04.04.2026

Ostern – wenn alles anders wird

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore in der Osternacht 2026 (Lesejahr A)

Liebe Schwestern und Brüder,

was muss sich der Engel über diesen Auftrag gefreut haben: am Ostermorgen eine so unglaubliche und frohe Botschaft verkünden zu dürfen! Es geht los mit einem Erdbeben. Ohne ein inneres Durcheinander-geschüttelt-Werden, ein Aufreißen des inneren Ackerbodens wird der Same dessen, was da verkündet wird, nicht im Herzen des Menschen keimen können: dass der Herr nicht tot ist, sondern lebt! Und der Engel fügt an, dass ER die Jünger bald sehen will und deswegen: schnell, sagt es ihnen, geht!

Im Matthäusevangelium, das uns davon erzählt, wird auch berichtet, dass sich der Engel bei dieser Botschaft setzt: auf den Stein, der vorher das Grab verschloss! Was vorher ein Ende markierte, wird auf einmal zur Kanzel für eine völlig neue und unerhörte Botschaft: die Botschaft des Lebens.

- Und dann, als ob Ihm himmlische Regieanweisungen egal wären, tritt Jesus als Auferstandener selbst auf – irgendwie zu früh, wollte Er sich doch erst in Galiläa zeigen! – und wiederholt die Botschaft. Traute Er dem Engel nicht?

Das wird es sicher nicht gewesen sein! Ich vermute: ER war selbst so voller Vorfreude, dass Er – sehr menschlich gesprochen – einfach nicht warten konnte, nicht warten wollte. ER musste sich einfach zeigen, ER wollte sich zumindest den Frauen jetzt schon zeigen, wollte ihre Botschaft an die Jünger bekräftigen. Schließlich kannte Er Seine Jünger gut, ihre Skepsis, ihre Zweifel. Bei der Auferstehungsbotschaft geht Gott auf Nummer sicher, zumal die Frauen ja auch so mutig waren und mit ihren ganzen Salbtöpfen gekommen waren, um Ihn, den vermeintlich Toten, noch zu salben.

- Den Jüngern will Er nicht in Jerusalem erscheinen, sondern in Galiläa, dort, wo ihre Freundschaft ihren Anfang genommen hatte, wo sie in die Frohe Botschaft hineinlebten und es so einfach schien, sich auf Jesus einzulassen, Ihm zu vertrauen, Ihm nachzufolgen.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn Menschen ihren Glauben verlieren, ihren „Karfreitag“ erleben, ist das meist nicht wie ein Erdbeben, das geschieht eher schleichend und sie erkennen irgendwann: ich glaube nicht mehr. Da hat sich etwas in ihnen verabschiedet und – im Bild des Evangeliums – ein innerer Vorhang zu einem Heiligtum ist zerrissen und der Blick auf einen leeren Raum wird frei. Anders ist es, wenn Menschen ihren Glauben wiederfinden oder erstmals finden: Das ist wirklich wie ein Erdbeben, da geraten so viele Überzeugungen und Routinen ins Schwanken! Das, was vorher ein Zeichen für Tod und Ende war, dient plötzlich als Kanzel zur Verkündigung eines neuen Lebens: Da wird eine Lebenskrise, die vorher eher ein Argument gegen Gott war, zum Eingangstor für eine neue Sicht auf die Dinge, auf das Leben und auf Gott. Die angebliche Schwäche Gottes, Sein vermeintliches Unvermögen, das Chaos dieser Welt zu ordnen, wird plötzlich in einem ganz anderen und neuen Licht gesehen! Was am sechsten Tag der Woche, dem Karfreitag geschah – und Karfreitage gab und gibt es nach diesem einen viele! – wird tatsächlich zu etwas, zu dem Gott und Mensch wie in der Schöpfungswoche am Ende des sechsten Tages sagen können: und siehe, es war sehr gut!

Die Evangelisten Matthäus und Markus betonen, dass Jesus den Jüngern ein Wiedersehen in Galiläa verspricht – und es dort auch geschieht. Galiläa, das ist die Gegend, auf die die Frommen abschätzig herunterschauen. Dort, wo auch Heiden leben, wo es im Alltag nicht immer einfach nur um „richtig“ oder „falsch“ geht. Wie oft erlebte ich Pilgerfahrten nach Rom oder ins Heilige Land: Wie war es dort schön und irgendwie „einfach“, den Glauben zu leben, zu beten, zu vertrauen, über den Glauben zu sprechen, Gott zu loben. Und dann wieder zu Hause? Das Gebet versandet, der Rosenkranz bleibt in der Tasche und die neue Bibel wird doch nicht täglich gelesen.

Aber genau hier ist es, hier in unserem Galiläa, in unserem Alltag, wo wir sind und Jesus kennengelernt haben, hier wird Er uns als der Auferstandene begegnen. Wie Er das macht? Erst einmal müssen wir es überhaupt für möglich halten, dass es geschehen kann. Wenn unsere Sinne sich nicht auf Seine Gegenwart einstellen, dann nehmen sie sie auch nicht wahr. Denken wir an Maria von Magdala am Ostermorgen. Oder die Emmausjünger. Und später die Jünger am See von Galiläa, als erst der Jünger, den Jesus liebte, den Fremden am Ufer als Jesus erkannte.

Und: Nein – es hängt nicht von unserer Leistung ab. Das wäre kein Ostern. Auf eines dürfen wir vertrauen: Dass Jesus selbst eine solche Ungeduld hat, uns, jedem einzelnen von uns, zu begegnen, dass Er selbst unsere Wege kreuzen wird. Freuen wir uns darauf. Hier bei uns. In Galiläa. Das ist Ostern!

Amen.

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, den der Vater von den Toten auferweckt hat und uns alle mit neuem Leben beschenken will, bitten wir:

  • Wir bitten Dich für Deine Kirche weltweit und hier bei uns. Hilf uns voller Freude die Botschaft Deiner Auferstehung zu verkünden und zu bezeugen: Dass Du auch heute den Menschen in vielfältiger Weise nahe bist und dich auf immer neue Weise zeigst.
    (Christus, Du Lebendiger – wir bitten Dich, erhöre uns)
  • Diese Nacht ist eine Nacht der Befreiung. So bitten wir für alle, die gefangen sind: In Abhängigkeit und Sucht; in ihrer Schuldgeschichte; in der Not finanzieller Abhängigkeiten; in der sinnlosen Routine ihres Lebens.
  • Wir bitten in diesen Tagen besonders um den Frieden: in der Ukraine, dem Heiligen Land, dem Libanon und dem Iran; wir bitten für alle, die sich für Verständigung und Versöhnung einsetzen; für alle an Körper und Seele Verletzten und für die, denen Versöhnung schwerfällt.
  • Wir bitten Dich um eine Erneuerung unseres Glaubens und den Mut, Deinen Verheißungen mehr zu trauen als unseren Enttäuschungen und Ängsten.
  • Wir bitten Dich auch für unsere Verstorbenen: Lass sie das neue Leben in Deiner Gemeinschaft erfahren.

Allmächtiger Vater, in Deinem Sohn hast Du uns alles geschenkt. Dir sei Dank, der Du mit ihm und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

Amen.

Die verschiedenen Texte an Ostern des Lesejahres A finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron und beim Evangelium in leichter Sprache.

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