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Über Gott reden – oder: Anders leben

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 32. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Über Gott reden – oder: Anders leben
Über Gott reden – oder: Anders leben
Über was reden wir öfter: Über Gott oder unsere letzte gute Tat? © zandy126 auf pixabay.com

Die Texte zum 32. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (1 Kön 17, 10–16 und Hebr 9, 24–28) und des Evangeliums (Mk 12, 38–44) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn der Evangelist Markus diese eben gehörten Zeilen überliefert, dann sagt uns das auch etwas über die erste Generation der Christen in Jerusalem. Sie fühlten sich noch ganz und gar mit dem jüdischen Erbe verbunden und doch war es ihnen wichtig, sich zu unterscheiden:

- Die Worte Jesu gegen die Schriftgelehrten Seiner Zeit waren auch eine Mahnung an Seine Jünger – und auch eine Mahnung an uns: Redet über Gott nicht wie über eine Sache! Macht Gott nicht zu einem Verhandlungsgegenstand. Es gibt nur eine gültige Weise, von Gott zu sprechen: Indem Menschen in und durch ihr Leben bezeugen, was sie von Gott erfahren! Nur diese Weise ist in der Lage, etwas anzuregen, das andere Menschen berührt und im besten Falle für die Gegenwart Gottes aufschließt.

Die junge Christengemeinde muss das beherzigt haben, anders ist ihr Anwachsen in so kurzer Zeit nicht zu verstehen.

Wie reden wir von Gott? Mein Eindruck: Wir reden viel zu selten von Ihm. Und wenn, dann so technisch und blutleer, dass es nichts sagt oder peinlich wirkt. Kirchenreform wird zu einer Sache der Systemerneuerung und bringt nicht zur Sprache, wer Gott ist: Ein Du, ein Gegenüber – einer an dessen Hand das Leben zum Abenteuer wird.

Die Pandemie hat den Bedeutungsverlust einer solchen Kirche offenbar gemacht – und gleichzeitig die Sehnsucht nicht weniger nach Sinn und religiöser Beheimatung. Wo können sie hingehen? Wo finden sie einen Ort, an dem sie fündig werden?

- Auch die Erzählung vom Opfer der Witwe dürfen wir nicht vereinfachend als Verherrlichung von Armut lesen. Ebensowenig sollten wir uns in Überlegungen darüber verlieren, ob nicht das Opfer einer Münze auch gereicht hätte, dann wäre der Witwe wenigstens ein Minimum für ihren Lebensunterhalt geblieben.

Beides greift nicht nur zu kurz – es greift daneben!

Zuerst sehen wir in der Haltung der Witwe genau das, wozu Jesus immer wieder einlädt: Zu einem rückhaltlosen Vertrauen in Gott! Der Opferkasten im Tempel war für die Erhaltung und Verschönerung des Tempels und die regelmäßig darzubringenden Opfer gedacht. Dort gab man seine Spende ab – nicht selten wurde das laut verkündet.

Was Jesus sieht: Diese Witwe liebt Gott – Seinen Tempel – über alles und zieht dieser Liebe nichts vor. Nicht einmal ihr eigenes Überleben. „Was für eine Unvernunft!“, würden die meisten heute wohl sagen. Tatsächlich?

Ist es nicht genau diese Sorglosigkeit, zu der uns Jesus einlädt? Eine Sorglosigkeit, vor der viele Menschen – gerade wenn sie viel besitzen – große Angst haben? Jesus lädt uns ein, uns vorbehaltlos in die Arme Gottes zu werfen, der „weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet“ (Mt 6,8). Aus dieser Haltung wirklich zu leben, macht den entscheidenden Unterscheid.

Wir haben dafür in der Theologie und Spiritualität ein besonderes Wort: Vorsehung. Es bedeutet nicht, passiv auf ein Eingreifen Gottes zu warten, sondern meint rückhaltloses Vertrauen in Seine Führung bei gleichzeitigem Einsatz des eigenen Lebens!

Die frühe Christengemeinde hat auch das gelebt: Gerade die Armen und Witwen fanden die konkrete Unterstützung, die sie brauchten. Sie erfuhren, wie konkret sich Gott um sie und ihre Bedürfnisse sorgt – durch konkrete Menschen, die sich von Gott und Seiner Sorge um die anderen in Dienst nehmen ließen und bis heute lassen! Zugegeben: Es fehlt heute in unserer Kirche oft die Erfahrung dieser Haltung, von der das Evangelium spricht. Man kann aber die Entdeckung machen, dass es Menschen, Gruppen, Gemeinschaften gibt, die so zu leben versuchen.

So haben z.B. nicht wenige Jugendliche unserer Gemeinden in den letzten Jahren die Gemeinschaft Taizé in Burgund besucht und waren tief beeindruckt. Wir sind als Gemeinde meist überfordert und wissen nicht, wie wir den Erzählungen der Jugendlichen Raum geben können, so, dass sie auch uns verändern. So, dass sie das, was sie dort fanden und erfuhren, auch hier wiederentdecken. Sie könnten uns dabei helfen, wenn wir das zulassen würden. Irgendwann sind sie dann weg …

Wovon das Evangelium erzählt, ist auch heute zu erfahren. Ich weiß es selbst aus eigenem Erleben. Und das verändert das Leben grundlegend.

Amen.

Unser Herr Jesus Christus ruft uns, der Vorsehung des Vaters zu vertrauen. Ihn bitten wir:

  • Für Deine Kirche: dass sie in unserer Welt immer mehr ein Zeichen dafür wird, dass Du mitten unter uns lebst.
    (Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)
  • Wir bitten für diejenigen, die in seelischer und leiblicher Not sind: Lass sie auch durch uns Deine liebende Vorsehung und Nähe erfahren.
  • Wir bitten Dich für unsere Jugendlichen, die sich in diesen Tagen auf das Sakrament der Firmung vorbereiten: Gib ihnen den Mut, Deinem Heiligen Geist in ihrem Leben Raum zu geben und so Deine Nähe zu erfahren.
  • Wir bitten Dich auch für uns: dass wir Deine Einladung zur Sorglosigkeit annehmen und so erfahren können, wie konkret Du Dich um jeden sorgst.
  • Angesichts der Not und Ängste so vieler Menschen bitten wir Dich für unsere Politiker und all die, die Verantwortung tragen: Gib ihnen den Mut, die Entscheidungen zu treffen, die das Gewissen ihnen gebietet.
  • Lass unsere Verstorbenen erfahren, dass sie in Deiner Gemeinschaft geborgen sind.

Denn Du bist ein Gott, der Leben gibt. Dir sei Dank, der Du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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