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"Unruhige Zeiten - oder: Wo bin ich festgemacht?"

Predigt von Pfr. Nandkisore am 33. Sonntag im Jahreskreis 2019 (17.11.)
"Unruhige Zeiten - oder: Wo bin ich festgemacht?"
"Unruhige Zeiten - oder: Wo bin ich festgemacht?"
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

Beunruhigendes wird da im Evangelium erzählt, von unruhigen Zeiten – Jesus selbst ist es, der da Unruhe heraufbeschwört. Doch was sagt er:

„Gebt Acht, lauft nicht nach, lasst euch nicht erschrecken, legt Zeugnis ab, bleibt standhaft!“ Keine Panikmache. Im Gegenteil: Ruhe bewahren, im Sturm eine ruhige Hand behalten. Leichter gesagt als getan?

Jeder von uns mag jetzt an bedrängende Situationen des Lebens denken, an eigenes oder fremdes Leid.

Das Evangelium fragt mich, fragt uns: Wo bist du festgemacht?

- In beruflichen Schwierigkeiten, familiärem Streit, in persönlichen Lebenskrisen scheint genau das immer wieder durch: Mein Fundament. Das Fundament, das der Glaube in mir legen will, ist die Freundschaft mit Jesus. Wenn ich wie in einer guten und belastbaren Partnerschaft, Freundschaft weiß, dass der andere da ist, zu mir steht, kann ich Schweres anders, ja auch leichter tragen. Wenn es nicht die Anerkennung anderer Menschen ist, die meinem Leben Halt gibt, sondern gerade diese Beziehung, bin ich in vielen Situationen belastbarer.

Im Wort „Religion“ steckt ja „ligare“ drin, also binden, festmachen: Die Religion als die Einladung an den Menschen, sich „wieder“ – „Re-„ – in Gott festzumachen. Wären wir noch im paradiesischen Urzustand, wären wir das alle. Das sind wir aber nicht mehr. Allerdings haben wir die Möglichkeit, die Einladung Gottes zu hören, anzunehmen.

- Jesus macht uns nichts vor. ER beschreibt dramatische Situationen. Die können Angst machen. Und nicht wenige zweifeln dann – irgendwie ist das menschlich. Woran Jesus appelliert ist die „Standhaftigkeit“ im Sinne der  Geduld. Im Griechischen heißt das „upermonh“: Wörtlich das „Darunterbleiben“, Aushalten. Es braucht in dieser Welt immer wieder auch den langen Atmen, um Schweres auszuhalten. Da gibt es nicht sofort oder schnell eine Erleichterung, eine Lösung – so sehr ich mir das auch wünschen würde. Dann nicht daran zu verzweifeln, nicht an der Beziehung zu zweifeln! Wie bei einer guten Freundschaft: „Wenn er gesagt hat, dass er kommt, dann tut er das auch!“ Damit habe ich Erfahrungen gemacht und muss nicht bei jeder Schwierigkeit, die es eben auch gibt, grundsätzlich an unserer Beziehung zweifeln! Ich mache mich bei Jesus fest – komme, was da wolle. Dieses Vertrauen ist ER Wert!

- Hier sehen wir aber auch, wie wichtig es ist, von diesem Vertrauen zu sprechen, anderen davon zu erzählen. Andere dahin zu bringen, dass sie sich auch trauen, sich an Ihm festzumachen. Das lebt vom konkreten Vorbild und Beispiel. Für manche unter uns waren das als Kinder die Erzählungen der Heiligen, die uns die Erwachsenen nahegebracht haben. In Märchenform erzählt, haben sie uns zum Staunen gebracht und sich dann auch irgendwie „festgesetzt“.

Vorbilder im Glauben, Vorbilder, wie Leben gelingen kann, gerade auch, indem sich dieses Leben durch Schwierigkeiten gekämpft hat: In meinem Leben waren das immer wieder auch andere konkrete Personen. Die haben Mut gemacht. Heute merke ich, dass ich das Vorbild eines anderen nicht mehr ganz so brauche wie vorher, denn mittlerweile sind eigene Erfahrungen dazugekommen. Es sind Erfahrungen, die mir von schweren Zeiten erzählen und wie ich sie durchstehen konnte. Das hilft mir heute – und wenn ich davon erzähle vielleicht auch anderen.

Wenn wir jüngeren Menschen von unserem Glauben erzählen, dann sind sie immer weniger daran interessiert, zumal dann nicht, wenn es sich um Glaubensinhalte geht. Wenn wir jedoch von unserem Leben erzählen, vom Leben als Christ, also davon, wie wir gerade die Tiefen des Lebens erlebten und bestanden haben, dann – davon bin ich überzeugt! – werden wir interessierte Zuhörer finden.

Solche Zeugen braucht es heute wieder vermehrt, da sich für immer mehr Menschen der Eindruck verfestigt, dass wir in unruhigen Zeiten leben. Amen.
 

Fürbitten

Viele Menschen kennen in ihrem Alltag Not und die Angst vor der Zukunft. So bitten wir:

- Für unsere Kirche, der die Frohe Botschaft anvertraut ist und für ihre Hirten, deren Auftreten und Wort Einfluss hat auf viele Menschen.

Christus, höre uns – Christus, erhöre uns

- Für die Regierenden, die Entscheidungen treffen über Krieg und Frieden und über das Leben und Wohlergehen zahlloser Menschen.

- Für unsere Gemeinden, die Leuchttürme für die sein sollen, die nach Sinn und Orientierung suchen, die die ausgestreckte Hand Christi ergreifen wollen.

- Für unseren neuen Pfarrgemeinderat: Dass er gemeinsam mit unseren Pfarrern und dem Pastoralteam danach Ausschau hält, welche Wege Du heute mit uns gehen willst.

- Für unsere Toren, für die bekannten und unbekannten, für alle, die Schuld auf sich geladen haben und die, die wir gerne noch um Verzeihung bitten würden.

Allmächtiger Gott und Vater, Dein Sohn hat uns gelehrt, die Zeichen der Zeit zu verstehen. Auf Ihn schauen wir, und wir danken Dir für ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770