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Mit Herz auf dem Weg

Predigt von Pfr. Senft zum 5. Sonntag der Osterzeit (10.05.2020)
Mit Herz auf dem Weg
Mit Herz auf dem Weg
© Friedbert Simon in pfarrbriefservice.de
  • Predigt

Schwestern und Brüder in Christus!

So hätten wir es gern: „Zeig uns den Weg! Zeig uns den Vater! Gib uns endlich eindeutige Antworten und damit jene Sicherheiten, die wir brauchen!“ – Genau das wollen und brauchen viele Menschen in diesen Tagen. – Wir unterscheiden uns kaum von den Jüngern damals, die ganz einfach wissen wollen, was der richtige Weg ist, die wissen wollen, wie der Weg zu Gott geht.

Wenn es heißt: „Tu dies!“ oder „Lass das!“, dann wissen wir, woran wir sind. So wie gerade mit den ganzen Corona-Vorschriften und Hinweisen. Wenn wir konkret gesagt bekommen: „Das ist der richtige Weg“, dann brauchen wir uns weiter keine Gedanken zu machen. Gerade das aber sollten wir tun, auch in dieser Corona-Krise, aber auch in unserem geistlichen Leben. Denn die Worte, die Jesus an die Jünger und an die Menschen, die ihm zuhören, richtet, meinen auch uns, sprechen uns unmittelbar an, fordern uns heraus. Um sie verstehen zu lernen, müssen wir uns auf sie einlassen, müssen wir uns auch unsere eigenen Gedanken machen.

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ – Jesus wendet sich heute an unser Herz, an unser Innerstes. Aber, – hören wir auf das, was unser Herz uns sagt? Ist es in der heutigen Zeit überhaupt gefragt? Gerade in unserer aktuellen schwierigen Situation aufgrund des Corona-Virus zeigt sich, dass das Herz gefragt ist, zeigt sich, dass viele ein weites Herz haben für ihre Mitmenschen und für die Bedürftigen. Das ist etwas Großartiges, was wir gerade erleben. Zugleich leben wir aber auch in einer technisierten Welt, die sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich immer herzloser und damit unmenschlicher zu werden scheint.

Und auf das eigene Herz hören, manche wollen darauf auch nicht eingehen, weil es ja ihr Innerstes betrifft. Sie haben Angst, ihr Herz zu öffnen und dabei zu verlieren.

Wie erreichen wir überhaupt unser Herz? Fünf Sinnesorgane machen uns die Welt erfahrbar. Im Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten begreifen wir unseren Alltag, werden unsere Sinne erfüllt. Deshalb ist ja das gegenwärtige Gebot, Berührungen zu unterlassen, so schmerzlich. Alle unsere Wahrnehmungen laufen in unserem Herzen zusammen, es ist der Mittelpunkt all unserer Sinne. Erst wenn unsere Sinne wirklich erfüllt sind, ist unser Herz glücklich und zufrieden. Dann aber können wir uns öffnen, werden wir sensibel, lassen wir uns nicht verwirren.

Tief in unserem Innersten wissen wir, was Wahrheit ist. Also – lassen wir ruhig öfter mal unser Herz zu uns sprechen. Bringen wir es nicht mit vorschnellen Antworten oder durch falsche Sicherheiten zum Schweigen. Wenn wir tief in unser Herz hören, dann sind wir auf dem richtigen Weg, dann sind wir auch auf dem Weg zu Gott.

Jesus fordert uns heute auf: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ – Wenn wir zu jemanden sagen: „Ich glaube an dich“, so drücken wir damit aus: „Ich vertraue dir voll und ganz. Ich weiß, du schaffst das!“ – Jesus sagt also heute zu einem jeden von uns: Ich glaube an dich, vertraue mir. Diese Zusicherung tut gut. Wir brauchen sie, um einen festen Stand zu haben. Aber sie beruht auf Gegenseitigkeit, ist Geben und Nehmen. Vertrauen zu spüren, ist für uns und unsere Gemeinschaft lebenswichtig.

Vertrauen kann wachsen oder schwinden, ist prägend für das ganze Leben. Vertrauen ist erfahrbar in mir selbst, in meinem Mitmenschen, besonders bei denen, die mir ans Herz gewachsen sind, die ich liebe. So mündet das Vertrauen in uns und in andere schließlich in ein großes Vertrauen zu Gott. Denn ich weiß, dass ich bei Gott ganz ich selbst sein darf. Ich bin von ihm angenommen, wie ich bin. Auch für mich ist ein Platz da, eine Wohnung im großen Haus Gottes.

Wenn sich also unser Herz nicht verwirren lässt, wenn wir an Gott und an Jesus, seinen Sohn, glauben, dann wird und kann und darf sich die Welt verändern – die Welt in uns und die Welt um uns.

Folgen wir jeden Tag neu der Einladung Jesu: „Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Er glaubt an einen jeden von uns.

Und fassen wir uns ein Herz, und trauen wir uns, aus diesem Vertrauen an den Gott des Lebens zu leben.

Es liegt an uns, damit zu beginnen.

Amen. Halleluja.

Ralph Senft
Pfarrer, Verwaltungsratsvorsitzender, Bezirksdekan
Tel.:06123-9995760