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Getauft sein – oder: Im Gebet verbunden

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zur Taufe des Herrn (Lesejahr C)
Getauft sein – oder: Im Gebet verbunden
Getauft sein – oder: Im Gebet verbunden
Die abgebildete Taufe fand im autonomen Kreis der Tschuktschen im äußersten Nordosten Russlands statt. Auf einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland leben dort rund 50.000 Menschen. © Vyacheslav Grin auf pixabay.com

Die Texte zum Fest Taufe des Herrn der Lesungen (Jes 42, 5a.1–4.6–7 oder Jes 40, 1–5.9–11 und Apg 10, 34–38 oder Tit 2, 11–14; 3, 4–7) und des Evangeliums (Lk 3, 15–16.21–22) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Ende der Weihnachtszeit setzen wir hier in unserer Pfarrei einen schönen Akzent: Wir werden bis zum 30. Januar an jedem Sonntag in einer oder mehreren Kirchen Stunden des Gebetes durchführen. „Verbunden im Gebet“ wollen wir sein, um wie Paulus aufzustehen und Zeugen dafür zu sein, was wir gesehen haben (ein Blick in unseren Pfarrbrief auf S. 24 lohnt sich!). Das heutige Fest der Taufe des Herrn kann uns auch dabei helfen zu entdecken, worum es dabei gehen kann.

- Taufe, was ist das eigentlich? Christen taufen von Anfang an. Christus selbst hat es aufgetragen. Aber nicht, weil Er selbst getauft hätte – ein solches Zeugnis ist nirgends überliefert! – sondern weil Er getauft wurde. Das steht am Anfang Seiner Sendung. Und da wir ja, wofür wir an Weihnachten auch beteten, Maß nehmen sollen an Ihm, so werden sollen wie Er, ist das auch unser Weg: die Taufe.

Als Jesus getauft wurde hat ER sich solidarisch gezeigt: Mit uns Menschen in all unseren Verstrickungen und Blockaden, die uns ausmachen. Theologisch heißt das „Sünde“. Johannes der Täufer ist deswegen erstaunt: Christus muss doch nicht getauft werden, denn Er muss nicht umkehren wie die anderen! Nein, das muss Er nicht. Aber Er zeigt: Ich trage das mit, was euch ausmacht. Ja, auch unsere Schuldgeschichte: sei es die persönliche, die familiäre, die der Nation – ja der ganzen Menschheitsfamilie. Er will sich da einklinken, nicht über uns stehen, sondern mittendrin, mitten unter uns.

So lädt Er mich, uns ein: Steh‘ zu deiner Geschichte, deiner Verwobenheit, die dich prägt und ausmacht. Familienbande können auch lästig sein. Es gibt in vielem keine Gleichheit unter uns Menschen, vor allem keine Chancengleichheit. So fällt es manchen leichter zu glauben als anderen, zu vertrauen, zu vergeben. Wir wissen, dass das Folgen hat, auch negative.

Jesus stellt sich da hinein: Hier, genau hier finden wir Ihn. Daher müssen wir es machen wir ER: Nehmen wir uns selbst und unsere Geschichte an, denn nur so kann sie erlöst werden. Nur so kann ich hoffen, der zu werden, der ich bin und sein soll.

Immer wenn ich mich mit IHM im Gebet verbinde, kann das gelingen!

- Als Jesus getauft wird, öffnet sich der Himmel und eine Stimme spricht: „Du bist – das ist – mein geliebter Sohn!“ In diesem konkreten Menschen, der zu einer konkreten Zeit kam und konkrete Worte sprach, ist Gott selbst anwesend. Und wenn ich mich für diesen Jesus öffne, gilt das auch für mich: Ich werde ein Bruder, eine Schwester Jesu und damit ein Sohn und eine Tochter des Himmlischen Vaters. Gottes Geist schwebt dann auch über mir. Und wenn Gottes Geist über mir schwebt, bin ich bejaht. Als der, der ich bin.

Wie schwer fällt es uns, das zu glauben und das anzunehmen. Wir nehmen uns selbst nicht an und machen dabei auch noch Gott Vorwürfe. Anstatt mich ganz an Ihn zu halten und von Ihm aus mein Leben zu gestalten und in die Hand zu nehmen. ER deutet mein Leben und ER sagt: Es ist gut!

Wir haben es nötig, uns mit Ihm im Gebet zu verbinden, um es immer wieder und wieder zu hören! Nur so kann sie gelingen: die Selbstannahme.

- Ein Drittes kommt schließlich hinzu und das war für die Christen von Anfang an ein entscheidendes Merkmal der Getauften, weil es eben ein Merkmal Jesu war, der nach Seiner Taufe Seine Sendung übernahm: Den Armen wird das Evangelium verkündet! Jesus ist gekommen, um gerade denen nahe zu sein, die glauben, von Gott verlassen, vergessen zu sein. Diejenigen also, die meinen, Gott könne doch an ihnen kein besonderes Interesse haben – die anderen haben es ja schließlich auch nicht, um sie kümmert sich niemand. Sie glauben, sie hätten keinen „Wert“!

Gerade ihnen, gegen ihre bisherige Lebenserfahrung, zu zeigen, zu beweisen, dass sie in Gottes Augen wertvoll sind, ist das besondere Anliegen Jesu.

Getauft zu sein bedeutet eben auch, mir diesen Anliegen Jesu zu eigen zu machen. Auch dafür lohnt es sich, mich im Gebet mit Ihm zu verbinden – um neu zu hören, auf wen wir in Seinem Namen zugehen können.

Wir haben Weihnachten gefeiert. Jetzt geht es darum zu zeigen, was wir gesehen haben.

Amen.

Den allmächtigen Vater, der bei der Taufe im Jordan Jesus als seinen geliebten Sohn geoffenbart hat, bitten wir:

  • Schenke uns als Deiner Kirche in diesem Jahr die Bereitschaft, uns Dir ganz zur Verfügung zu stellen, damit so Deine Nähe, Barmherzigkeit und Liebe gegenüber der Welt spürbar wird.
    (Wir bitten Dich, erhöre uns)
  • Stärke alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft in dieser schweren Zeit der Pandemie und hilf ihnen, ihr Planen und Entscheiden vor ihrem Gewissen zu verantworten.
  • Schenke allen Getauften den Mut, die von Dir geschenkten Gaben und Talente zu entdecken und zum Wohle aller einzusetzen.
  • Hilf unserer Pfarrei in diesen Wochen des Gebets, uns neu auf Dich hin auszurichten, damit auch bei uns den Armen und Bedrängten Deine Frohe Botschaft nahegebracht werden kann.
  • Nimm unsere Verstorbenen bei Dir auf und verzeihe ihnen dort, wo sie Dir und Deiner Führung misstraut haben.

Denn Du bist das Leben und willst, dass wir es ergreifen. Dir sei Dank mit dem Sohn und dem Heiligen Geist in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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