemacht hat.

- Das ist die Freude Jesu, Sein Glück: uns das zu bringen. Das bringt Ihn zum Strahlen! Und in Seiner Nachfolge ruft Er auch uns, Seine Jüngerinnen und Jüngern, dazu auf. Jeder und jede soll dies zur eigenen Sache machen, auf seine und ihre Weise. Jesus bedient sich – wie damals in Galiläa – der unterschiedlichen Jünger mit ihren unterschiedlichen Talenten. Aber worum es geht, ist klar: immer um Befreiung!

Wo wir in Seiner Nachfolge daran mitwirken, wird das auch unser Glück, wird es uns glücklich machen. Was gibt es Schöneres, als einem anderen dazu zu verhelfen, ganz der Mensch zu werden, zu dem er geschaffen wurde? Wie und wo auch immer das geschieht: In der Familie, in der Ehe, am Arbeitsplatz; im Einsatz für die Rechte von Benachteiligten oder im Aufstehen gegen Diskriminierung und Hetze. Worin auch immer. Darin liegt unser Glück. Das macht uns zu den Menschen, die wir sein sollen.

Dazu ist Jesus gekommen. So sehen wir Ihn heute im Evangelium: glücklich!

Amen.

 

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, der uns einlädt, an Seiner Sendung teilzuhaben, die uns glücklich machen kann, bitten wir:

- Wir bitten für Deine Kirche in unserem Land: Lass sie ihrer eigentlichen Sendung wieder neu treu werden und so bezeugen, was dem Menschen wahres Glück bringt.

(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)

- Wir bitten Dich für alle, die im Namen der Religion Hass, Gewalt und Fremdenhass säen: Bekehre ihre Herzen zu dem Gebot der Liebe, das allen Menschen in das Herz geschrieben ist.

- Wir bitten für die, die in Traurigkeit und Resignation gefangen sind, die keinen Ausweg aus einer Not sehen: Zeige ihnen Deine Nähe und lass sie spüren, zu welchem Glück sie berufen sind.

- Wir bitten Dich heute besonders für Elsmarie und Karl Weyreter, die Dir heute für 60 Jahre Ehe danken. Du hast Ihren Bund gesegnet. Begleite sie auch weiterhin und sei all unseren Ehepaaren nahe, dass sie miteinander das Glück finden, für das Du sie bestimmt hast.

- Für unsere Verstorbenen: Lass ihre tiefe Bestimmung Wahrheit werden, ihre beglückende Gemeinschaft mit Dir und dem Vater im Heiligen Geist.

Dir vertrauen wir uns an, der Du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770