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Sich nicht fürchten - oder: worauf kann ich bauen?

Predigt von Pfr. Nandisore am 12. Sonntag im Jahreskreis 2020 (21. Juni)
Sich nicht fürchten - oder: worauf kann ich bauen?
Sich nicht fürchten - oder: worauf kann ich bauen?
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Livestream auf Youtube

Die heilige Messe mit dieser Predigt wird am Sonntag, den 21. Juni 2020 um 11:15 Uhr in Eltville gefeiert. Einen Livestream (und anschließend die Aufzeichnung) finden Sie auf dem Youtube-Kanal der Pfarrei zum mitfeiern.

Liebe Schwestern und Brüder,

von fürchten ist heute im Evangelium viel die Rede. In diesen Wochen und Monaten hören wir das anders. Sehr konkret. Denn wir leben in einer Zeit der Furcht, des Sich-Ängstigens. Die Furcht vor dem für die allermeisten von uns nicht sichtbaren Gegner hat uns verschreckt, vorsichtig gemacht. Was vor einem Jahr in unserem Land noch unvorstellbar war, ist nun Realität. Die Furcht vor Krankheit und Tod hat uns voreinander in Sicherheit gebracht, unser soziales Leben verlangsamt. Wer hätte gedacht, dass die Wirtschaft und ihre Gesetze einfach übergangen werden können? Dies entspringt allerdings nicht einer neuen Einsicht in die Würde des Menschen und den Wert der Schöpfung – sondern schlechterdings der Angst.

Prinzipiell wissen wir alle, dass wir sterblich sind; dass wir unser Leben nicht in der Hand haben – aber in unserem Alltag verdrängen wir das. Wir leben anders. Verplant. Eigenmächtig. Das hat sich geändert oder anders: wir bekommen radikal-brutal eine Wirklichkeit vor Augen geführt, die so ganz anders ist als alles, was viele sonst wahrnehmen wollen und können.

- Ist es da nicht ein gutes Wort, heute zu hören: „Fürchtet euch nicht!“? Irgendwie will es nicht so ganz ankommen, denn wir haben die Hoffnung, dass da jemand kommt und sagt: Da gibt es keinen Grund zur Furcht – und: ich verspreche euch Sicherheit. Das wäre es doch und wir ersehnen es uns: das erlösende Wort, dass alles doch nicht so schlimm sei oder doch zumindest bald vorbei. Dass das Gröbste vorbei sei – das wäre es. Das ließe uns aufatmen.

Aber das hören wir eben hier nicht! Ja ein solches Versprechen findet sich bei Jesus nicht. Ist das ein Grund dafür, dass kirchliche Verkündigung in dieser Zeit so auffallend still war? Wenn wir schon nicht die Hoffnung der Menschen bedienen können, dann schweigen wir besser! Dann unterstützen wir zumindest die, die in Besonnenheit die Ordnung stützen wollen.

- Gibt uns der Glaube keinen Halt? Oder nur den, dass nicht der Tod das Schlimmste sei, sondern das, was danach mit uns passieren könnte?! Ja, das „System“ Religion kann in diesem Gewand daherkommen: nutze dein Leben, denke an den Tod und danach kommt das Eigentliche, das Entscheidende, in dem du die Frucht deines jetzigen Lebens kosten wirst – so oder so!

Für mich wäre das keine Frohe Botschaft!

Für mich hat die Frohe Botschaft mit Dem zu tun, der sie uns verkündete, mit Jesus. Und dieser Jesus – zumindest so, wie ich Ihn verstehe, wie ich Ihn bisher kennenlernen durfte – ist einer, der mich nicht auf ein Später vertröstet, wann auch immer das sei. Er lädt mich ein zu einem Leben im Jetzt, und Leben meint für Ihn, dass ich es mit Ihm lebe und Er mit mir!

Das befreit mich nicht von der Sorge um all das, worum sich andere auch sorgen. Ganz und gar nicht. Aber es gibt dieser Sorge nicht den ersten Rang! Und das ist etwas ganz Gewaltiges. Der erste Rang – und wenn ich das sage heißt das nicht, dass ich oder wir das irgendwann „erreichen“ im Sinne von „haben“ können! – hat das Vertrauen! Ich bin getragen, geborgen, komme was da wolle! Da ist Einer mit mir auf dem Weg!

Ja, die Corona-Krise macht uns allen – und das ist das Besondere an dieser weltweiten Krise – die Endlichkeit bewusst, unsere Sterblichkeit. Sie führt uns vor Augen, dass wir keine letzten Sicherheiten in den Händen haben und das ist zumindest für unser westliches Lebensgefühl sehr demütigend. Und dabei sitzen wir alle in einem Boot, Glaubende und Nichtglaubende, Christen, Muslime, Juden, Angehörige anderer Religionen und solche, für die es keine Perspektive jenseits dieses Lebens gibt.

Wenn wir hier die Kommunikation darüber beginnen würden, was den einen und die andere trägt; was uns Hoffnung schenkt über dieses Leben hinaus; was uns hilft, unsere Angst nicht zu groß werden zu lassen – ja, und das wäre ein christlicher Dienst an unserer Mitwelt, was uns vertrauen lässt. Und damit ein Vertrauen ins Wort  bringen, das unser eigenes Leben übersteigt, das viel größer ist und weiter, ein Vertrauen, das der Angst einen Platz gibt, aber nicht den Mittelpunkt.

Ich glaube, dass sich darauf bauen lässt.

Amen.

 

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, der uns beruft, in Seiner Gegenwart furchtlos zu sein, bitten wir:

- Stärke Deine Kirche in unserem Land, freudig und vertrauensvoll Deine Botschaft zu verkünden und so gerade denen ein Hoffnungszeichen zu sein, die gerade in dieser Zeit voller Angst und Sorge leben.

(Christus, höre uns - Christus, erhöre uns)

- Auch wir selbst kennen Angst und Furcht. Hilf uns, sie in Deinem Licht zu sehen und Deiner Zusage zu trauen, dass Du immer bei uns bist.

- Wir bitten dich für alle Erkrankten und für die, die sich um sie sorgen und sie pflegen. Hilf auch denen, die in der Forschung tätig sind und stehe allen politischen Entscheidungsträgern bei.

- Wir möchten in unserem Gebet aber auch diejenigen nicht vergessen, die heute in vielen Gegenden dieser Welt deswegen verfolgt und benachteiligt werden, weil sie sich zu Dir bekennen. Lass sie Deine stärkende Nähe erfahren.

- Lass unsere Verstorbenen, bei Dir ewige Gemeinschaft erfahren und tröste die, die an einem Grabe trauern.

Du bekennst Dich zum Vater, mit dem Du in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

 

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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