11.05.2026

Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!

Abschiedspredigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore am 6. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A)

Liebe Schwestern und Brüder,

„heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!“ (1 Petr 3,15) – wenn es etwas gibt, was einem Priester in seinem Dienst wichtig ist, dann doch wohl dies: Dass Menschen, die ihm anvertraut sind, entdecken, wer in ihren Herzen wohnt: Christus!

Das Herz: Schon für die frühen Kirchenväter und erst recht für die Heilige Schrift war und ist das Herz nicht einfach ein Ort der Gefühle. Im Herz treffen sich Materie und Geist, hier öffnet sich der Mensch in seinen Gedanken und Gefühlen, seinem Willen und seinen Entscheidungen für eine andere Dimension: für DEN, der in unseren Herzen wohnen will; für DEN, der als Mensch den Kanal für den Vater geöffnet hat. „Haltet IHN heilig wie einen Schatz!“

Und wenn ich einen solchen Schatz gefunden habe, wenn ich gläubig bin, wenn dieser Schatz Gott selbst ist, dann drängt der von selbst nach draußen, dann will ER sich immer weiter mitteilen. Zeugnis geben ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens.

- Das geschieht zuerst einmal und ganz einfach durch unser Leben selbst. Davon spricht Petrus in seinem Brief, von dem wir hörten. Aber darin ist auch davon die Rede, wie sehr Christen leiden, weil sie das sind, was sie sind: Zeuginnen und Zeugen für Christus, für die Wahrheit. Sie reden nicht viel, sie leben authentisch und wenn sie leiden, dann zahlen sie es anderen dennoch nicht heim. Ein solches Leben war in der Antike ein solch radikales Zeichen, dass andere überzeugte und zu Christus zog: ein Glaube, der ein solches Leben ermöglicht, muss wahr sein! Und wenn er dann auch noch Freude ausstrahlt, wirkliche und echte Lebensfreude – dann ist er anziehend. Nicht nur in der Antike, sondern ebenso und gerade auch heute!

Wenn ich etwas bedaure, dann dies: immer wieder hinter diesem Anspruch zurückgeblieben zu sein. Und dafür bitte ich ausdrücklich die, die sich davon angesprochen fühlen, um Verzeihung – unabhängig davon, was der wahre oder vermeintliche Grund für mein Handeln oder Nichthandeln war. Gleichzeitig danke ich all denen, die mich durch ihr Lebenszeugnis immer wieder beeindruckt haben, die mich selbst trugen, als ich selbst zu schwach war. Von diesen Menschen haben wir Gott sei Dank eine ganze Menge unter uns. Danke! Und: Auch ich lasse los und vergebe, wo dies noch nötig ist!

- „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen“, sagt Petrus auch. Es braucht eben auch das „Zeugnis des Mundes“. Diese Aufforderung, dieser Anspruch ist das Fundament der Theologie. Unser Glaube zeigt sich gerade dann als vernünftig und wahr, wenn er Antworten auf immer neue Fragen geben kann – selbst wenn diese Antworten gelegentlich auch unbequem sind. Das Maß ist die in Christus offenbarte und erkannte Wahrheit – nicht meine, nicht unsere Meinung. Dabei auch mit Rom, mit dem „Fels“ verbunden zu sein, macht unsere Identität aus, selbst wenn wir meinen, uns hier im Rheingau um unsere Angelegenheiten kümmern zu müssen. Es geht hier nicht um Macht! Es geht um die Autorität Christi. Dabei sagt Petrus: „Antwortet bescheiden und ehrfürchtig!“ Nicht überheblich, aber auch nicht unterwürfig und alles relativierend, sondern mit Ehrfurcht: im Wissen darum, dass wir Christus nahebringen wollen, dass IHM die Möglichkeit gegeben wird, sich im Herzen des anderen zu regen – einem Herzen, dem ER schon längst innewohnt!

Wenn uns das immer mehr und besser gelingt, dann müssen wir uns nicht sorgen um unsere Kirche, denn dann ist es Seine Sorge! Und wenn uns eine Krise, wie wir sie in diesen vergangenen Monaten ja auch erlebt haben, die kaum einen unberührt gelassen hat, dahin führt, uns genau hier zu verbessern, achtsamer und ehrfürchtiger miteinander umzugehen, dann können wir ehrlich sagen: Es war nicht gut – aber es ist letztlich gut gewesen, denn wir haben gelernt, mehr auf Christus zu schauen!

- „Seid bereit, von der Hoffnung zu erzählen, die euch erfüllt“, präzisiert Petrus. Eine Hoffnung, die dann auch trägt, wenn nichts anders mehr trägt. „Pilger der Hoffnung“, auf Hoffnung hin, waren wir alle letztes Jahr. Für mich sind solche glaubwürdigen Pilger gerade unsere Geschwister in Indien mit Bischof Moses. Ich bitte Sie alle von Herzen: bleiben Sie ihnen verbunden. Sie sind für mich genauso wie die ehemaligen Drogenabhängigen vom Cenacolo Zeugen dafür, dass die Hoffnung in Christus nie enttäuscht. Solche Zeugnisse tragen auch mich, gerade in dunklen Zeiten, die auch ich kenne – und dafür danke ich.

Liebe Schwestern und Brüder, heiligt in Euren Herzen Christus, den Herrn. Das ist mein Wunsch an Euch und Sie alle. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du bist das Wort, das uns zum Leben befreit. Wir bitten Dich:

  • Hilf Deiner Kirche weltweit, in unserem Land, unserem Bistum und unserer Pfarrei, dass wir Dich mutiger bekennen, Rede und Antwort stehen und auf die Kraft des Geistes vertrauen, der in uns wohnt und durch uns wirkt.
    (Gesungener Ruf!)
  • Wir bitten Dich für unsere Pfarrei und für Pfarrer Nandkisore, der uns verlässt: Hilf uns im Blick auf Dich vertrauensvoll den Weg zu beschreiten, den Du mit uns gehen willst, und lass ihn an neuer Stelle weiterhin segensreich wirken.
  • Wir bitten Dich für alle, die Abschied nehmen müssen von einem geliebten Menschen, von einem Lebensabschnitt, von einer beruflichen Beschäftigung: Hilf ihnen, Dir und Deiner Führung zu vertrauen.
  • Wir bitten Dich besonders für die Glaubensgeschwister, die uns in besonderer Weise Zeugen der Hoffnung sind und vertrauen Dir heute besonders Bischof Moses und unsere Partnerdiözese Nellore an.
  • Nimm unsere Verstorbenen auf in die ewigen Wohnungen, die Du uns allen bereiten willst.

Du zeigst uns den Weg zum Leben, das Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore

Pfarrer

Die verschiedenen Texte am 6. Sonntag der Osterzeit des Lesejahres A finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron und beim Evangelium in leichter Sprache.

Letzte Predigt an dieser Stelle

Pfr. Nandkisore wird im Mai unsere Pfarrei verlassen und im Juni seinen neuen Dienst in Frankfurt antreten. Damit ist diese Predigt hier vermutlich die letzte von ihm, die auf unserer Pfarreiseite veröffentlicht wird. Wie, ob und wo die Predigten zukünftig veröffentlicht werden, steht noch nicht fest. Sie können sich aber gerne an Pfr. Nandkisore wenden, wenn Sie gerne informiert werden möchten. Aktuell können Sie dafür noch die alt-bekannte Mailadresse verwenden, ab Juni empfiehlt sich die Verwendung von r.nandkisore@bistumlimburg.de.

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