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Früchte abliefern – oder: Im Weinberg Gottes sein

Predigt von Pfr. Nandkisore am 27. Sonntag im Jahreskreis 2020 (04.10.)
Früchte abliefern – oder: Im Weinberg Gottes sein
Früchte abliefern – oder: Im Weinberg Gottes sein
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Die Hl. Messe mit diesem Evangelium und dieser Predigt wird auf unserem Youtube-Kanal live gestreamt. Dort finden Sie im Anschluss auch eine Aufzeichung. Livestream: Hochamt für die Pfarrgemeinde in St. Peter und Paul, Eltville am Sonntag, den 03. Oktober ab 11:15 Uhr.

Liebe Schwestern und Brüder,

die Zeitgenossen Jesu kannten es alle: das Lied des Jesaja über seinen Freund und dessen Weinberg – wir hörten es in der ersten Lesung. Ob Jesus im Evangelium nun selbst dieses Bild umwandelte oder erst die 1. Christengeneration es Ihm in den Mund legte, ist dabei nicht wichtig. Was dieses Gleichnis, vom dem uns heute erzählt wurde, ausdrückte, war eine Kampfansage an die führende religiöse Schicht Jerusalems – und es ist klar, warum der „Sohn des Weinbergbesitzers“ schließlich getötet wurde!

Wenn Jesaja 700 Jahre vor Christus davon sprach, dass der Weinberg nur saure Früchte hervorbringt und damit das Volk Israel in seiner Gesamtheit meinte, war das eine Einladung zur Umkehr. Aber Jesus (oder die ersten Christen!) veränderte dieses Bild entscheidend: die Früchte sind da, aber die Pächter geben sie nicht weiter! Sie betrügen, bestehlen den Besitzer und stehen so zwischen diesem und seinem Weinberg. Jesus lässt in diesem Streitgespräch die Schriftgelehrten selbst die Konsequenzen eines solchen Handeln ziehen: Der Weinbergbesitzer „wird diese bösen Menschen vernichten!“ (Mt 21,41). Anders als bei Markus und Lukas fällt Jesus bei Matthäus schließlich ein hartes Urteil: „Euch wird das Reich Gottes weggenommen!“ (Mt 21,43) Jesus stellt nicht die Ordnung in Frage, aber die Menschen, die diese Ordnung repräsentieren! (Die Schelte von Papst Franziskus gegenüber seinen Kardinälen und das Wort vom „geistlichen Alzheimer“ ist dem gegenüber harmlos!)

- Was aber machen wir heute mit diesem Evangelium? Hören wir es als ein Dokument der Abrechnung Jesu mit Seinen Gegnern? Dann wäre das Evangelium nicht Evangelium, nicht Frohe Botschaft, nicht Hilfe und Orientierung für meinen und unseren Weg heute.

Frohe Botschaft: das ist für mich zuerst das Wissen darum, dass wir hier im „Weinberg Gottes“ leben! Unser Leben heute, mit all dem, was es prägt und ausmacht, gehört zum Weinberg Gottes und dieser bringt Frucht hervor, Frucht, die deutlich macht, dass das Gottesreich da ist, wächst. Das ist Frohe Botschaft. Diese Welt, unsere Welt ist nicht verloren. Im Gegenteil.

Wenn aber etwas wichtig ist, wertvoll, dann gibt es natürlich auch mahnende Worte, die das benennen, was als Gefahr erkannt wird. Klar: Liebe und Freundschaft kennen auch mahnende und scharfe Worte!

Was hören wir da hier bei uns? Nein, es ist nicht klar, dass damit doch die kirchliche Hierarchie gemeint ist und all die, die das Gottesbild verdunkeln, die Anlass dazu bieten, dass sich Menschen von der Kirche abwenden! Wären sie jetzt hier im Kirchenraum, ja, dann könnten wir darüber sprechen. Aber diejenigen, die hier sind, sind wir selbst – die Gemeinde hier vor Ort.

- Das Wort Jesus, dass die Früchte nicht abgeliefert werden, dass die Pächter sich zwischen Gott und den Weinberg stellen: ich stelle mir die Frage, inwieweit wir und damit auch ich Menschen dabei helfen, ihr Lebe vor dem Hintergrund Gottes zu deuten? Wie sehr wir ihnen den Weg bahnen, dankbar sein zu können – ja gerade auch in dieser Zeit das Geschenk des Lebens wieder neu zu schmecken.

Dabei sehe ich jedoch, wie viel Zeit wir auch damit vergeuden, am Früheren festzuhalten, an einem alten Kirchenbild. Damit, wer wie und wo Schuld daran trägt, das so vieles anders – und das heißt in unserer Lesart: schlechter! – läuft!?

Der Kirchenlehrer Irenäus von Lyon sagte im 2. Jahrhundert: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“ – überall dort, wo der Mensch nicht lebendig ist, sein Leben nicht als lebendig erfährt, als Geschenk, überall dort wird Gott nicht die Ehre gegeben, überall dort kann der Mensch nicht danken.

Wachen wir auf. Die Kirche, die Gemeinde, gehört nicht uns – sie ist im Besitz Gottes, des Weinbergbesitzers! Die Frohe Botschaft des Evangeliums: Wir sind alle im Weinberg Gottes und unsere Aufgabe ist es, Frucht zu sein, Frucht zu bringen; ja – und da trifft das Bild der Pächter uns doch auch – anderen zu helfen, die Früchte zu ernten, die da sind, die vielleicht gar nicht gesehen werden. Früchte, die deutlich machen, wie sehr wir aus der Nähe zum Herrn leben, wie nahe ER uns ist! Kurzum: zu danken, wahrhaft lebendig zu sein!

Indem ich es gesagt bekomme – auch in ernsten Worten – kann ich umkehrten, mich besinnen, beginnen, das Leben zu leben, das Gott mir an jedem Tag schenken will: ein Leben mit Ihm.

Amen.

 

Fürbitten

Herr Jesus Christus, der lebendige Mensch ist die Ehre des Vaters. Wir bitten Dich:

- Hilf Deiner ganzen Kirche, dass wir gemeinsam mit Papst Franziskus nach Wegen suchen, wie die Kirche Deiner Frohen Botschaft noch besser dienen kann.

(Christus, höre uns - Christus, erhöre uns)

- Hilf uns daran mitzuwirken, dass Menschen wieder neu die Freude an ihrem Leben entdecken. Schenke uns den Mut, die jetzige Zeit der Veränderung als Chance zu begreifen, auch wenn wir selbst nicht wissen, welche Gestalt unsere Gemeinde einmal haben wird.

- Du sorgst Dich um Deinen Weinberg: Lass in unserer Mitte die Berufungen zum Priester- und Ordensstand, zu einem Einsatz im Weinberg des Vaters  wachsen und gib uns die Bereitschaft, sie zu fördern.

- Wir danken Dir für die Einheit unseres Landes, die seit 30 Jahren leben dürfen. Stärke alle Bemühungen um Frieden und Gerechtigkeit, damit wir auch weiterhin in Frieden und Sicherheit leben können.

- Nimm auch unsere Verstorbenen bei Dir auf und erkenne in ihnen die gute Frucht Deines Weinbergs.

Durch Dich preisen wir den Vater, den Geber aller guten Gaben, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen

 

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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