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Das wichtigste Gebot – oder: was lässt mich leben?

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 31. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Das wichtigste Gebot – oder: was lässt mich leben?
Das wichtigste Gebot – oder: was lässt mich leben?
"An apple a day keeps the doctor away". Um dieses Gebot geht es hier aber wohl nicht… © NickyPe auf pixabay.com

Die Texte zum 31. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Dtn 6, 2–6 und Hebr 7, 23–28) und des Evangeliums (Mk 12, 28b–34) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

Erntegaben, Dank für die Ernte; Dank dafür, dass wir das haben, was wir zum Leben brauchen – und noch viel mehr!

Wir können staunen: Über die Buntheit und Vielheit, darüber, in wie vielen Variationen es den Apfel gibt, der doch immer auch „Apfel“ bleibt – und im besten Falle lecker und saftig ist!

Im heutigen Evangelium geht es um die Frage nach dem wichtigsten Gebot. Und – wir wissen es: die Antwort Jesu ist die Liebe! Für mich passt das gut zusammen: Erntedank und das Liebesgebot

- Zunächst einmal: Liebe als ein Gebot? Lässt sich damit noch Staat machen? Mir, uns Liebe als Gebot aufzuerlegen – irgendwie passt das nicht. Möglicherweise hat sich das heutige Sprachgefühl auch nur verändert. Wie könnten wir das anders formulieren? Vielleicht so: Was braucht ein Mensch, wonach sollte er sich richten, damit er wirklich leben kann, damit sein Leben gelingt, er Frucht bringen kann – er also wirklich das sein kann, was er ist: Mensch! Und für uns Christen ist der Mensch das gute und geliebte Geschöpf Gottes. Er ist gut angelegt, jeder und jede von uns anders – und gerade darin einmalig. Wie diese Früchte. Was es also braucht – wie bei diesen Früchten: Die Bedingung, dass ich so wachsen – mich so entwickeln – kann, dass ich der sein kann, der ich wirklich bin!

Jesus zeigt uns, lebt uns vor: Folge deinem inneren Lebensgesetz und du wirst leben können. Dieses Gesetz lautet: Gott ist gut – ER will dein innerer Leitstern sein – was ER will ist, dass du „Du“ bist und wirst. Wenn du diesen Gott liebst, wenn du „Ja“ sagst zu Ihm, wirst du alles haben, was du brauchst!

Das klingt doch schon anders als „Gebot der Liebe“.

- Jesus erfindet in Seiner Antwort auf die Frage des Schriftgelehrten kein neues Gebot, sondern er bindet zwei Gebote des Gesetzes, die sich an unterschiedlichen Stellen finden (Lev 19 und Dtn 6) zusammen. Und: Er fügt etwas Wichtiges hinzu: Im Gesetz steht, dass wir Gott lieben sollen mit ganzem Herzen und ganzer Seele und dem ganzem Herzen. Jesus fügt hinzu: „mit all deinen Gedanken!“

Wenn ich mir Gedanken darüber mache, Gott zu lieben, dann komme ich nicht darum herum, darüber nachzudenken, was diesem Gott wichtig ist. An der Nächstenliebe komme ich dann nicht vorbei! Auch wenn es schwer fällt; auch wenn ich – wir! – dabei immer wieder an meine Grenze stoße: Es kann mir nicht egal sein, was diesem Gott wichtig ist, denn Liebe hat nunmal einen Blick für die Welt des anderen, sonst wäre sie keine Liebe! Das Zeugnis so vieler Christen – wir werden sie wieder an Allerheiligen feiern! – sagt und zeigt uns: Aus unserer eigenen Kraft heraus kommen wir an eine Grenze, was dieses „Gebot“, diesen Wunsch Gottes betrifft. Aber wer hat denn gesagt, dass wir es alleine schaffen müssen? Jesus bestimmt nicht! Ehrlich darum zu bitten: „Herr, hilf mir – gib mir die Kraft und Geduld, die es jetzt braucht – hilf mir, über meinen eigenen Schatten zu springen, diesem und jenem in der Weise zu begegnen, die Dir entspricht!“ Wenn ich das Evangelium richtig verstehe, sind das gerade die Gebete, die der Vater erhört, weil sie im Namen und Sinne Jesu gesprochen werden!

- Damit bin ich bei einem letzten Gedanken: Das Gebot heißt: „Höre, Israel“ – es heißt nicht: Höre Simon, höre Maria, höre Paul, höre Laura. „Höre Israel“ – höre du Gottesvolk! Höre Kirche! Höre Gemeinde von Peter und Paul. Wie Israel sind wir als Gottesvolk unterwegs und das heißt eben auch, dass wir einander brauchen; dass wir einander ermutigen, wenn es für den Einzelnen zu schwer wird. Für uns gilt eben nicht „Ich und der liebe Gott!“ Die Pandemie hat uns da auch kirchlich in eine nicht so gute Vereinzelung gebracht. Wenn früher der Einzelne mit seinen Bedürfnissen nicht gesehen wurde, so besteht heute die entgegengesetzte Gefahr: dass wir den Wert der Gemeinschaft unterschätzen; dass wir die Gemeinschaft schwächen, da es uns mehr darauf ankommt, was dem Einzelnen nutzt. Das ist aber nicht das Grundgesetz des Himmelreiches – das ist nicht das Anliegen Jesu.

Der Gabenaltar heute hier an Erntedank kann es uns zeigen – und deswegen passt es für mich gut zusammen, Erntedank und das Liebesgebot: Früchte, jede einzelne besonders, anders, im besten Falle wohlschmeckend – aber nur zusammen sind sie Ernte. Sie gehören zusammen. Nicht nur an Erntedank.

Amen.

Lasst uns dem Gebot des Herrn folgen und Ihn vertrauensvoll bitten:

  • Lass uns hören und erkennen, wie sehr der Vater uns liebt und sich um uns kümmert und gib uns so die Kraft, diese Liebe in und durch unser Leben zu erwidern.
    (Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)
  • Erfülle uns mit Dankbarkeit für die Erntegaben und lass uns alle daran mitwirken, Deine gute Schöpfung als Haus aller Geschöpfe zu hüten und zu schützen.
  • Für uns: Dass wir selbst durch die Begegnung mit Dir immer mehr die werden, die wir wirklich sind.
  • Stärke uns in unserem Zeugnis für die Würde jedes menschlichen Lebens und lass uns denen nahe sein, die durch Krankheit und Behinderung beeinträchtigt sind.
  • Schenke unseren Verstorbenen, ( N.N. ) und allen, an die wir in diesen Tagen besonders denken, die Vollendung ihres Lebens.

Durch dich bitten wir den Vater, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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