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Einen Neuanfang wagen – oder: sich Gott überlassen

Predigt von Pfr. Nandkisore am Fest Taufe des Herrn 2021 (10.01.)
Einen Neuanfang wagen – oder: sich Gott überlassen
Einen Neuanfang wagen – oder: sich Gott überlassen
Ausschnitt aus dem Südportal des Münsters Unserer Lieben Frau in Villingen-Schwenningen © Friedbert Simon in pfarrbriefservice.de
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  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

als ich mir vor einem Jahr Gedanken zu diesem Fest machte, ging es darum, sich der Möglichkeit eines „anderen Lebens“ zu stellen. Aber: wer tut das schon? Wenn nicht ein einschneidendes Ereignis dazu drängt, eine schwere persönliche Krise, ein Scheitern, sind wir doch sonst eher darum bemüht, alles beim Alten zu belassen. Es hat sich bewährt, irgendwie ist es ja auch gut – zumindest nicht ganz schlecht – und so kann es bleiben. Allerdings: Vor allem jüngere Menschen hofften vor einem Jahr, dass sich angesichts der Umweltkrise ein neues Bewusstsein durchsetzen würde, eine Änderung des Verhaltens aller, damit alle auf dieser Welt überleben können.

Niemand von uns ahnte, was dann im letzen Jahr geschah. Und jetzt? Wir sehen Licht am Ende des Tunnels – so wird es uns versprochen und das wird uns auch noch durchhalten lassen. Und dann? Was wird dann sein?

- Dabei möchte ich nicht falsch verstanden werden: Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Pandemie nicht einfach eine „Zwangspause“ für unser normales Leben darstellt! „Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit“ hat es der Jesuit Willi Lambert einmal formuliert: Wir bekommen alle etwas gesagt, gezeigt – was wir daraus machen liegt in unserem Ermessen, ja in unserer Verantwortung. Da ich von einem guten Gott überzeugt bin, sehe ich vor allem Chancen: Chancen, die ein anderes, ein verändertes, ein bewussteres Leben bieten! Somit kann die Pandemie auch so etwas wie ein „Augenöffner“, ein „Bewusstseinsveränderer“ sein. Und damit bin ich beim Fest der „Taufe des Herrn“:

- Johannes der Täufer ist in der Wüste und die Menschen kommen in Scharen zu ihm gelaufen. Er lullt nicht mit harmlosen Schalmeienklängen ein, sondern mit drastischen Worten ruft er zu einer Veränderung auf. Oder anders: die Situation, in der sich das Volk vorfindet, verlangt nach einer Änderung! Wie eine Pandemie hat sich die römische Macht immer weiter ausgebreitet und das bisherige Leben der Menschen verändert. Was kann da helfen?

Umkehr! So sagt es Johannes der Täufer. Denn nur so werdet ihr erkennen, worauf es jetzt ankommt. Es steht eine Veränderung an, seid bereit und bemüht euch. Was die Menschen verstehen, ist: Endlich ist es soweit, der Erlöser kommt, der Retter. Hurra! „BionTech“ ist da und wird von „Pfizer“ flankiert! So lange haben wir diesen Retter erwartet. Machen wir uns bereit, stellen wir uns an, dann wird alles wieder gut – und alles Böse wird vernichtet!

Die Erwartungen der Menschen an den Retter damals hätten sich nicht stärker von dem unterschieden können, was Jesus bringen wollte: Kein jüdisches Königtum, sondern ein Gottesreich, das Menschen wahrhaft leben lässt. Keine Vertreibung des Feindes, sondern Versöhnung. Kein Gottesverhältnis, das sich von der Angst nährt, sondern das Leben eines jeden zur Entfaltung führt.

- Das Evangelium berichtet davon, dass sich bei der Taufe Jesu der Himmel öffnet. Das ist kein nebensächliches Detail! Der Retter, der Erlöser, wird nicht irgendetwas oder jemanden vernichten, nicht die Bösen bestrafen und die Guten belohnen. ER, Jesus, ist da, um zu zeigen: Es besteht kein Grund zur Angst vor Gott, im Gegenteil! Alles wird gut, wenn der Mensch sich Ihm überlässt, dann wird Seine Gegenwart spürbar, beinahe sichtbar – der Himmel ist offen! Und dadurch wird alles anders. Alles. Jede römische Übermacht, jede Pandemie, alles Ängstigen und Sorgen ist umfangen von Dem, der da ist. Ja, macht euch bereit, lasst euch taufen, wascht euer Misstrauen ab, ändert euch.

Immer wieder können wir im Evangelium lesen, dass „die Zeit reif“ war, so dass Jesus kommen konnte. Sie ist auch heute dafür reif. Anders als vor der Pandemie können wir es heute vielleicht besser sehen, wahrnehmen: Die Sorge und die Sehnsucht der Menschen, der Wunsch nach Sicherheit und Sinn – all das und noch viel mehr findet in Christus eine Antwort. Hier sehe ich die Chance, die sich uns als Kirche, als Gemeinde in der kommenden Zeit bietet: Dass es jemanden gibt, der trägt, wenn scheinbar nichts mehr trägt, dass es einen Sinn des Lebens gibt, der sich nicht nach Lebenslänge oder Gesundheit bemisst: Kurzum: dass Gott mittendrin ist. Gerade auch jetzt! Amen.


Fürbitten

Den allmächtigen Vater, der bei der Taufe im Jordan Jesus als seinen geliebten Sohn geoffenbart hat, bitten wir:

- Schenke uns als Deiner Kirche in diesem Jahr die Bereitschaft, uns Dir ganz zur Verfügung zu stellen, damit so Deine Nähe, Barmherzigkeit und Liebe gegenüber der Welt spürbar wird.

(Wir bitten Dich, erhöre uns)

- Schenke denen, die ihren Glauben verloren haben und die keine Nähe mehr zu Dir verspüren, die Gnade, das Geschenk ihres Lebens neu zu sehen und so ein Segen für andere zu werden.

- Stärke alle Verantwortlichen In Politik und Gesellschaft in diesen schweren Monaten der Pandemie und hilf ihnen, ihr Planen und Entscheiden vor ihrem Gewissen zu verantworten.

- Schenke allen Getauften den Mut, die von Dir geschenkten Gaben und Talente in ihnen zu entdecken und sie zum Wohle aller einzusetzen.

- Nimm unsere Verstorbenen bei Dir auf und verzeihe ihnen dort, wo sie Dir und Deiner Führung misstraut haben.

Denn Du bist das Leben und willst, dass wir es ergreifen. Dir sei Dank mit dem Sohn und dem Heiligen Geist in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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