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"Der Geist des Trostes - oder: Lernen ist Leben"

Predigt von Pfr. Nandkisore an Pfingsten 2019
"Der Geist des Trostes - oder: Lernen ist Leben"
"Der Geist des Trostes - oder: Lernen ist Leben"
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

„Lernen ist Leben“, so ist die diesjährige Pfingstaktion von Renovabis überschrieben. Besonders die Ausbildung junger Menschen ist dabei im Fokus. „Lernen ist Leben“ – lernen, offen sein, Veränderungen meistern, das Leben sich entwickeln lassen. Das können wir nicht nur jungen Menschen wünschen.

- Die Apostel lernen – durch den Heiligen Geist. Wir haben’s gehört: Plötzlich können sie in neuen Sprachen sprechen. Nicht irgendetwas, sondern das, was anderen zu Herzen geht: Die Menschen hören sie Gottes große Taten verkünden. Sie sprechen so, dass es den anderen wirklich erreicht. Das ist eine Kunst. Nicht nur in einer Fremdsprache. Wir haben doch alle schon die Erfahrung gemacht, was passiert, wenn uns ein Wort – in welcher Sprache auch immer! – erreicht oder wir jemanden erreichen: Das sieht man in den Augen! Das zu lernen fördert Leben!

Dabei war das anfangs gar nicht so klar, dass das klappt: Die Apostel erlebten Zusammenbruch, Enttäuschung, Verrat in den eigenen Reihen. Ein kleiner Rest blieb zurück und machte irgendwie die Erfahrung, dass der, der getötet wurde doch lebt! Wen interessiert das? Solche Spinner!

- Aber dann passiert etwas und mit normalen Mitteln ist das nicht zu erklären: Da ist ein Bruch, ein Riss, eine Lücke – menschlich gesehen ist da nicht viel zu machen. Und darum geht es heute: ein neuer Beginn – trotz allem. Pfingsten. Geburtstag der Kirche. Die Apostel haben etwas gelernt und das ermöglichte Leben.

Manche mögen denken: „Ich riech‘ den Braten! Ich weiß, wohin der Pfarrer jetzt will!“ Durchhalteparolen, Aufbruch; wir müssen nur dazulernen, dann werden wir schon leben!

Nein! In den letzten Monate merke ich: Wie viele andere in der Gemeinde befinde auch ich mich oft „vor“ diesem Bruch, dem Riss, der Lücke. Ich sage „oft“, weil es natürlich auch schöne Erfahrungen des Neuen gibt, der Ermutigung. Aber für das Gesamtempfinden reicht das nicht aus. Da sitzt die Erfahrung von Absterben, von Nicht-Mehr, von Verlust. Und das bekommen wir nicht weg, indem wir einfach sagen: „Jetzt wird‘ anders. Die Traurigkeit lässt sich mit Parolen nicht vertreiben.

Die Traurigkeit – so sagte es mir jemand in diesen Tagen – ist wie eine gute Freundin: Sie kommt, wenn ich sie brauche. Sie ist nicht angenehm, aber enorm wichtig. Sie hilft mir zu verstehen, dass da etwas nicht mehr ist und das dann auch zu beweinen, zu betrauern. Es ist zu spüren, an allen Orten, mehr oder weniger: Es ist weniger, da wird uns was genommen. Da ist keine Person, die irgendwie alles zusammenhält, motiviert. Aber fragen sie auch mal uns, die Hauptamtlichen und gerade auch die Priester: Dafür sind wir nicht angetreten. Wir wollen Seelsorger sein, Menschen begleiten und zu Christus führen, begeisternde Gottesdienste feiern, die immer voller werden. Dabei – schauen wir hin: Manchmal denke ich: Wie gut, dass da jetzt kein Seminarist in der Messe ist, der sich anschauen will, worauf er sich einlassen soll! Und mancher Gläubige denkt sicher auch: Gott sei Dank war mein Kind, mein Enkel heute nicht dabei!

Wie kommen wir da raus?

- „Höchster Tröster in der Zeit“ – zweimal wird in der Pfingstsequenz vom Tröstergeist gesprochen. Der ist bei den Aposteln angekommen. Vorher hatten sie Zeit, Abschied zu nehmen von fast allem was ihnen vertraut war. Das war nicht leicht! Das wissen wir jetzt aus eigener Erfahrung. Jesus sagte es den Aposteln: Erst müsse Er gehen, dann kann Neues kommen.

Was wir jetzt brauchen ist das feste Vertrauen in die Treue Jesu. Er will uns doch weiterführen und immer wieder zeigt Er uns in kleinen Ereignissen, wie das aussehen kann.

Unsere Freundin Traurigkeit bringt uns bei, dass es nie wieder so wird, wie wir es kannten – und der Geist Gottes will uns zeigen, was alles Neues auf uns wartet, was alles ankommen will. In Jerusalem stand eine ganze Stadt vor der Tür und staunte. Die Apostel lernten und das führte zum Leben.

Das ist möglich. Hier und jetzt – wenn wir das wollen. Wenn ich das will. Dann überbrückt Gottes Geist den Bruch, den Riss, die Lücke – und dann sind wir auf der anderen Seite. Auf der Seite, auf der neues Leben wartet.

Wollen wir? Ich will!

Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770