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40 Tage – oder: die Vorbereitungszeit auf Neues

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zu Christi Himmelfahrt 2021 (Lesejahr B)
40 Tage – oder: die Vorbereitungszeit auf Neues
40 Tage – oder: die Vorbereitungszeit auf Neues
Sie hat schon fast geschafft was den Teilnehmern des Giro d´Italias noch bevorsteht: Scheinbar unüberwindbare Hindernisse zu erklimmen. Ohne gute Vorbereitung geht da gar nichts… auf was müssen wir uns vorbereiten bzw. was steht nun Neues an? © Simon auf pixabay.com

Die Texte zu Christi Himmelfahrt wie der Lesungen (Apg 1, 1–11 und Eph 1, 17–23 oder Eph 4, 1–13) und des Evangeliums (Mk 16, 15–20) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

Kinder können ja ganz unbefangen fragen. Mit „Himmelfahrt“ können sie sich vorstellen, dass Jesus bei Gott ist – was wiederum die Frage aufwirft, ob Er das vorher nicht auch war?! Viel komplizierter aber: Wann hat sie denn stattgefunden, die Himmelfahrt? An Ostern oder 40 Tage danach? Wenn die Heilige Schrift nicht lügt, sollte sie doch klar sein!

Auch für Erwachsene ist es oft schwierig zu verstehen, dass die Bibel nicht an bestimmten Detailfragen interessiert ist, ob und wie welches Wort wann gesprochen wurde, denn es geht um etwas Wesentlicheres (was frühere Jahrhunderte bei der Bibelauslegung übrigens wussten). Für die Himmelfahrt heißt das: Es geht nicht um das exakte Datum. Es geht um die Zahl „40“ oder besser darum, was sie als Symbol ausdrückt.

Um es gleich zu sagen: Sie drückt die Zeit der Vorbereitung auf etwas Neues aus! 40 Tage dauerte die Sintflut; 40 Tage verbrachte Mose auf dem Berg Sinai; 40 Jahre waren die Israeliten in der Wüste, bis sie in das verheißene Land durften; 40 Tage war Jesus nach Seiner Taufe in der Wüste – überall ging es darum, dass etwas Neues, etwas Entscheidendes geschehen konnte. Dafür braucht es Zeit. Das wissen wir selbst doch alle gut genug!

- Sind wir nicht auch als Kirche, gerade in unserem Land, in einer Zeit der Vorbereitung auf etwas Neues? Und damit auch in einer Zeit des Abschieds? Vor 40 Jahren begann es, das einzelne Pfarreien keinen eigenen Priester mehr bekamen und in der Folge mit anderen Pfarreien zusammengelegt wurden. Das Ende der Volkskirche kündete sich an. Anfangs schien das nur so daher gesagt – doch mehr und mehr wurde es sichtbar. Als ich in den Rheingau kam, wurde die Frage, ob die vier Pfarreien des ehemaligen Pastoralen Raumes Eltville zu einer Pfarrei zusammengeführt werden sollten, noch vehement abgelehnt, auch von der Bistumsleitung. Jetzt sind wir fusioniert, gemeinsam mit acht weiteren Pfarreien. Veränderungen überall, Krisen, Skandale, Missbräuche. Manchmal denke ich für mich „Rette sich wer kann!“. Seit den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts – während ich begann, Theologie zu studieren – wurden immer wieder neue pastorale Strategien erdacht und ausprobiert; neue Begriffe oder Personen wurden als Heilsbringer angepriesen bis hin zum jetzigen Prozess der „Kirchenentwicklung“. Wir „machen“ Kirche?

- „Wartet auf die Verheißung des Vaters – ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden“ (vgl. Apg 1,5), hörten wir eben in der Lesung. Und wir werden diese Kraft erhalten, um Zeugen und Zeuginnen zu sein. Jesus spricht von „meinen“ Zeugen. Vom Zeugnisgeben Seiner Gegenwart, Seiner Botschaft. Dieses Zeugnis wird im ganz gewöhnlichen Alltag gegeben: Wo Eltern mit ihren Kindern beten; wo Paare in Schwierigkeiten das Gespräch suchen und dem Handeln Gottes an ihnen Raum geben; wo Männer und Frauen am Arbeitsplatz mit dem Blick Jesu auf ihre Mitmenschen schauen und darauf vertrauen, dass Gottes Geist ihnen die richtigen Worte zur richtigen Zeit eingibt.

- Darum geht es dem Herrn und Er sagt es uns im Evangelium wieder: Geht hinaus in die ganze Welt. 40 Jahre, die Zeit der Vorbereitung dazu, neigen sich nun dem Ende. Unsere Kirche und ihre Strukturen sind so zusammengeschrumpft, dass wir auch beim besten Willen daran nicht mehr festhalten können, geschweige denn zurückkehren können in eine „gute alte Zeit“. Sie war für viele gut, sie bot Heimat, Geborgenheit, gehörte zum alltäglichen Leben – und sie ist nun nicht mehr. Haben wir Mut, die Zeit der Trauer nun zu beenden, die Trauerkleidung abzulegen. Wir sind doch Seine Kirche und ER hat Großes mit uns vor. „Ihr Männer und Frauen von Galiläa“ – schaut nicht nach oben, schaut nicht etwas Entschwundenem nach – schaut hin: ER kommt euch entgegen, hier. ER kommt, immer wieder, wenn wir bereit sind, die Augen für Seine Gegenwart zu öffnen. ER lebt und wir dürfen es bezeugen. Wir sind ganz nahe dran an dem, was die Jünger Jesu damals erlebten, als die Kirche erblühte.

Amen.

Unseren Herrn Jesus Christus, der zum Vater heimgekehrt, immer bei uns ist und für uns eintritt, bitten wir:

  • Lass uns als Deine Kirche davon Zeugnis geben, dass Dir alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist und dass Du den Lebensweg eines jeden begleiten möchtest.
    (Christus, höre uns – Christus, er höre uns)
  • Wir bitten dich für unsere Kinder und Jugendlichen: Lass sie auch durch ihre Eltern Deine Nähe und Freundschaft erfahren, so dass auch sie es wagen, ihre Zukunft mit Dir zu gestalten.
  • Lass Christen aller Konfessionen im Blick auf Dich zusammenfinden und so der Welt ein Zeichen der Einheit in Verschiedenheit sein.
  • Für die, die uns um das Gebet gebeten haben: Sei ihnen nahe und schenke ihnen die Gewissheit, dass Du sie begleitest und führst.
  • Für unsere Verstorbenen: Schenke ihnen die Fülle des Lebens, das Du uns allen verheißen hast.

So bitten wir Dich, der Du mit dem Vater und dem Geist lebst und wirkst in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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