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Erster "Sonntag des Wortes Gottes" - Umdenken

Predigt von Pfr. Nandkisore am 3. Sonntag im Jahreskreis 2020 (26.01.)
Erster "Sonntag des Wortes Gottes" - Umdenken
Erster "Sonntag des Wortes Gottes" - Umdenken
© pixabay.de
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

unserem Papst ist es ein Anliegen: dass wir das Wort Gottes, das uns in der Heiligen Schrift überliefert ist, besser kennenlernen. Früher galten die Protestanten als besonders bibelkundig – gegenüber den Katholiken, die ihre Gottesdienste auf Latein feierten und sonst Rosenkranz beteten. Da ist bei beiden wohl nicht mehr viel geblieben. Was aber bleibt ist das Wort des Kirchenvaters Hieronymus aus dem frühen 5. Jahrhundert: „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen!“

Hieronymus wusste, wovon er sprach, übersetze er doch die Bibel als erster aus dem Hebräischen und Griechischen ins Latein. Was muss das für ihn eine Entdeckung gewesen sein – Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort zu entdecken, wie über Gott gedacht und geschrieben wurde, wie Er sich zeigte – und zeigt.

Wer die Schrift nicht kennt – der kennt Gott nicht! Ach wenn die Heilige Schrift mit dem Neuen Testament endet, so ist aber das Nachdenken über Gott und das Neuentdecken Gottes damit nicht vorüber – und dadurch unterschieden wir uns sehr eindeutig vom Koran und dem Denken der Muslime.

Unser Nachdenken und unser Verständnis von Gott müssen sich aber orientieren an dem, was in der Schrift steht, müssen darauf aufbauen.

Im Evangelium hören wir heute das erste Wort, das Jesus in der Öffentlichkeit spricht: „Kehrt um“  - und Er fügt hinzu: „denn das Himmelreich ist nahe“. Gemeint ist: „Denkt um!“ Salopp formuliert könnten wir auch sagen: hört endlich auf! Hört auf, in der bisherigen Weise zu denken, über Gott und über euch selbst. Das ist das Anliegen Jesu. Aber um Sein Anliegen zu verstehen, muss ich wissen, wie bisher über Gott gedacht wurde und was ER demgegenüber verkündet.

Das ist keine theoretische Übung. Das hat ganz praktische Konsequenzen. Dafür brauchen wir nur auf unser Leben zu schauen.

Wie denke ich von Gott und wie denke ich von mir? Da ist – das ist zumindest meine Erfahrung – oft Angst und Unbehagen gegenüber Gott zu spüren. Gegenüber einem Gott, der straft, bei dem wir nicht wissen, an wem wir sind. Der unversehens zuschlägt und sich immer damit herausreden kann, dass ER gerechterweise nur straft, wo wir schuldig geworden sind. Er straft, weil wir nicht so sind, wir ER es will! Das ist es, was uns oft so zu schaffen macht, weil wir es nicht verstehen – oder es einfach völlig übertrieben finden: dass ein Sonntag ohne Messbesuch gleich mit einer Krebserkrankung geahndet wird. Übertreibe ich? Ich wünschte, ich täte es! Aber Menschen denken so. Und gerade deswegen: Denkt um!

Und dazu kommt: wie denken wir selbst über uns? Nach außen tragen wir oft Masken, tun so als ob, „verkaufen“ uns gut. Uns aber so zu zeigen und zu geben, wie wir wirklich sind – menschlich also – wie schwer fällt das viel zu vielen!

- Hört auf, so zu denken – im Evangelium sehen wir, wie Jesus das macht. ER ruft Jünger zu sich, Fischer. Das meinen sie zu sein. Das sehen auch die anderen in ihnen. Einfache Leute. Mit denen ist kein Staat zu machen. Und Jesus: „Ich mache euch zu Menschenfischern!“ Das heißt in anderen Worten: „Ich halte euch für fähig, in einer Welt der Ausgrenzung und Kälte, Gottes Nähe zu bezeugen und dafür zu begeistern“. Das sieht Jesus. Wer hätte das gedacht. Jesus sieht mich, sieht uns, wie wir wirklich sind – aber das soll eben keine Angst machen, wie das früher in der Kindererziehung oft der Fall war. Jesus wird nicht müde – und dafür müssen wir eben auch die Schrift kennen – zu betonen, dass Gott ein Liebender ist, ein Verstehender, dessen größte Freude darin besteht, wenn Seine Geschöpfe sich so entwickeln, wie sie gedacht sind: Als Originale, als gute Schöpfung, als Abbilder Jesu!

- Was sieht Er in mir? Haben wir darüber schon einmal nachgedacht? Interessiert ER sich wirklich dafür, für mich?

Hört auf, so zu denken! Lerne die Schrift kennen. Für Matthäus geht in Jesus eine alte Prophezeiung des Jesaja in Erfüllung: dass Jesus genau dort auftritt – Sebulon und Naftali – wo man sich von Gott verlassen fühlt. Genau dahin geht ER. Und da ist Er bei uns an einer guten Adresse!

Und ER hat Interesse – an uns, an mir. Mit all unserer Sehnsucht, unserer Hoffnung. Ja, ER weiß noch viel besser und tiefer, was wir brauchen, was uns fehlt. Wie sollte ER uns das nicht geben, da ER uns doch liebt!?

Hört auf und denkt um. Jetzt!

Amen.

 

Fürbitten

Jesus Christus, der uns einlädt, Seiner Freundschaft zu trauen, bitten wir:

- Für unsere Gemeinde und die ganze Kirche, dass von uns Licht und Freude ausstrahlen, die gerade diejenigen erreicht, die nicht glauben können, dass sie angenommen und geliebt sind

(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)

- Wir bitten Dich für unsere Erstkommunionkinder und all unsere Kinder, dass sie Dich besser kennenlernen können und es wagen, Dir immer mehr zu vertrauen.

- Wir bitten Dich für alle Christen, dass wir neu den Reichtum entdecken, der uns in der Heiligen Schrift geschenkt ist, in der wir Dir selbst begegnen können.

- Wir bitten Dich in diesen Tagen für unsere Kirche in Deutschland, die auf dem „Synodalen Weg“ versucht, Dir und Deinem Wort in unserer Gesellschaft neu Gehör zu verschaffen.

 - Für unsere Verstorbenen, dass sie bei Dir geborgen sind, wo der Tod keine Macht mehr über sie hat.

Du rufst uns zur Umkehr, zum Glauben an Dich und Deine Liebe, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770