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Der Weg, die Wahrheit und das Leben - Sind Christen systemrelevant?

Predigt von Pfr. Nandkisore am 5. Sonntag der Osterzeit (10.05.2020)
Der Weg, die Wahrheit und das Leben - Sind Christen systemrelevant?
Der Weg, die Wahrheit und das Leben - Sind Christen systemrelevant?
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
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Live-Stream auf Youtube

Der Gottesdienst am 10. Mai um 11:15 Uhr aus Eltville mit dieser Predigt wurde Live auf YouTube gestreamt. Leider kam es dabei zu Bildproblemen. Eine Aufzeichnung mit durchgehendem Bild finden Sie dort aber auch. Beide brechen leider gegen Ende ab. Wir hoffen, die technischen Probleme bei unserem nächsten wöchentlichen Livestream des Gottesdienstes aus Eltville behoben zu haben.

Liebe Schwestern und Brüder,

wo ist jetzt der richtige Weg? Wem kann man noch glauben, wer lügt und wer sagt die Wahrheit? Überleben oder die Würde des Lebens? Darum geht es in diesen Tagen und Wochen und nicht nur in unserem Land. Sind wir als Christen halt einfach Staatsbürger und so, wie andere Vereinsmitglieder sind, Fans von Fußballclubs, engagieren wir uns eben in der Kirche – es ist also eine Privatsache?

Ich formuliere es überspitzt: Diesen Eindruck habe ich! Und als ein solcher Verein sind wir nicht systemrelevant. Manchmal noch nicht einmal für die eigenen Leute.

- Deswegen: konzentrieren wir uns doch auf unsere Kernkompetenz! Und die besteht in der Verkündigung der Frohen Botschaft. Wenn ich sage „Verkündigung“, so meint das im Sinne des Hl. Franziskus: Wenn nötig auch mit Worten! Es geht darum, ob wir Christen im „System“, unserer Gesellschaft auffallen, weil wir „anders“ sind, weil wir „anders“ leben, „anders“ denken und sprechen – aus unserer Freundschaft und unserem Vertrauen zu Jesus Christus heraus.

Gerade das heutige Evangelium, das uns aus dem Abendmahlssaal berichtet, eignet sich hervorragend für eine solche persönliche Standortbestimmung – und der sollten wir uns gerade jetzt nicht verweigern:

- Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Jesus sagt nicht, Er „sei“ das. Er sagt: Ich bin! Nicht: Ich weiß den richtigen Weg – also los, laufen wir hin; nicht: Ich kenne die Wahrheit – also dann aufgepasst und ja jedes Wort notiert; nicht: Ich zeige euch das richtige Leben – also dann wollen wir das von Ihm lernen.

Ich bin!

- Der Weg: „Auf“ Jesus laufen! Das kann doch nur heißen, dass wir die Lebensweise Jesu nachahmen. Lernen, wie Er zu denken, zu sprechen, dem Vater gegenüber zu vertrauen! Er gibt uns keine Richtung an, sondern eine Lebensweise. Die lerne ich nur, wenn ich Ihn besser kennenlerne. Merken wir, wie wichtig es ist, die Heilige Schrift zu kennen, sie zu betrachten, immer und immer wieder, um zu entdecken, wie ER gelebt hat? Dabei wird jeder von uns anderes entdecken, anderes nachahmen. Zusammen gibt das dann eine wunderbare Fülle. Systemrelevant?

- Die Wahrheit: Das ist eben kein Sammlung von Sätzen und Verordnungen. Seine Wahrheit besteht darin, ganz der Sohn des Himmlischen Vaters zu sein. Und meine, unsere Wahrheit, ist eben genau auch das: Brüder und Schwestern Jesu, Kinder des Himmlischen Vaters zu sein. Das ist meine Wahrheit! Darin besteht meine Würde – die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist das allerhöchste, was ich über einen Menschen sagen kann: Du bist Kind Gottes! Das ist unsere Wahrheit. Das hat Konsequenzen in alle Bereiche des Lebens hinein – eben auch in unser Sprechen und Handeln. Und darüber hinaus. Systemrelevant?

- Das Leben: Hier zeigt sich gerade in der aktuellen Situation, der Verunsicherung und der Angst, dass das Leben mit Jesus eine Lebenshaltung ist! „Leben“ erschöpft sich im Denken der Hl. Schrift und gerade auch im Denken Jesu nicht in den Kategorien unseres „biologischen“ Lebens. Leben bedeutet Gemeinschaft. Die Toten sind tot, weil sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen sind – so das Denken Israels. Leben im Sinne Jesu ist Verbindung, Gemeinschaft mit dem Himmlischen Vater. Ich bin das Leben – mit mir verbunden habt ihr dieses Leben, diese Gemeinschaft, diese Fülle. Jetzt schon – und ihr verliert sie auch nicht!

Wenn wir auf dem Weg gehen, der Er ist, wenn wir also immer mehr die werden, die wir sind, und das heißt diejenigen, die einen besonderen Auftrag in dieser Welt haben und aus dieser Wahrheit leben, werden wir Geschmack bekommen an dem Leben, das nur in Gott zu finden ist. Ein Leben, für das das biologische Leben hier ein Vorspiel, ein Vorgeschmack, ein Einüben ist.

Aus dieser Haltung heraus ist keine Angst angebracht. Sondern schlicht und einfach Vertrauen. Mein Leben so leben, wie es vernünftig ist, pendelnd zwischen Vorsicht und Wagnis, im Wissen darum, dass das Beste noch kommt!

Mit dieser Lebensweise Jesu sind – wären – wir Christen systemrelevant. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770