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Der Start in eine verändernde Zeit

Gedanken zum 1. Fastensonntag von Pfr. Nandkisore
Der Start in eine verändernde Zeit
Der Start in eine verändernde Zeit
© Michael Rösch in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesen Tagen lasse ich mich von Gedanken eines Studienfreundes begleiten, der vor einigen Jahren 40 Tage in der Wüste verbrachte und seine Erfahrungen in einem Buch veröffentlicht [1]: Genau wie Jesus wollte er sich dem aussetzen, was im Evangelium nach Markus in nur zwei wenigen Versen erzählt wird und die wir an diesem Sontag hören. Und so bekommen diese beiden Verse eine Tiefe, die wir leicht überlesen. Ich möchte meine Gedanken gerne mit Ihnen teilen, denn diese Fastenzeit sehe ich wirklich als eine Chance an – wenn wir sie nutzen!

- Es heißt im 1. Kapitel in Vers 12 bei Markus: „Danach trieb der Geist Jesu in die Wüste“. Jesus geht, weil es Ihn dazu drängte, Er sozusagen geführt wurde; ER suchte sich das nicht selbst aus. So wie wir: die Fastenzeit ist uns vorgegeben! Was mich stutzig macht: direkt vorher erzählt Markus, wie der Geist sich auf Jesus herabsenkt und eine Stimme sprach: „Du bist mein geliebter Sohn“. Der geliebte Sohn wird in die Wüste geschickt?! Ich muss daran denken, dass vor einigen Jahren während einer Pilgerreise nach Israel der israelische Führer zu uns sagte, dass die Wüste im biblischen und hebräischen Sprachgebrauch sehr positiv besetzt ist, denn das Wort „Wüste“ und das Wort „sprechen“ haben im Hebräischen die gleiche Wurzel. Das ist es: weil Jesus der geliebte Sohn ist, will der Vater mit Ihm das Gespräch vertiefen, an einem Ort, der dafür besonders geeignet ist: die Wüste.

- Das erfährt auch mein Studienfreund und damit begegnet er auch all dem, was der Evangelist Markus im nächsten Vers andeutet: „Dort bleib Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren“ (1,13).

Wenn ich mich einem mir vertrauten Menschen in einem Gespräch öffne, dann kommen auch die Dinge zur Sprache, die ich anderen gegenüber verschweige. Und: der Freund wird auch den Mut haben, mich auf Dinge hinzuweisen, die mir unbequem sind, die zu meinem Schatten gehören. Ich darf mich als geliebter Sohn, als geliebte Tochter des Himmlischen Vaters verstehen und wenn ich mich einem ehrlichen Gespräch mit Ihm stelle, werden meine Schattenseiten deutlich zum Vorschein kommen. Das macht Angst. Klar! Ich kenne Situationen, in denen ich darüber erschrecke, welche Teufel in mir wohnen! Es wäre nicht nur ein Dienst an mir, wenn ich mich über 40 Tage hinweg einmal ernsthaft damit auseinandersetzen würde!

- Es gibt Heilige, die mit wilden Tieren dargestellt werden: Der Hl. Hieronymus hat einen Löwen gezähmt, der ihn fortan begleitet; der Hl. Franziskus den Wolf von Gubbio. Da geht es nicht um Märchenhaftes, sondern um all das, was auch wild und ungezähmt in jedem von uns steckt. Es sind auch Seiten, die wir nicht zulassen, die gesellschaftlich nicht akzeptiert werden – und doch sind sie da! Und: ich bin geliebt. Mit allem, was zu mir gehört. Wenn ich mich selbst so anzunehmen lerne, werden die wilden Tiere nicht verschwinden, aber ich kann mich mit ihnen anfreunden, im besten Falle von ihrer Kraft profitieren. Vielleicht erfahre ich dann auch: „…und die Engel dienten ihm“ (1,13b).

- Nun mag es den Anschein haben, dass es sich hier um eine profunde Nabelschau handeln würde. Nein! Ganz und gar nicht. Hier trennt sich der christliche Weg von dem der Selbstoptimierung, der Wellness  und Heilfastenideologie: Letztere bleibt bei sich stehen, aber Christus zeigt uns, wozu die Umkehr – oder besser: das intensive Gespräch in der Wüste – dient: dem Leben, von dem ich Teil bin! Als geliebter Sohn, als geliebte Tochter kann ich mich als derjenige in die Welt einbringen und sie in Gottes Sinne prägen, als der ich geschaffen wurde. Und wenn ich in diesen Wochen wieder ausdrücklich in der Hl. Schrift nach dem Maßstab Gottes für das Miteinander in dieser Welt frage, werde ich deutlich erkennen, worauf es ankommt!

- Die vergangenen Monate der Pandemie und des Lockdown haben wir ertragen, da konnten wir nichts gestalten, nur den Regeln folgen. Diese Fastenzeit kann anders sein: Sie kann uns in eine Tiefe führen, die uns auch die Herausforderungen der Pandemie in einem anderen Licht – im Licht Christi – sehen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete und verwandelnde Fastenzeit,

Ihr
Don Roberto

[1] Andreas Knapp, Lebensspuren im Sand, Freiburg 2015

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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