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Weihnachtskrippe wiederentdeckt

Weihnachtskrippe wiederentdeckt
Weihnachtskrippe wiederentdeckt
© Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau

Fundstücke aus dem Pfarrarchiv: Eine Weihnachtskrippe aus polychromiertem Gips

Und in jener ZEIT geschah es, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging ... .

Der Brauch der Aufstellung einer Weihnachtskrippe soll auf den Hl. Franziskus zurückgehen, der 1223 in Greccio das Geschehen anstelle einer Predigt mit Menschen und Tieren nachspielen ließ.

Zur Krippengeschichte in unserer Kirche berichtet Hans Kremer („Die Pfarrkirche St. Peter und Paul, Eltville“, 1994) von früheren, nicht mehr vorhandenen Krippen.

Zudem ist die Weihnachtsgeschichte ausführlich in den drei Kirchenfenstern des Glasmalers August Franz Martin im Chor ausgeführt: Verkündigung, Geburt im Stall und die Huldigung der Könige. Auch im Hochaltar hat Leopold Blanchaert um 1870 sehr qualitätsvoll die Verkündigung und die Anbetung der Weisen aus Holz geschnitzt.

Eine richtige Krippe für die Weihnachtszeit fehlte aber. Deshalb erwarb Pfarrer Krellwitz im Jahr 1934 unsere heutige schöne Krippe vom Südtiroler Holzschnitzer Josef Stuflesser. Sie ist jedes Jahr an Weihnachten nicht nur für die Kinder ein Anziehungspunkt in unserer Kirche.

Hier nun soll eine nur Wenigen bekannte, fast vollständig erhaltene Krippe aus dem Pfarrarchiv vorgestellt werden. Die 18 schön bemalten und nur leicht beschädigten Gipsfiguren sind zwischen 30 und 45 cm hoch. Sie sind mit AR gemarkt, was für den Krippenhersteller Aloys Riffarth aus Mönchengladbach steht. Das Jesuskind ist aus Wachs und gehört nicht zum ursprünglichen Satz, der aus 20 Figuren (Heilige Familie, Engel, drei Könige mit Treiber und Kamel, Ochs und Esel, drei Hirten und sechs Schafe) bestand. In den Guss sind zusätzlich Modell- und Katalognummern eingeprägt, um die einzelnen, in hoher Auflage produzierten Krippen leichter zusammenzustellen und um weitere Figuren dazukaufen zu können. Es gab sie in Größen von 16 bis 120 Zentimeter.

Aloys Riffarth gründete 1816 eine Großbuchbinderei mit Verlag. Die Produktion von Krippen- und Heiligenfiguren kam erst Ende des 19. Jh. als weiteres Standbein hinzu. Im Verlag erschienen hochwertige Gebetbücher für den privaten Gebrauch, kostbar verziert und aufwendig gestaltet. Über eine Sammlung seiner Bücher – der Verlag und die Krippengießerei existieren spätestens seit Ende der 50er Jahren nicht mehr – verfügt die Stadtbücherei Mönchengladbach. (Vgl. RP Online: Die Gebetbücher aus Gladbach vom 13. April 2017). Viele seiner Krippen sind mehr oder weniger vollständig erhalten. Aus Gips ließ sich leicht eine hohe Auflage gießen, allerdings sind die Figuren anfällig für Bestoßungen und gehen leicht zu Bruch. Ihre große Zeit war mit dem Aufkommen der Krippen aus Kunststoff vorbei.

Auf der sehr informativen Internetseite Krippenkabinett.de von Guido H. Esper, dem ich auch für zusätzliche Informationen danke, sind viele verschiedene Gipskrippen, auch solche von Riffarth, zu bewundern.

Alter und Herkunft unserer Krippe sind unklar. Sie stammt vielleicht aus den 50er-Jahren. Auf peterundpaul-rheingau.de („Von der alten Weihnachtskrippe in Erbach“) berichtet Alexander Wißmann vom Fund einer ähnliche Krippe. Auch hier sind einige Teile mit AR gemarkt. Sie stammt aus dem Schwesternhaus der Dernbacher Schwestern. So könnte auch unsere Krippe von den Schwestern des ehemaligen Eltviller Krankenhauses stammen. (Wer Näheres weiß, bitte melden!)

Die Krippe hat es in jedem Fall verdient, aufgebaut zu werden!

Deshalb hat sich das Team des Eltviller „EingeLaden“ entschieden, sie im Schaufenster aufzubauen. Lassen Sie sich überraschen und kommen Sie mal vorbei: EingeLaden, Gutenbergstraße 16, 65343 Eltville.

Ihr Hans-Josef Susenburger

© Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau
© Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau

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