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ER ist nicht zu fassen – nur zu erfahren

Predigt von Pfr. Nandkisore an Ostern 2012
ER ist nicht zu fassen – nur zu erfahren
ER ist nicht zu fassen – nur zu erfahren
© Martin Manigatterer-Sr. Hanna Ecker - in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium - Frohe Botschaft

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist ja auch wirklich unglaublich: der Leichnam ist weg? Wo ist er? Wer hat ihn wohin gebracht?

Von einem wird gesagt: Er sah und glaubte. Als Lieblingsjünger gilt er in der Tradition, derjenige, der dem Herrn nahe stand. Lieben. Nicht nur verehren oder gut Freund sein. Lieben. Dem anderen glauben, vertrauen. Ostern geht nicht ohne.

- Karfreitag: die Katastrophe ist hereingebrochen. Wie soll man damit fertigwerden? Sich daran gewöhnen? Bei Maria von Magdala sieht man: nein, das geht nicht! Wenigstens den Leichnam müssen wir noch haben dürfen, sich festhalten an Totem.

Ich kenne die Versuchung: Gefangen zu sein in einer Schleife der Enttäuschung, einer Verletzung. Da komme ich nicht raus – langsam vielleicht, so die Hoffnung. Und dennoch: ich stelle mir vor, was alles hätte anders sein können. Aber der Zug ist längst abgefahren.

Ich frage mich und möchte diese Frage damit auch weitergeben: Wo suche ich das Leben? Wo suchen wir das Leben? In der Sicherheit alter Routinen; in Strukturen, die zwar wie ein Korsett einschnüren, dabei aber doch so etwas wie Sicherheit vorgaukeln? Die letzten Monate haben uns weltweit gezeigt, dass Sicherheiten sehr relativ sind; sie haben uns in unserem Land gezeigt, wie erbärmlich eine Kirche aussehen kann, die Ihn aus dem Blick verliert. Den Toten salben? Hoffen, dass Steine irgendwie verrückt werden können? Aus Trümmern doch noch so etwas wie einen Unterstand bauen? Wem ist damit gedient – außer meiner eigenen Trauerarbeit?

- Ostern feiern heißt: meine fixen Ideen werden durchkreuzt, meine Erwartungen enttäuscht – im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt noch eine andere Realität, eine, die von Gott gesetzt wird und die wir nicht machen können und sei es durch noch so festliche Gottesdienste. Nein, was uns in diesen Tagen wieder neu gesagt wird ist, dass das Leben kreativ ist, dass Gottes Wege mit uns – und keineswegs nur mit der Kirche – immer neu zu einem neuen Leben führen.

- Allerdings: Er sah und glaubte. Es braucht etwas von unserer Seite, um dieses neue Leben zu sehen, zu entdecken. Es braucht die Haltung, Gott das auch zuzutrauen. So wie Johannes. Er hatte gegenüber den anderen keinen Wissensvorsprung – und doch! Später wird er am See Petrus zurufen: „Es ist der Herr!“ und Petrus stürzt sich dann in die Fluten, um zu Ihm zu kommen. Es braucht die, die Glaubenserfahrung gemacht haben, die den Herrn im wahrsten Sinne des Wortes lieben, um andere genau dorthin zu führen. Wo geschieht das?

- In Galiläa! Dort geht hin. Das sagen die Engel den Frauen. Galiläa, das ist der Alltag, den die Jünger bisher mit Jesus gelebt haben; es ist eine Gegend, in der Juden mit Heiden vermischt lebten. Der Ort des Gewöhnlichen, der Arbeit – also: hier! Dort, wo wir sind. Um als österliche Menschen zu leben, müssen wir nicht woanders hingehen, sondern nur anders leben, dort, wo wir sind. Und: nicht festhalten wollen, wie Maria von Magdala das anfangs noch möchte. Nein, das ist es nicht. Nicht festhalten, bewahren, es wieder so einrichten, wie es vorher war. Das ist nicht das Leben. Und das wissen wir!

Ich sagte zu Beginn dieser Tage, dass wir anders als in den früheren Jahren ein Sterben erleben: Ein Sterben von Sicherheiten in vielfältiger Hinsicht. Ja auch und gerade in der Kirche. Kirche als Leib Jesu – gekreuzigt und begraben. Tot. Maria und die Jünger erkennen den Auferstandenen erst einmal nicht gleich. Der Leib Jesu wird von uns als solcher nicht gleich erkannt werden. Das wenden wir doch einmal vertrauensvoll auf die Kirche an. Halten wir doch nicht einfach fest an dem, wie es immer so war. Wie sahen doch, wohin das geführt hat – und: wer hat daran wirklich noch Interesse? Aber: Ostern findet statt. Von Gott her. Das ist es, was mich mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt. ER wird dieses Wunder bewirken, hier, dort, wo wir sind, wo die sind, die sich auf Ihn einlassen wollen. Diese Bereitschaft ist von uns gefordert: Dass wir gehen, wie Maria, wie die Jünger und erzählen, dass Er uns begegnen wird, in Galiläa. Hier bei uns. Wir werden es erfahren. Sicher anders, als wir es erwarten. Aber das ist das Leben. Nicht zu fassen. Das ist Ostern.

Halleluja.

 

Fürbitten Ostern 2021

Unseren Herrn Jesus Christus, den der Vater von den Toten auferweckt hat und uns alle mit neuem Leben beschenken will, bitten wir:

- Wir bitten Dich für Deine Kirche weltweit und hier bei uns: Dass wir aus der Feier dieser Tage die Freude für ein Leben in der Nachfolge und im Liebesdienst am Nächsten schöpfen.

(Christus, Du Lebendiger – wir bitten Dich, erhöre uns)

- Wir bitten Dich für alle, die in dieser Zeit der Pandemie ihr Leben, ihre Energie und Arbeitskraft für das Wohl derer einsetzen, deren Leben durch Krankheit, Einsamkeit oder Existenzängste gemindert ist.

- Wir bitten Dich um eine Erneuerung unseres Glaubens und den Mut, Deinen Verheißungen mehr zu trauen als unseren Enttäuschungen und Ängsten.

- Ostern ist ein Fest der Befreiung. So bitten wir für alle, die gefangen sind: In Abhängigkeit und Sucht; in ihrer Schuldgeschichte; in der Not finanzieller Abhängigkeiten; in der sinnlosen Routine ihres Lebens.

- Wir bitten Dich auch für unsere Verstorbenen: Lass sie das neue Leben in Deiner Gemeinschaft erfahren.

Allmächtiger Vater, in Deinem Sohn hast Du uns alles geschenkt. Dir sei Dank, der Du mit ihm und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

© Jutta Gehrlein in pfarrbriefservice.de
Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

 

 

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