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Worauf es ankommt – oder: Keine Lippenbekenntnisse

Predigt von Pfr. Nandkisore am 26. Sonntag im Jahreskreis 2020 (27.09.)
Worauf es ankommt – oder: Keine Lippenbekenntnisse
Worauf es ankommt – oder: Keine Lippenbekenntnisse
© Anton Eilmannsberger in pfarrbriefservice.de
  • Predigt

  • Evangelium

Eine Messe mit diesem Evangelium & Predigt wird auf unserem Youtube-Kanal live gestreamt. Dort finden Sie im Anschluss auch eine Aufzeichung. Livestream: Hochamt für die Pfarrgemeinde in St. Peter und Paul, Eltville am Sonntag, den 27. September ab 11:15 Uhr.

Liebe Schwestern und Brüder,

wer erfüllt den Willen des Vaters? Natürlich nicht einfach der Ja-Sager, sondern der, der letztlich tut, was zu tun ist! Das heutige Evangelium dürfen wir nicht einfach so verstehen, als ob es doch egal sei, was jemand glaubt oder sagt, sondern dass es darauf ankommen würde, dass er oder sie schließlich das tut, was im Sinne Jesu das Richtige ist. Das heutige Evangelium steht in einem sehr ernsten Kontext: der Auseinandersetzung Jesu mit seinen Gegnern, den religiösen Meinungsführern Seiner Zeit. Er ist in Jerusalem, nach seinem festlichen Einzug räumt Er im Tempel auf und dann, unmittelbar vor der heutigen Perikope, sieht Er einen Feigenbaum: voller Blätter, aber ohne Früchte! Er verflucht ihn und der Baum verdorrt. Wir dürfen diese Szene nicht einfach unter der Rubrik „zweifelhafte Wundererzählungen“ abheften. Es hatte einen Grund, dass sie überliefert wurde und frühere Zeiten waren sich der symbolischen Bedeutung dieser Stelle bewusster als wir heute.

- Den Schein waren, aber keine Früchte bringen. Schön aussehen, aber letztlich nutzlos sein – es ist genau das, was Jesus an den religiösen Führern kritisiert. Ihr „Glaubensbaum“ trägt viele Blätter, aber er bringt keine Früchte, er ist letztlich nutzlos!

Sie sind wie Kinder eines Vaters, die sagen, dass sie tun, was der Vater möchte, aber letztlich gehen sie ihre eigenen Wege, es ist ihnen egal, was der Vater wirklich will.

Demgegenüber sind diejenigen, die zuerst „Nein“ sagen. Zum Verständnis: im Orient ist das gegenüber einem Vater, einem Patriarchen ein Ding der Unmöglichkeit, bringt deutlich eine Haltung der Respektlosigkeit gegenüber jeder Ordnung zum Ausdruck. Diese „Nein-Sager“ gehen aber schließlich doch – und sind so gegenüber den Erstgenannten die „Besseren“, also die Kinder, auf die es ankommt. Der Text spricht von „Reue“, im Original heißt es metamelomai und das drückt aus, dass man das, was man getan hat, lieber nicht getan hätte – da meldet sich also das Herz. Da meldet sich der „Kern“ des Menschen! Das zeigt sich, aus welchem Holz er wirklich gemacht ist.

- Keine Früchte bringen, keine Früchte, die deutlich machen, dass der Vater mit Seinem Willen zum Zuge kommt – dass ist es, was Jesus letztlich an Seinen Gegnern kritisiert. Und das ist es, was wir uns selbst auch fragen müssen. Der Wille des Vaters – ist es denn immer leicht, den zu erkennen? Ergeht denn immer deutlich ein Befehl, dieses oder jenes zu tun, um dann daran gemessen werden zu können, ob wir diesen Willen nun erfüllt haben oder nicht?

„Wenn es denn so einfach wäre!“, könnten wir sagen. Richtig. Wer zu schnell davon spricht, dass dieses der jenes dem Willen des Vaters entspricht und anderes nicht, dem begegne ich selbst erst einmal mit Skepsis. Das merke ich für mich sowohl bei den Gegnern als auch den Fürsprechern des Synodalen Weges. Dieses oder jenes ist der Wille des Vaters – dieses oder jenes ist also zu tun. Wer es nicht tut, der ist auf der Spur des Evangeliums bzw. auf der falschen Spur …

- Die Spur des Evangeliums ist für mich tatsächlich der Maßstab: Die Frohe Botschaft verkünden, die Kranken heilen und die Dämonen austreiben – das ist es, was Jesus Seinen Jüngern auftrug, als Er sie aussandte. Für mich ist das auch heute das Zeichen, wenn Menschen eine Idee vom Himmelreich bekommen: dass sie befreit werden, befreit zu sich selbst, befreit zu dem Bild, das Gott von ihnen hatte, als Er sie erschuf.

Für mich ist daher die Frage, ob wir als Christen, als Kirche, diesen Auftrag erfüllen, damit verbunden, ob wir Menschen dazu ermutigen, diese Freiheit zu leben. Als Jesus Sein Gleichnis auflöst, spricht Er von den Zöllnern und Dirnen, die wie der zweite Sohn des Gleichnisses den Willen des Vaters erfüllten. Was taten die? Es geht nicht einfach um ein äußeres Tun! Sie glaubten, so sieht es Jesus zumindest, an Seine Botschaft, dass sie geliebt und angenommen sind, dass ihr Wert nicht davon abhängt, was sie bisher in ihrem Leben geleistet haben, sondern dass ihr Wert darin besteht, dass sie sind!

- Was sagt uns das heute, hier in unserer Situation? Ich gebe zu, dass mich selbst diese Zeit der Pandemie verändert hat, dass Gewichte verschoben wurden. Die Welt, unsere Gesellschaft wartet nicht mehr auf Christen, die sich in ihren tatsächlichen oder so empfundenen Problemen verloren haben. Aber sie begrüßt diejenigen, die ihnen etwas davon erzählen und bezeugen können, was Jesus am Ufer des Sees von Galiläa erzählte, die also Früchte bringen, die ernähren.

Amen.

 

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, der uns als Seine Jüngerinnen und Jünger in diese Welt sendet, bitten wir:

- Wir bitten dich für Deine Kirche in unserem Land: hilf uns, dass wir uns gegenseitig ermutigen und stärken, das Vertrauen in Dich und Deine Vorsehung in unserem Alltag zu leben und zu bezeugen.

(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)

- Wir bitten Dich in diesen Wochen besonders für die Entscheidungsträger in der Politik: dass sie angesichts der Herausforderungen der Pandemie mutig Entscheidungen treffen, die dem Wohle aller dienen.

- Wir bitten Dich auch für die, die uns um unser Gebet gebeten haben; für die, die unserem Herzen nahe stehen; für die, mit denen wir uns schwer tun; für die Kranken und die, die sich um sie sorgen; für die Vereinsamten und Verzweifelten.

- Hilf denen, die in diesen Tagen schwere Entscheidungen zu treffen haben: Lass sie darauf vertrauen, dass Dein Geist ihnen beisteht und stärke sie so, der Stimme ihres Gewissens zu folgen.

- Lass unsere Verstorbenen bei Dir geborgen sein und schenken ihnen die Erfüllung, die wir auch für uns selbst erhoffen.

Dir sei Dank, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und uns leibst, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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