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"Zur Freiheit befreit - oder: konsequent leben"

Predigt von Pfr. Nandkisore am 13. Sonntag im Jahreskreis 2019 (30. Juni)
"Zur Freiheit befreit - oder: konsequent leben"
"Zur Freiheit befreit - oder: konsequent leben"
© Olaf Klug in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Zeltlagerfreunde,

 „zur Freiheit hat uns Christus befreit“ – ist das ein nicht ein großartiger Satz. Wir sind zur Freiheit befreit, durch Christus. Paulus sagt uns diesen Satz im Galaterbrief, aus dem wir in der 2. Lesung hörten.

Freiheit – das kommt mir in den Sinn, wenn ich ans Zelten denke. Sei es auf Ferienlagern, wie es bei Euch sein wird, oder auf Pilgerwegen, wo ich dort, wo ich wollte – so es möglich war – einfach mit den Freunden, mit denen ich unterwegs war, das Zelt aufschlug. Welche Freiheit. Wie schön!

Und man entdeckt, was wir alles, das uns sonst im Alltag umgibt, gar nicht so brauchen – oder dass man zumindest für eine gewisse Zeit darauf verzichten kann. Zelt und Freiheit – das gehört irgendwie zusammen und ich wünsche Euch für die kommenden Wochen eine wirklich schöne und erlebnisrieche Zeit!

- Zur Freiheit befreit – Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass Paulus diesen Satz nicht im Zusammenhang einer Ferienfreizeit geschrieben hat. Der Kontext war etwas ernster – und das führt uns dazu, was wir mit Freiheit meinen, innerhalb und außerhalb von Ferien!

Der Kontext des Briefes an die Galater ist für Paulus ein ärgerlicher: Er hatte die Gemeinde im heutigen Anatolien gegründet, das Evangelium dorthin gepflanzt und nach einiger Zeit kommen Irrlehrer, die die Gemeinde auf Vorschriften, Rituale verpflichten wollen. Dabei beanspruchen sie natürlich Autorität und so entsteht ein Streit unter den Galatern: "Sie beißen und verschlingen sich", wie Paulus es ausdrückt. "Ihr seid frei" - sagt er den Galatern, begreift es doch endlich. Christus hat euch befreit - hat uns befreit.

Dabei wird deutlich, dass es eine wichtige Unterscheidung gibt: Freiheit von und Freiheit für!

- Freiheit von: Als Christ bin ich frei davon, wegen meiner Zukunft Angst zu haben, denn sie liegt in Gottes Hand – und Gott liebt mich! Wie sollte Er mir etwas Böses gönnen! Als Christ bin ich frei davon, mich ständig absichern zu müssen: Wenn ich Gott jetzt nicht danke, wird Er mich später bestrafen – was für ein unsinniger Gedanke wäre das! Als Christ bin ich frei davon, die Zukunft selbst gestalten zu müssen – denn sie ist letztlich nur sehr bedingt planbar. Ich bin von alldem frei, denn Gott sagt mir: Ich bin bei Dir!

Übt das ein in diesen Wochen – eine Ahnung davon zu bekommen, was wirklich im Leben zählt, worauf es ankommt und was uns glücklich und zufrieden macht.

- Und damit bin ich bei dem anderen Aspekt von Freiheit: Freiheit für! Wenn Gott sich um mich sorgt, kann ich von mir selbst wegsehen und schauen, wo ich gebraucht werde – wo ich für andre ein „Botschafter Gottes“ sein kann. Auch durch meine Hände sorgt Er sich um andere! Ich bin eingeladen, meine Freiheit einzusetzen, damit das Leben lebenswerter wird. Und das an dem Ort, an dem ich stehe, mit den Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen.

Wie beim Zelten: Wenn da jeder nur an sich selbst denken würde, wäre das eine anstrengende Angelegenheit. Gerade weil sich andere einsetzen, ihre Zeit, ihre Mühe, ihr Interesse – wird es für alle schön! Diese Freiheit ist ein Gewinn für alle! Freiheit hat nichts mit Egoismus zu tun – zumindest nicht die Freiheit, zu der uns Christus befreit hat.

Ich wünsche euch, dass Ihr Euch – wie alle anderen auch! – in diesen Wochen auch einmal damit beschäftigt, wie das Leben eines Christen, wie Jesus uns das vorschlägt, aussehen kann – in den Bedingungen unserer Zeit. Oft hört man ja: Heute kann das doch gar nicht mehr so gelebt werden …

Ich halte das für eine Ausrede. Jetzt, beim Zelten, habt Ihr eine unglaublich wertvolle Gelegenheit, darauf zu schauen, was wirklich zählt: Kameradschaft, Teamgeist, Einsatz, Überwindung von Egoismus, Rücksichtnahme, Verzeihen können, Vermitteln, die eigenen Grenzen überwinden…

Und dann lest einmal in der Bergpredigt, was Jesus und vorschlägt. Ich bin sicher, Ihr werdet staunen…

Zur Freiheit hat uns Christus befreit – nicht nur in den Ferien.

Amen.

 

Fürbitten

Unseren barmherzigen Vater, der uns in Christus zur Freiheit befreit, rufen wir:

1. Wir bitten für alle Kinder und Betreuer die heute ins Zeltlager fahren. Lass sie eine schöne Zeit in Gemeinschaft und Natur erleben und alle Gesund und um viele Erfahrungen reicher wieder kommen. 

(Gott, unser Vater – wir bitten Dich, erhöre uns)

2. Wir bitten für die Schöpfung welche wir im Zeltlager in besonderer Weise erfahren. Lass uns Menschen erkennen welches Geschenk du uns gemacht hast und dass wir dieses bewahren müssen.

(Gott, unser Vater – wir bitten Dich, erhöre uns)

3. Wir bitten für alle Menschen die Entscheidungen treffen müssen. Sei es im Kleinen im Zeltlager oder als Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft. Begleite sie auf ihrem Weg und hilf, sie die richtigen Entscheidungen treffen zu lassen.

(Gott, unser Vater – wir bitten Dich, erhöre uns)

4. Wir bitten für alle Kinder die wegen Krieg oder Armut nicht die Chance haben Freizeiten wie das Zeltlager zu genießen.

(Gott, unser Vater – wir bitten Dich, erhöre uns)

5. Wir bitten für alle die uns verlassen haben und die du zu dir gerufen hast. Heute im Besonderen für… Nimm sie bei dir auf und schenke ihnen das ewige Leben.

(Gott, unser Vater – wir bitten Dich, erhöre uns)

Dir sei Dank, der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770