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Von Jesus sehen lernen

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Von Jesus sehen lernen
Von Jesus sehen lernen
Was nicht in ihre Fächer und Schubladen passt, mit dem wissen die Menschen nichts anzufangen. -- Johann Jakob Mohr (1824-1886) © bs-matsunaga auf pixabay.com
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    Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore über das Sehen lernen im Evangelium und im ZDF am 14. Sonntag im Jahreskreis zum Download

Die Texte zum 14. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Ez 1, 28c – 2, 5 und 2 Kor 12, 7–10) und des Evangeliums (Mk 6, 1b–6) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache zum nachlesen.

Diese Predigt können Sie im ZDF-Fernsehgottesdienst am 04.07.2021 um 09:30 Uhr aus St. Martin in Oestrich-Winkel live in Ihrem Wohnzimmer sehen und hören.

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie das: man urteilt über Sie, weil man glaubt, Sie zu kennen? Weil man etwas über mich weiß, glaubt man, mich zu kennen: ich bin Teil einer Gruppe, einer Nation, einer Partei, übe einen bestimmten Beruf aus habe ein bestimmtes Hobby, eine Neigung oder Veranlagung, da gibt es bestimmte Ereignisse in meiner Biographie – und ein anderer sieht mich genau mit dieser Brille! Ich werde gesehen und spüre doch gleichzeitig: es geht nicht um mich!

- Jesus erfährt das so: ausgerechnet dort, wo er beheimatet war, in Nazareth. ER ist Teil einer Familie, die jeder kennt, ER ist dort aufgewachsen, hat dort Seine Kindheit und Jugend verbracht und das Handwerk des Zimmermanns erlernt. Man kennt Ihn also! Nichts Besonderes, zumindest nichts Außergewöhnliches! Und dann kommen die Nachrichten über Ihn in Nazareth an. Und: anstatt sich darüber zu freuen, was in diesem „Bub aus unserem Ort“ so steckt, erlebt ER Ablehnung.

Das hat Konsequenzen: Es heißt, dass ER in Nazareth keine Wunder, keine Machttaten tun konnte, denn dafür – so erzählen es die Evangelien - muss sich ein anderer Ihm gegenüber öffnen, Ihm vertrauen, Ihm glauben. Wie schade: Gott ist unter den Menschen und doch ändert sich nichts, werden Menschen nicht verändert. Das heißt doch: Wir begrenzen die Möglichkeiten Gottes mit uns!

- Das muss nicht immer böse Absicht sein: Als Priester, als Pfarrer erlebe ich es immer wieder, dass Menschen mir erzählen, dass sie schon ihr ganzes Leben zur Kirche gehören, mit dem Glauben leben möchten. Aber es fällt ihnen schwer, Jesus zu vertrauen. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich, oft fehlen schlichtweg die Erfahrungen. Glauben muss man lernen – und dafür braucht es Vorbilder, andere, die Mut machen, die uns vorleben wie das geht. Ganz praktisch. Wie geht beten und sei es der Rosenkranz? Was kann eine Wallfahrt in einem anderen auslösen?

Wenn ich das nicht lerne, dann ist es wie in Nazareth: Jesus kann nichts tun, sich nicht als Heiland zeigen, als der Heilende! Denn: Er überrumpelt nicht, handelt nicht als Zauberer. Sondern ER möchte sich als Freund zeigen – und wenn ich einem Freund nicht vertraue, ist er es denn dann überhaupt: Freund?! Ein Freund, eine Freundin: ich muss ihn, sie doch erst einmal kennenlernen!

- Drehen wir es mal um: Wie sieht, wie kennt mich Jesus? Wenn ich die Evangelien richtig sehe, dann entdecke ich da einen Jesus, der in jedem und jeder einen Menschen sieht, der in sich großartige Möglichkeiten trägt – ja in jedem steckt das Himmelreich! Jeder und jede ist ein einmalige und wunderbare Schöpfung, ein einmaliges Instrument, eine Kathedrale, ein Edelstein – suchen Sie sich ein passendes Bilds aus! So Sieht Er mich – und ER muss es wissen, hat ER mich doch geschaffen, und das auch noch in der besten Weise!

So ist Gott – und Ihm sollte ich nicht vertrauen?! Ja mehr noch: Ich kann versuchen, mit Seinem Blick auf die Welt und die anderen zu schauen, ohne vorschnell zu urteilen. Ich mag das eine oder andere über einen anderen Menschen wissen – aber: kenne ich ihn, kenne ich sie damit? Das kann nur der, der mit liebendem Blick auf den anderen schaut. Mit dem Blick, mit dem Jesus mich anschaut. Und ein solcher Blick lässt sich zumindest immer wieder überraschen.

Wenn wir einander so anschauen würden, uns so helfen würden uns zu entfalten – Wunder würden geschehen.

Amen.

Weitere Predigten von Pfr. Dr. Robert Nandkisore finden Sie in der Übersichtsseite Predigten aus St. Peter und Paul, Rheingau.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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