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Von der Freude, getragen zu sein

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 3. Adventssonntag 2021 (Lesejahr C)
Von der Freude, getragen zu sein
Von der Freude, getragen zu sein
Die abgebildete Taufe fand im autonomen Kreis der Tschuktschen im äußersten Nordosten Russlands statt. Auf einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland leben dort rund 50.000 Menschen. © Vyacheslav Grin auf pixabay.com

Die Texte zum 3. Adventssonntag wie der Lesungen (Zef 3, 14–17 und Phil 4, 4–7) und des Evangeliums (Lk 3, 10–18) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

„Freude“ – das klingt in den Texten des 3. Adventssonntages, der „Gaudete“ (freut euch) heißt, an. „Freut euch“, sagt Paulus zu den Philippern; der Prophet Zefanja ruft Jerusalem zum Jubel auf. Nur das Evangelium scheint dem irgendwie nicht zu folgen.

- „Freut euch“ – kann mich jemand dazu auffordern? Ja kann ich mir Freude verordnen lassen? In unseren normalen Vorstellungen geht das nicht. Ebenso wenig können wir uns „Liebe“ befehlen lassen. Es geht doch um ein Gefühl.

Ja – und auch nein! Eben nicht nur Gefühl, sonst werde ich nicht dahin kommen, diese großen biblischen Worte „Liebe“ und „Freude“ zu verstehen.

Schauen wir noch tiefer hin:

Freut euch – Paulus schreibt dies an seine Gemeinde in Philippi, der er sich sehr verbunden fühlt. Und er schreibt das aus dem Gefängnis heraus! In einem späteren Brief beschreibt er, wie es ihm da erging (2 Kor 1,8ff): „Unsere Kraft war erschöpft, so sehr, dass wir am Leben verzweifelten“. Von einem Todesurteil spricht er gar, von Todesnot. Und in dieser Situation: Freut euch!
Aber schauen wir richtig hin: Paulus sagt „freut euch im Herrn“ und dabei geht er soweit zu schreiben „zu jeder Zeit“! Darum geht es ihm: Freude im Herrn, in Christus.

Diese Formulierung ist uns fremd, sie macht aber deutlich, dass die Freude – genauso wie die Liebe – weit mehr ist als ein Gefühl, sie ist eine Haltung! Ein Gefühl ist sie natürlich auch, aber ein solches kann sich, je nach Stimmung, auch ganz schnell ändern.

Eine Haltung der Freude. Nein, nicht jauchzen, singen und springen: sich freuen, ist mit der , der Gnade verwandt. Gnade, das ist die Nähe Gottes und sie ist ein Geschenk Es geht also letztlich um die Freude über die Nähe Gottes. Natürlich: Das kann mich immer wieder auch jauchzen, singen und springen lassen, aber meistens geht es doch um die Beruhigung. Die Beruhigung, die aus dem Wissen kommt, dass Gott mich trägt, dass ER da ist, dass ER um mich weiß. Das ist es bei Paulus, gerade in der Todesnot! Das ist die Haltung der Freude!

- Freut euch: Darüber, dass wir getragen sind. Gerade jetzt, in dieser Pandemie. Wie viel Angst ist da zu spüren und welche Aggressionen bringt sie auch hervor?! Denn natürlich steht hinter der Angst die Gestalt des Todes, seine Möglichkeit. Diese Möglichkeit war immer da, aber in dieser Zeit wird sie uns so deutlich vor Augen gestellt. Und so permanent. Ja, so gesehen sind wir alle in die Todesnähe gerückt. Das macht Angst – dem, der es nicht gewohnt ist. Und die meisten sind es nicht gewohnt!
Gerade in diese Zeit hinein hören wir: Freut euch im Herrn! ER ist da! Was trägt denn, wenn nichts mehr trägt? Um diese Frage kommt niemand mehr herum. Offen bleibt, ob eine Antwort gegeben wird.

Als Christ antworte ich: Ich fühle mich getragen von Ihm und dieses „Fühlen“ ist ein Wissen! Komme was da will. Aus dieser Freundschaft, aus dieser Nähe falle ich nicht heraus, denn ER ist treu.

Welche Sprengkraft haben wir Christen in dieser so bedrängenden Zeit – oder besser: Was für eine Kraft, Zuversicht, Optimismus kann das schenken? In dieser Zeit, in der die Freude zu schwinden scheint, Angst und Unsicherheiten wieder wachsen?!

Was ist zu tun? So fragen die Menschen, die zu Johannes dem Täufer in die Wüste hinausgehen und sich von ihm ansprechen lassen. Was sollen wir also tun? Die Antwort, die er den Fragestellern gibt, ist ganz einfach: Tut das, was ihr tut, richtig, als Menschen. Dort, wo ihr steht, wo ihr arbeitet, wo ihr wohnt und lebt – seid Menschen, die sich getragen wissen, gerade in der Not. Menschen, die sich freuen können, die diese Freude leben. Das wird ausstrahlen. Es wird verwirren, es wird Aufmerksamkeit erregen. Aber nicht deswegen, weil wir so toll wären, sondern weil ER, Christus, uns so nahe ist. Das ist allemal ein Grund zu Freude.

Amen.

Unseren Herrn Jesus Christus, in dessen Nähe wir froh werden, bitten wir:

  • Für Deine Kirche in unserem Bistum und weltweit: Hilf ihr, die Freude zu leben und zu bezeugen, die Deine Nähe schenkt.
    (Komm, Herr Jesus – Komm, Herr Jesus)
  • Sei denen nahe, die sich in diesen Wochen nicht freuen können, da sie Not und Sorgen niederdrücken.
  • Wir bitten Dich in diesen so bedrängenden Wochen für die vielen Frauen und Männer, die in der Medizin, der Politik und Wirtschaft dafür Sorge tragen, dass wir in Sicherheit leben dürfen.
  • Wir bitten Dich auch für die vielen Menschen an vielen Orten dieser Welt, die sich nach Sicherheit, Versorgung und Wohlfahrt sehnen und mache uns bereit, ihnen nach unseren Möglichkeiten zu helfen.
  • In diesen Wochen des Advent bitten wir Dich erneut um die Gabe der Dankbarkeit, so dass wir erkennen, wie nahe Du uns bist und jeden begleitest und trägst.
  • Lass unsere Verstorbenen die Freude der Gemeinschaft erfahren, in die Du uns rufst.

Dir, dem Barmherzigen Vater, danken wir, der Du uns in Christus alles schenkst, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und uns liebt in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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