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Für wen bin ich da?

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 4. Sonntag der Osterzeit 2021 (Lesejahr B) am Weltgebetstag für geistliche Berufungen
Für wen bin ich da?
Für wen bin ich da?
Der Pastorenweg – ist er eine Sackgasse in die man berufen wird? © Peter Weidemann auf pfarrbriefservice.de
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    Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 4. Sonntag der Osterzeit 2021 (Lesejahr B) am Weltgebetstag für geistliche Berufungen zum Download

Die Texte des 4. Sonntag der Osterzeit wie der Lesungen (Apg 4, 8–12 und 1 Joh 3, 1–2) und des Evangeliums ( Joh 10, 11–18) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Die Predigt ist Teil des Livestreams am 25. April ab 11:15 Uhr. Im Anschluss finden Sie Evangelium und Predigt auch als Ausschnitt auf unserem YouTube Kanal.

Liebe Schwestern und Brüder,

„für wen bin ich da?“ – unter dieser Überschrift steht der heutige Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Wir dürfen uns in unserer Pfarrei freuen, dass am Pfingstsamstag Lucas Weiss aus Mittelheim zum Priester geweiht werden wird (wer ihn näher kennenlernen will, kann dazu in unserem neuen Pfarrbrief Interessantes entdecken!). Geistliche Berufungen – davon gibt es bei uns zu wenige. Andererseits: Immer mehr Priester fragen sich, wozu sie denn gebraucht werden! Wie es Pfarrer Lauer aus unserer Pfarrei ausdrückt: Vom Altar wurden sie zum Schreibtisch verschoben, vom Vorsteher der Eucharistie zum Vorstand eines mittelständischen Unternehmens.

„Für wen bin ich da?“ Papst Franziskus stellt in seiner Botschaft zum heutigen Gebetstag den Hl. Josef ins Zentrum der Betrachtung und er charakterisiert ihn mit drei Wesensmerkmalen oder Schlüsselworten. Ich möchte ihm darin folgen und wir werden sehen: was für geistliche Berufungen im engeren Sinne gelten soll, gilt letztlich für jede christliche Berufung.

Ein erstes Schlüsselwort für Berufung ist „Liebe“. Das bedeutet: Nicht „wofür“ brenne ich, sondern „für wen“! Kurz und knapp meint Papst Franziskus: Es ist die Liebe, die dem Leben Sinn gibt! (Lesen Sie auch die ganze Botschaft) Liebe ist immer personal: Ich liebe ein „Du“, nicht „etwas“! „Für wen bin ich da?“ – ich liebe und werde geliebt, dieses Wissen macht einen Menschen stark, mutig, lässt ihn Dinge wagen, die er sich sonst nicht zutrauen würde. Bei der geistlichen Berufung geht es um die Liebe zu Gott – hat ein solches Sprechen in unserem „aufgeklärten Denken“ überhaupt noch Platz? Ist Gott in unserem alltäglichen Zeugnis noch ein solches „Du“? Unsere Gemeinden, unsere Familien tun sich schwer damit, dies unseren Kindern und Jugendlichen zu vermitteln Aber wie sollen sie dann spüren, dass die Sehnsucht in ihnen ein Weckruf der Liebe ist?

Das zweite Schlüsselwort der geistlichen Berufung ist der „Dienst“. Das meint nicht einfach etwas, wofür ich mich interessiere. Das ist zu wenig – das reicht mir nicht! Da muss mehr hinzukommen!  Es geht letztlich darum, wofür ich mein Leben einsetzen will: „Für wen bin ich da?“ Gerade junge Menschen beschäftigen sich doch mit dieser Frage – und wollen deshalb so vieles anders machen als die Alten! In der geistlichen Berufung geht es immer auch um die Sendung, die Weise, wie meine Berufung gestaltet wird. Professor Dieter Böhler aus St. Georgen – auch er kommt in unserem Pfarrbrief zu Wort! – meint dazu, dass diejenigen, die sich von Gott senden lassen, zuerst bei Ihm sein müssen, um sich dann senden zu lassen. Es braucht auch Menschen, die uns ermöglichen, bei Gott zu sein. Priester feiern für die Gemeinde die Eucharistie feiern und ermöglichen so genau das: dass Menschen bei Gott sein können.
Der Dienst ist eine Frucht der Liebe, der Freundschaft zu Jesus. Wie wichtig ist es, dass gerade junge (aber nicht nur sie!) Menschen in unseren Gemeinden eine Atmosphäre vorfinden, die ihnen das möglich macht: Bei Gott zu sein, um sich senden zu lassen. Wie sieht dann dieser Dienst aus? Bei jedem anders, aber immer im Sinne Jesu, unter Seinem Blick: Als Freund, als Freundin Jesu kann mir nicht egal sein, was Ihm wichtig ist. Was ist Jesus wichtig? Hier bei uns, konkret? Haben wir davon eine Ahnung, vielleicht eine Gewissheit? Und: können wir damit Menschen in ihrer geistlichen Berufung Nahrung geben? Meiner Meinung nach müsste das das Hauptaugenmerk der Pastoral einer Pfarrei sein!

Das dritte Schlüsselwort ist die „Treue“. Papst Franziskus verbindet sie mit dem Wort „gerecht“: Wenn ein Mensch das findet, wofür er da ist, gemacht ist, ist er „gerecht“, ist er, ist sie genau so, wie sie sein sollen! Was kann ich mir anderes, Erfüllenderes wünschen!? Und dann ist es so wie überall: Der Alltag mit seinen Mühen muss bestanden werden, mit seinen Anfechtungen und Enttäuschungen. Wenn ich weiß, für wen ich da bin, dann können so Durststrecken überwunden werden. Auch bei mir war das so, wie wohl in vielen Ehen: Zeiten der Herausforderung und Veränderung, die die ursprüngliche Freude nicht mehr haben spüren lassen. Dann erst einmal „treu“ sein, darauf vertrauen, dass Der, der mit uns, mit jedem Berufenen etwas vorhat, weiß, was Er mir, was Er uns zumutet.
Ich bin mir sicher, dass i einem solchen Umfeld, in dem jeder von uns seine und ihre von Gott gegebene geistliche Berufung lebt, die wir in Taufe und Firmung empfangen haben, auch solche besonderen Berufung zum Priester oder Ordensleben keimen und wachsen können.

„Für wen bin ich da? – Für wen sind wir da?“ Ist es nicht Die entscheidende Frage?

Amen.

Herr Jesus Christus, Du bist der Gute Hirte, der für uns da ist. Dich bitten wir:

  • Für diejenigen, die Du als Priester berufen hast und die den Menschen dienen und die Gemeinden leiten: Stärke sie in ihrem Dienst, besonders dann, wenn sie Anfechtungen ertragen müssen. (Christus, höre uns – Christus erhöre uns)
  • Wir bitten dich für unsere jungen Menschen, die darüber nachdenken, wofür sie ihr Leben einsetzen möchten und wozu sie berufen sind: Lass sie Dich als den erfahren, dem sie ihr Leben anvertrauen können.
  • Wir bitten Dich für Lucas Weiss und alle, die sich für ein Leben in Deiner Nachfolge entscheiden möchten: Lass sie nicht nur Deine Nähe erfahren, sondern auch spüren, dass sie von uns im Gebet getragen und begleitet werden.
  • Wir bitten Dich für unsere Kinder und Jugendlichen, die sich in diesem herausfordernden Jahr auf die Erstkommunion oder Firmung vorbereiten: Schenke ihnen Erfahrungen, die ihnen zeigen, dass Du jemand bist, der sie kennt und begleitet.
  • Wir bitten Dich für alle Kranken und Leidenden: Lass sie durch die Hände derer, die sie pflegen und begleiten, erkennen, dass Du selbst an ihrem Leben Anteil nimmst.
  • Nimm unsere Verstorbenen bei Dir auf: Wir bitten Dich heute besonders für die, die uns Vorbilder im Glauben waren und uns Deine Nähe vermitteln konnten.

Dir, dem Guten Hirten, danken wir, der Du uns zum Vater führst, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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