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"Fürbitten - oder: Dem Mitgehen Gottes vertrauen"

Predigt von Pfr. Nandkisore am 29. Sonntag im Jahreskreis 2019 (20. Oktober)
"Fürbitten - oder: Dem Mitgehen Gottes vertrauen"
"Fürbitten - oder: Dem Mitgehen Gottes vertrauen"
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

„wird Gott denen, die zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen?“ Allzeit beten, fürbitten – hier sind sicher so manche, die darin Experten sind. Auch solche, die enttäuscht sind, Gott nicht trauen oder zumindest nicht verstehen, warum ER nicht so hilft, wie sie sich das gewünscht hätten. Und deswegen beten wir doch – oder?

Drei Gedanken dazu:

- Kürzlich besuchte ich einen Franziskanerpater in Marienthal. Eine ganze Wand in seinem Zimmer war voller Fotos unterschiedlichster Menschen. Auf meine Nachfrage meinte er, das seien die Menschen, für die er beten würde, die ihn darum  bitten würden, die sich mit ihren Anliegen bei ihm melden. Wenn ich den Pater richtig verstanden habe, dann sind es vor allem Menschen mit einem schweren Schicksal. „Das kostet immer viel Zeit“, meinte er und mir war klar, dass er sich täglich diese Zeit nimmt: Diese ganz unterschiedlichen Menschen in sein Gebet aufnimmt und sie Gott hinhält. Bringt das was? Wer fragt so…? Ich jedenfalls spürte, dass ich da in einem kleinen „Gebetskraftwerk“ stand!  Menschen mit ihren Anliegen und Nöten sind nicht allein, da sucht jemand im Gebet mit ihnen nach einer Lösung, nach Stärkung, nach Hilfe. Ob „wirksam“ oder nicht: Es ist eine urchristliche Haltung! Mich einem anderen anzuvertrauen in einem Anliegen, einer Not – da denkt und betet jemand für mich. Wenn ich das zulasse, kann es mich auch gelassener machen. Das hängt jetzt nicht alles von mir ab, da ist ein anderer eingebunden, sorgt sich, trägt mit. Manches Leid wird ja auch dadurch schwer, weil ich glaube, ganz allein zu sein!

- In diesen Tagen schrieb mit ein junger Mann, den ich aus meiner Zeit bei der Gemeinschaft Cenacolo kenne, eine SMS: „Lieber Don Roberto, bitte bete für mich! Ich habe mich von meiner Freundin getrennt, es ging nicht mehr…“ Als ich ihn kennenlernte, war er dabei, aus seiner Drogenwelt herauszukommen, in einem anderen, neuen Leben Fuß zu fassen. Für viele bei Cenacolo ist es eine Hoffnung, beim Austritt ein neues Leben mit einer Freundin an der Seite zu beginnen. Ihn jetzt täglich im Gebet vor den Herrn zu bringen, mit allem, was ich von ihm weiß. Meine Welt für einen anderen zu öffnen, meine Gedanken, mein Beten, mein Sprechen mit Gott für einen anderen zur Verfügung zu stellen. Das verändert auf jeden Fall auch mich: Was genau erbitte ich? Was passt zu ihm. Was würde ihm – in den Augen Gottes! – gut tun! Geht es um die Wünsche des jungen Mannes, um meine Vorstellungen – oder nicht zuallererst zum Gottes Absicht? Was ist Gottes Absicht? Da kommt ein Prozess in Gang – ein Nach-denken, das auch dazu führen kann, dass ich dem, der mich um das Gebet bittet, auch persönlich mitteile, was mir beim Beten aufgegangen ist, was ich im Hören auf Gott vernommen habe.

- Denn darum geht es letztlich bei der Fürbitte: Dem Mitgehen Gottes zu vertrauen! Darauf zu vertrauen, dass mich Gott nicht verlässt, nicht hängen lässt. Es kann – und das wird es immer wieder – passieren, dass ich Ihn nicht verstehe, gerade wenn es um Leiderfahrungen geht. Ich selbst bin dann meist nicht in der Lage, einen anderen Standpunkt einzunehmen als den desjenigen, der angesichts der Situation leidet und verzweifelt ist. Da braucht es dann einen anderen, der das aushält – und langsam mit mir den Weg dahin geht, dies alles in einem anderen, einem größeren Zusammenhang zu sehen! Die Bitte, die Fürbitte lässt mich im Vertrauen gegenüber Gott wachsen. Das allerdings nur dann, wenn ich Gott nicht missbrauche als den, der meine Wünsche und Sehnsüchte erfüllt. So verständlich das in einem konkreten Fall auch sein mag – im Vaterunser beten wir, dass Sein Wille geschehe im Himmel und auf Erden. Darauf zu vertrauen, dass das, was mir schrecklich erscheint oder im Moment nicht tragbar, doch etwas ist, was zum Heile führt, nennen wir „das Geheimnis unseres Glaubens“: Deinen Tod verkünden wir – deine Auferstehung preisen wir!

Gott ist ein Gott des Lebens – und ER lässt sich dabei nicht durch das Kreuz aufhalten. Auch durch das Kreuz in meinem Leben nicht.

Dies auch durch die Fürbitte einem anderen zu bezeugen und selbst – von anderen im Gebet gehalten – bezeugt zu bekommen, ist ein zutiefst christlicher Dienst.

Amen .

 

Fürbitten

Unser Herr Jesus Christus fordert uns auf, ohne Unterlass zu beten. So bitten wir Ihn:

- Wir danken Dir für die Glaubenszeugen, die uns helfen, auch in leidvollen Situation nicht an Deiner Nähe zu verzweifeln und wir bitten Dich für uns, dass auch wir zu solchen Zeugen werden können.

 (Christus, höre uns - Christus, erhöre uns)

- Für diejenigen, die aus Enttäuschung aufgehört haben zu beten. Lass sie Zeichen Deiner Nähe erfahren und Dir neu vertrauen.

- Wir wissen, wie schön es ist, wenn in Ehe, Familie, Freundschaft und Gemeinde Freude und Leid geteilt werden. Sei besonders denen nahe, die sich einsam und verlassen fühlen.

- Schenke uns ein offenes Gespür für die Not unserer Mitmenschen und Lass sie auch durch unser Gebet und unsere Hände Deine Sorge um sie erfahren.

- Wir vertrauen Dir unsere Verstorbenen an und bitten Dich, dass Du sie in Deiner Gemeinschaft vollendest.

Du lebst mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Dir sei Dank, jetzt und in Ewigkeit. Amen.