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Unreine Geister – oder: Was uns am Leben hindert

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 15. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Unreine Geister – oder: Was uns am Leben hindert
Unreine Geister – oder: Was uns am Leben hindert
Die Zwölf werden auf eine große Mission geschickt… © mohamed Hassan auf pixabay.com

Die Texte zum 15. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Am 7, 12–15 und Eph 1, 3–14) und des Evangeliums (Mk 6, 7–13) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

Jesu Auftrag an die Jünger: Ist der nicht sehr eindeutig?

Das Markusevangelium gilt als das älteste der Evangelien. Es ist das kürzeste und verdichtet die Botschaft Jesu auf das Wesentliche. Was also sagt und das heute im Blick auf die Vollmacht der Jünger über die „unreinen Geister“? So steht es da. Ist das alles nur „symbolisch“ zu verstehen – wobei dann jemand erklären müsste, was genau „symbolisch“ bedeuten soll. Geht es jetzt um Angst vor dem Teufel, den Dämonen? Betreten wir hier ein „verräuchertes Zimmer“ von Religion?

- „Unreine, schamlose, schmutzige Geister“ – davon ist im Evangelium die Rede. Versuchen wir uns einmal darauf zu konzentrieren:

Am letzten Sonntag hörten wir von der Ablehnung Jesu in Seiner Heimat Nazareth. Am Ende heißt es: Jesus „wunderte sich über ihren Unglauben“ (Mk, 6,6a). Vorher schon hatte Er es mit Ablehnung zu tun: Einzelne Menschen, die von „unreinen Geistern“ oder gar „Dämonen“ (vgl. Mk 1,34) besessen waren. In Nazareth aber war es ein kollektives Ablehnen Seiner Person. Ja, Jesus wundert sich darüber. Wer von uns würde das nicht?! Ich stelle es mir vor, versetze mich in Seine Lage … keine schöne Situation!

- Direkt nach dieser Szene berichtet Markus von der Sendung der Jünger. Es geht Ihm um die Frohe Botschaft, darum zu erkennen, dass das „Himmelreich“, Gottes Nähe, nicht etwas ungenau Zukünftiges meint, sondern jetzt schon anbricht, erfahrbar ist. Dafür braucht es seitens des Menschen: Metanoia (), eine Sinnesänderung; die Bereitschaft, sich und sein eigenes Verhalten zu ändern, und das beginnt immer beim Denken!

Die Bereitschaft, Jesus und Seine Botschaft aufzunehmen, hängt einerseits sicher auch an der Glaubwürdigkeit der Boten. Auf der anderen Seite dann aber auch ganz entscheidend an der inneren Bereitschaft und Einstellung des Hörenden.

Diese Bereitschaft war in Nazareth nicht vorhanden. Jesus wundert sich. Wie kann sich ein Mensch der Güte gegenüber verschließen? Wie kann ein Mensch das Glück nicht wollen, das ihm von Gott angeboten wird? Wie kann ein Mensch so unvernünftig sein und das ablehnen, was ihn zutiefst glücklich machen würde? Jesus macht Erfahrungen mit der Botschaft, mit der Verkündigung, mit Erfolg und Misserfolg. Und so kommt Er auch zu Erkenntnissen:

Dass sich der Mensch dem Leben gegenüber verweigern kann; dass er sich in sich abschließt; dass er auch die Tendenz hat, sich gegenüber der Not anderer zu verschließen. Wie auch immer wir es nennen: Es ist nicht gut! Meine Erfahrung ist: Im gewöhnlichen Alltag bemerken wir solche Haltungen – „unreine Geister“ – nicht. Wenn wir aber in Grenzsituationen geraten, dann melden sie sich. So wie bei der Ablehnung Jesu in Seiner Heimat:

- Durch Corona wurden viele Menschen verunsichert. Manche hatten und haben große Angst – Angst vor dem Tod. Diese Angst war im normalen Leben nicht zu spüren, doch jetzt kommt sie hervor. Was sagt mir demgegenüber die christliche Botschaft? Dass ich eine Sendung habe und mein Leben dann endet, wenn diese Sendung vollbracht ist. Das bedeutet nicht, jedes Risiko einzugehen oder gar rücksichtslos zu sein. Angst vor dem Tod als „unreiner Geist“ – es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken.

- Vor kurzem machte mich eine Meldung fassungslos: Weltweit sind 75% der Corona-Impfstoffe in nur 7 Ländern verimpft worden! Der Ungeist, der „unreine Geist“ des Egoismus der reichen Welt gegenüber der Mehrheit der Weltbevölkerung hat die Zügel in die Hand genommen! Wir bezeichnen uns gerne als „christliches Abendland“ – angesichts eines solchen Verhaltens kann davon nicht gesprochen werden. Wir sehen uns gerne als tolerant, mitfühlend, demokratisch und die Menschenrechte achtend. Die Krise hat gezeigt, welch ganz anderen Geister in uns ebenso herrschen.

- Jeder und jede mag schauen, welche „Geister“ durch Krisenerfahrung geweckt werden. Sicher meist völlig überraschend! (Und meine Erfahrung ist: dabei geht es nicht einfach um „Psychologie….!)

Jünger und Jüngerinnen, die von Jesus gesendet sind, werden ihnen begegnen: im eigenen und fremden Leben. Dabei ist das persönliche Vorbild, das gelebte und überzeugende Vertrauen in Jesus die einzige Möglichkeit, um den „unreinen Geistern“ ihre Macht zu nehmen. Damals und heute.

Amen.

Zu Jesus Christus, der die Apostel aussandte, das Evangelium zu verkünden und die unreinen Geister zu vertreiben, wollen wir rufen:

  • Für diejenigen, denen der Dienst der Verkündigung aufgegeben ist: Schenke ihnen die Glaubwürdigkeit, die die Herzen der Menschen erreicht.
    (Christus, höre uns – Christus erhöre uns)
  • Für diejenige, die durch die unreinen Geister der Angst, des Egoismus, der Gottesferne gebunden sind: Lass sie in Deiner Nähe Befreiung erfahren.
  • Für die Jugendlichen, die in diesen Tagen die Schule verlassen und ein Studium, eine Ausbildung oder ein Soziales Jahr beginnen möchten: Lass sie danach fragen, welche Sendung Du ihnen im Leben schenken möchtest.
  • Für diejenigen, die in diesen Tagen und Wochen Erholung suchen: Schenke Ihnen die Gelegenheit zu Ruhe, Abstand und erfüllendem Miteinander und lass sie so Deine Sorge um sie erfahren.
  • Für unsere Toten: Schenke ihnen die Gemeinschaft, die Du uns allen versprochen hast.

Gütiger Gott, im Namen Deines Sohnes bringen wir Dir unsere Bitten, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebst und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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