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Das Talent vergraben - oder: wagen, das eigene Leben zu leben

Predigt von Pfr. Nandkisore am 33. Sonntag im Jahreskreis 2020 (15.11.)
Das Talent vergraben - oder: wagen, das eigene Leben zu leben
Das Talent vergraben - oder: wagen, das eigene Leben zu leben
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

wie schon am letzten Sonntag geht es in diesem Evangelium nicht um etwas „irgendwann am Ende“, am Ende meines Lebens oder der Welt. Es geht um mein Leben hier und jetzt. Es geht darum, mein Leben mit all seinen Möglichkeiten hier und jetzt zu leben und zu erkennen, dass ich mit all dem dafür Notwendigen ausgestattet bin.

- Das ist offensichtlich nicht unsere Erfahrung: die vielen Neiddebatten zeigen es, die Klagen und Hinweise, dieser und jene hätten mehr als ich und deswegen könnten sie mehr, besser, weiter … Weil sie privilegiert sind, hat mein Leben nie so viel Wert wie ihres, denn nie werde ich zu dem fähig sein, was sie können.

Bitte nicht falsch verstehen: Es geht nicht – gerade am Welttag der Armen! – darum, die ungerechte Verteilung der Güter dieser Welt in der Hand Weniger zu Lasten der Vielen zu verharmlosen. Keineswegs. Das ist ein Unrecht, dem gerade Christen im Verbund mit unserem Papst die Stirn bieten müssen.

Es geht um die Haltung der Minderwertigkeit – die oft die Frucht der Vergleichs ist: der andere hat mehr als ich und deswegen bin ich weniger wert! Der hat fünf Talente, der zwei – und ich nur eines! Klar, ich kann nichts, ich bin weniger wert, ich werde übersehen, man traut mir nichts zu. Wer tief in sich hinein hört, wird diese Stimmen sicher kennen. Was mag heute in den Köpfen und Herzen vieler junger Menschen vorgehen, die sich angesichts des Fitness- und Schönheitswahns als „außerhalb der Norm“ betrachten müssen? Und tatschlich befindet sich ja die überwiegende Mehrheit außerhalb dieser „Norm“!

- Was dann folgt ist Angst – so sagt es der Mann im Evangelium: aus Angst habe er das eine Talent dann doch vergraben! Angst, das hat mit Enge zu tun und Kleinglauben, mangelndem Vertrauen. Und das wird ihm vorgeworfen: Er hat sein Leben nicht riskiert, sein Leben nicht gelebt!

Aus lauter Angst und im Vergleich mit anderen das eigene Leben gar nicht erst recht beginnen wollen: gar nicht ausloten, wozu die eine Begabung – das eine Talent! – denn fähig wäre. Die Tragödie des Mannes besteht darin, dass er seinen Wert aus dem Vergleich mit andere zieht – anstatt sich auf seinen Herrn zu beziehen, der ihn mit diesem Talent ausgestattet hat: Dieser Herr hat doch ein Interesse daran, dass seine Investition Früchte trägt. Und so wählt er gut aus – und er kennt die Stärken jedes Einzelnen! Wenn wir überall so gefördert würden – das wäre doch paradiesisch!

Hinter dem Gutsherrn im Evangelium steht natürlich Gott: Und Er ruft mir durch Jesus zu, nicht das Leben anderer zu führen – wenn ich mir in der Phantasie ausmale, was sie alles könnten und tun würden – sondern dass es meine Aufgabe ist, mein Leben zu leben, mit all den Chancen und Möglichkeiten die darin verborgen sind. Der Vergleich: er wird mich immer wieder dahin bringen, die Ruhe aus meinem Leben zu vertreiben. Und damit tue ich mir selbst das größte Unrecht an: wenn ich mich nach dem Maßstab anderer messe und dann dem Himmel, Gott, vorwerfe, dass ER mich nicht so geschaffen hat, wie die anderen.

Und das ist dann wahrhaft Sünde, Absonderung von Gott, denn: ich bin aus gutem Grunde aus dieser Welt! Ich habe einen Auftrag, eine Sendung, und dafür habe ich alles, was es braucht, dafür bin ich gut ausgestattet. Mein Leben nicht zu leben, nicht leben zu wollen, mich aus Angst zu verstecken, hat eben nicht nur Auswirkungen auf mich selbst, sondern eben auch auf die Welt. Kürzlich haben wir wieder an Allerheiligen die gefeiert, die die Welt „aus den Angeln gehoben“ haben, indem sie die Gaben und Talente lebten, mit denen sie ausgestattet waren. Immer auch zum Segen anderer. Darm geht es auch am Welttag der Armen – um mehr, als nur wirtschaftlich-finanziellen Ausgleich (auch wenn das schon viel wäre!). Es geht gerade auch darum, anderen dazu zu verhelfen, dass sie das werden können, was ihrer Sendung entspricht, ihrem Auftrag.

Wenn wir hier in Hattenheim heute auf unsere Friedhöfe gehen, gehört dieser Gedanke eben auch hinein: dass wir darum bitten, dass sie ihre Sendung leben konnten, ihre Talente mit Gewinn dem Herrn zurückgeben – und dass wir mit ihnen darum bitten, wo dies nicht geschehen ist, geschehen konnte – aus welchen Gründen auch immer.

Wage dein Leben – jetzt. Das ist Frohe Botschaft. Amen.

 

Fürbitten

Unser Herr Jesus Christus, der jeden Menschen dazu ermutigt, die eigenen Gaben für das Reich Gottes einzusetzen, wollen wir bitten:

- Hilf uns, Deiner Kirche und allen Getauften, dass wir denen eine Stimme verleihen, die im Getriebe dieser Welt oft nicht gehört und gesehen werden.

(Christus, höre uns - Christus, erhöre uns)

- Lass jeden von uns die Talente entdecken, die Du in uns gelegt hast, damit wir so am Aufbau Deines Reiches mitarbeiten.

- Erleuchte die Politiker auch in unserem Land, dass sie ihre Talente und ihre Macht für die einsetzen, die zu den Schwächsten unserer Gesellschaft gehören.

- Lass die Jugendlichen unserer Gemeinde, die in diesen Tagen gefirmt werden, den Weg des Glaubens froh und entschieden gehen und so ein Segen für die Welt werden.

- Lass unsere Verstorbenen erfahren, dass sie teilnehmen dürfen an Deiner Freude, an der Freude ihres Herrn.

Denn Du bist ein Gott, der Leben gibt. Dir sei Dank, der Du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

 

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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