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"Spaltung bringen - oder: Den wahren Frieden fördern"

Predigt von Pfr. Nandkisore am 20. Sonntag im Jahreskreis 2019 (18. August)
"Spaltung bringen - oder: Den wahren Frieden fördern"
"Spaltung bringen - oder: Den wahren Frieden fördern"
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

ich behaupte: Ja! Das denken wir: Dass Jesus gekommen ist, um Frieden zu bringen. Keine Spaltung. Dafür setzen sich Menschen in Seiner Nachfolge ein. Darum sind sie bemüht. Daher muss uns dieser Satz Jesu aus dem Evangelium beunruhigen, ER sei gekommen, um Spaltung zu bringen, nicht Frieden!

Fragen wir uns daher: Wo steht dieser Satz? Was will Jesus? Was kann das für uns bedeuten?

- Wo steht dieser Satz? Im Lukasevangelium, aus dem wir hörten, ist das nicht einfach zu sehen, denn Lukas stellt verschiedene Aussagen Jesu in diesem Abschnitt einfach hintereinander. Klarer wird es bei der Parallele im Matthäusevangelium (vgl. Kap. 10): Da geht es nach der Wahl der 12 Jünger um ihre Aussendung und den Mut zu furchtlosem Bekenntnis. Denn: Es wird Widerstand geben, davon müssen sie gleich zu Anfang wissen. Dieser Widerstand der Menschen hat mit Jesus zu tun, da ER – und hier ist die Parallele zu Lukas – nicht gekommen sei, um Frieden zu bringen, sondern „das Schwert“. Das Schwert, das entzweit, das spaltet. Wer sich auf die Jüngerschaft Jesu einlassen will – damals wie heute – muss das wissen!

- Damit sind wir beim Zweiten: Was will Jesus, worum geht es Ihm? Das Evangelium sagt es uns: Es geht Ihm um Heil, um Rettung. So wurde ER vom Engel angekündigt: Der Heiland! Er möchte Menschen aufrichten, Er spiegelt ihnen ihre je einmalige Würde, die Unmittelbarkeit zum Vater: „Vater unser“ lehrt ER sie beten. Er löst aus Fesseln der Sünde, der Absonderung; Er überwindet Grenzen und Mauern, die Menschen errichtet haben, um sich voneinander abzugrenzen. Er lebt vor, dass das der „Friede Gottes“ ist, Shalom. Er betont den Dienstcharakter des Leitens. Kurzum: Er ruft auf zur Treue und zum Vertrauen gegenüber Gott – beides spiegelt sich im täglichen Verhalten, ja im persönlichen Denken wider. Und damit bringt Jesus Unfrieden! Er ist der Unruhestifter, der Verführer und Aufwiegler. Er legt den Finger auf die Wunde der faulen Kompromisse. Er klagt an, wo Menschen Gott und Seinen Frieden verraten, um bequem zu leben. ER verweigert den Gruppenzwang des Gehorsams und macht Menschen mündig. ER tritt ein für die sanfte Sprache der Güte Gottes und provoziert entschiedene Gegnerschaft: Spaltung, Entzweiung. Wer Ihm folgt, wird das auch erleben: Die Treue zu Gott spaltet selbst Freundschaften und Familien.

- Was aber kann das für uns bedeuten? Zuerst einmal gilt es, Maß an Jesus zu nehmen. Die Hl. Schrift zu kennen, sie zu lesen – immer wieder neu, sie ist lebendig! Und dann: Im Gebet um das Verständnis ringen, auch im Gespräch untereinander. Schließlich: Den Mund aufmachen, die Hand öffnen, die Füße in Bewegung setzen.

Wer für die Botschaft Jesu brennt – wer den Frieden erlebt hat, den Seine Gegenwart schenkt! – wird Reaktionen erleben, die denen von damals ähneln. Das kann ängstigen! Da gibt es die Haltung, von „der Kirche“, der Hierarchie, den Verantwortlichen etwas zu erwarten. Die müssen’s doch wissen, die haben doch die Macht. Das ist bestimmt wahr. Genauso wahr ist aber auch: Mit mir beginnt die Veränderung! In meinem Umfeld setze ich Zeichen, reagiere ich – an dem Platz, an den ich gestellt bin. Für mich heißt das: Wenn über Fremde pauschal geurteilt wird; wenn Christentum mit Deutschtum verwechselt wird; wenn immer mehr Menschen in Sucht und Abhängigkeit abdriften, dieses Thema im Rheingau aber ein Tabu ist; wenn Kirche und Gemeinde vor allem für das Gefühl der eigenen Beheimatung benutzt wird, sich aber kaum jemand darum kümmert, Jesus im Herzen derer Heimat zu schenken, die Ihn kaum oder gar nicht kennen; wenn die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche voranschreitet und alle wissen, dass das krank macht – wir Christen selbst aber z. B.  den Sonntag opfern und fröhlich einkaufen gehen.

Das Feld ist weit und wir merken, dass Widerspruch nicht nur von außen kommen wird, sondern auch von innen, von Seiten derer, die sich als Gläubige verstehen.

Frohe Botschaft? Der Friede Gottes ist mit dem Kreuz erkauft, das dürfen wir nie vergessen. Die frohe Botschaft liegt für mich darin, dass Jesu als Freund uns ständig begleitet; dass ER nicht nur vor langer Zeit einen Stein ins Rollen brachte, sondern aktiv daran beteiligt ist, ihn in Bewegung zu halten. Um des wahren Friedens willen. Amen.

 

Fürbitten

Jesus Christus ist gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen und wünscht, dass es hell brennen möge. Wir bitten Ihn:

- Wir bitten Dich für Deine Kirche, für unsere Pfarrei und unserer Gemeinden, dass wir noch mutiger den Frieden verkünden und leben, den Du heute in diese Welt bringen willst.

(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)

- Wir bringen Dir unseren Alltag in Partnerschaft, Ehe, Familie, Beruf und Freizeit: Lass uns erkennen, wo Du selbst durch uns sprechen und handeln willst.

- Wir bitten für die Kinder, die in diesen Tagen in die Schule aufgenommen wurden und für die Jugendlichen, die ein Studium, eine Ausbildung oder ein freiwilliges Soziales Jahr beginnen: Lass sie Deine liebende Begleitung erfahren.

- Wir bitten dich für all die, die weltweit wegen ihres Einsatzes für Dich und Deinen Frieden verfolgt und getötet werden, die Nachteile erfahren und ausgegrenzt werden.

- Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen, dass sie nach all den Wirrnissen ihres Lebens in Deiner Ruhe leben dürfen.

Du hörst, wenn wir zu Dir rufen. Dir sei Dank, mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770