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Blindenheilung – oder: Vom Wunsch, richtig zu leben

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 30. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Blindenheilung – oder: Vom Wunsch, richtig zu leben
Blindenheilung – oder: Vom Wunsch, richtig zu leben
Justiziar soll blind sein. Maulwürfe sind das genauso sprichwörtlich. Aber auch viele Andere können (fast) blind durchs Leben gehen. © Dirk (Beeki®) Schumacher auf pixabay.com

Die Texte zum 29. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Jer 31, 7–9 und Hebr 5, 1–6) und des Evangeliums (Mk 10, 46b–52) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

dieses Evangelium spricht mich immer wieder sehr an: Es zeigt mir, wofür Christus gekommen ist und was die Aufgabe von Kirche und Christen in dieser Welt sein sollte.

Jesus sendet die Jünger aus: Sie sollen verkünden und heilen. Die Botschaft Jesu bringt es mit sich, dass die Menschen nicht nur „etwas“ hören, sondern etwas ganz Entscheidendes. Ein Wort, das sie heil werden lässt – also so, wie sie sein könnten, wie es ihnen entsprechen würde.

Bartimäus ist blind. Er kann nicht sehen. Seine Wahrnehmung ist eingeschränkt. Dazu passt es, dass er am Wegesrand sitzt. Wahrscheinlich „sein“ Platz. Dort war er anzutreffen – so, wie auch heute in unseren Großstädten Bettler oft an „ihrem“ Platz sitzen. Sie haben wenig bis nichts, doch diesen Platz zumindest nehmen sie ein. Dort werden sie gesehen oder meist übersehen. Und sie selber haben sich damit irgendwie arrangiert …

Bartimäus nun hört von Jesus, mehr noch, er hört, dass Jesus vorbeikommt. Und er schreit! Er ergreift eine Chance. Wer hätte das gedacht? Die Menschenmenge wohl nicht! Warum schreit der Kerl jetzt bloß – sonst ist er doch auch still!

Was mich hier zunächst anspricht ist, dass Menschen in der Nähe Jesu ihre Sehnsucht nach Leben, nach Heil-Sein neu entdecken. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass da wirklich Gottes Gegenwart gespürt wird: Es kann in einem Gottesdienst sein; oder durch ein Wort der Heiligen Schrift, das mich plötzlich und unerwartet trifft; eine Begegnung, das Dasein an einem besonderen Ort, die mich plötzlich anrühren, aufschließen. Irgendwie weiß ich gar nicht, was da passiert – aber es passiert etwas: Meine Sehnsucht nach Leben meldet sich. So wie bei Bartimäus. Er ruft Jesus mit dem Titel „Sohn Davids“ an und das meinte: Du bist nicht nur ein König, den wir erwarten, ein Messias, sondern einer, der sich der Menschen erbarmt, der Mitleid hat, der uns sieht – gerade die, die man sonst so leicht übersieht!

Wo Menschen mit Christus in Berührung kommen, wird genau das spürbar. Und dadurch kommt etwas in Bewegung:

- Bartimäus wird von Jesus wahrgenommen und kommt zu Ihm. Was dann geschieht ist der zweite Grund, warum mich dieses Evangelium immer wieder anspricht: Jesus handelt nicht einfach an ihm, denn schließlich ist es doch offensichtlich, was ihm fehlt. Nein, Jesus ermutigt Bartimäus dazu, selbst zu benennen, was er möchte, worin seine Not besteht, wovon er geheilt werden möchte. „Ich möchte wieder sehen können!“ – dieser tiefe Wunsch bricht in ihm hervor. Alle Blockaden, die das vorher verhinderten, sind beseitigt: Er sitzt nicht mehr irgendwo „unten“, am Boden und wird übersehen bzw. nur als der „blinde Bettler“ wahrgenommen; er wird gehört und so kann er wieder das zu Gehör bringen, was ihn selbst beschäftigt. Die Gegenwart Jesu bringt diese Kräfte, die tief in uns ruhen, zum Vorschein. „Dein Glaube hat dich gerettet“, sagt Jesus zu ihm – dein Glaube daran, dass wahr werden kann, was du tief in dir spürst, was tief in dir nach Leben schreit! Wie oft liegt das unter den Ängsten und Zwängen, mit denen viele Menschen ihr Leben verbringen, verborgen?
Bartimäus kann nun sehen: Das Leben, wie es ist. Der Evangelist Markus erzählt, dass Bartimäus Jesus anschließend auf Seinem Weg folgt. Das heißt, dass man ihn in der frühen Christengemeinde kannte, dass er von seiner Heilung erzählte: Davon, wie sich sein Leben veränderte, wie er wieder oder erstmals das Leben so sehen konnte, wie es ist und genau darin Gottes Nähe und Gegenwart erfuhr.

- Das ist nun das Dritte, was mich an diesem Text immer wieder neu anspricht: Die Hoffnung, dass wir als Kirche, als konkrete Gemeinde Christus so erfahrbar machen, dass andere Menschen Seine Nähe spüren; dass sie in Kontakt kommen mit ihrer Sehnsucht nach Leben, mit ihrem Wunsch, endlich sie selber zu sein; dass sie „geheilt“ werden, dass sie also die werden können, die sie wirklich sind, ihr Leben leben können.

Für mich ist das keine Utopie – ich habe es erfahren, auch an mir selbst. Und das ist für mich Kirche, Gemeinde. So eine Kirche und so eine Gemeinde haben Zukunft, weil Jesus selber mit ihnen, mit uns geht.

Amen.

Unseren Herrn Jesus Christus, der allen Menschen das Licht des Glaubens schenken möchte, wollen wir bitten:

  • Schenke Deiner Kirche und unserer Gemeinde die Bereitschaft, Deine befreiende Gegenwart den Menschen unserer Tage so zu bezeugen, dass gerade die heil werden können, die schwer an der Last des Lebens tragen.
    (Du Licht der Welt – wir bitten Dich, erhöre uns)
  • Am heutigen Weltmissionssonntag bitten wir Dich für unsere Geschwister im Senegal: Lass sie aus der Frohen Botschaft Kraft für ihr Leben schöpfen und lass sie an einem friedlichen Miteinander von Christen und Muslimen ihn ihrem Land mitwirken.
  • Erfülle uns mit Dankbarkeit für die Erntegaben und lass uns alle daran mitwirken, Deine gute Schöpfung als Haus aller Geschöpfe zu hüten und zu schützen.
  • Für uns selbst: dass wir selbst durch die Begegnung mit Dir immer mehr die werden, die wir wirklich sind.
  • Führe unsere Verstorbenen in das Licht, in dem Du wohnst.

Denn du bist der, der uns dem Weg zum Vater zeigt, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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