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Sich Gottes bemächtigen – oder: das Leben wagen

Predigt von Pfr. Nandkisore am 22. Sonntag im Jahreskreis 2020 (30.08.)
Sich Gottes bemächtigen – oder: das Leben wagen
Sich Gottes bemächtigen – oder: das Leben wagen
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
  • Predigt

  • Evangelium

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

das sind erst einmal harte Worte Jesu, die Er nicht nur dem Petrus, sondern uns allen entgegen schleudert. Werbung für sich und die eigene Sache sieht anders aus! Ich möchte mich diesem Wort dennoch stellen, weil ich tief in mir weiß, dass es „Frohe Botschaft“, befreiende Botschaft ist. Ich lade Sie ein: machen wir uns die Mühe und kauen ein wenig an den Worten des heutigen Evangeliums.

- Der heutige Text ist eine direkte Fortsetzung dessen, was wir am letzten Sonntag hörten: Für wen halten mich die Menschen? – Für wen haltet ihr mich? – Du bist der Messias! Bei Matthäus wird dann noch der besondere Auftrag an Petrus, Fels zu sein, hinzugefügt. Was die drei Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas dann anführen ist: „Er befahl ihnen, niemand zu sagen, dass er der Messias ist“ (Mt 16,20). Eigenartig! Er möchte Seine Botschaft doch verbreiten, zur Befreiung einladen. Wäre es denn dann nicht passend, gleich auch zu sagen, mit welcher Autorität Er spricht?

Schon das 1. Gebot in der Hebräischen Bibel spricht davon, dass wir uns kein Bild von Gott machen dürfen. Da geht es nicht einfach nur um Götzenbilder, da geht es um etwas weitaus Gefährlicheres: dass wir Menschen immer wieder in der Versuchung stehen, uns Gottes zu bemächtigen! Dass wir im Namen Gottes meinen, anderen sagen und vorschreiben zu können, was richtig und falsch ist! Genau das geschieht zu Beginn des heutigen Evangeliums: Petrus – ob nun mit oder ohne besondere Autorität ausgestattet – tritt Jesus entgegen und möchte verhindern, dass dieser den Weg geht, von dem Er gerade gesprochen hat, den Weg des Leidens, des Todes und der Auferstehung. Petrus hat ein Bild davon im Kopf, wer und was der Messias zu sein hat, wie Gott zu handeln hat, was im Sinne Gottes richtig ist. „Weg mit dir, Satan, tritt hinter mich!“ – ein klares, ein scharfes Wort. Klar, hier geht es nicht um eine Kleinigkeit! Nein, Gott Vorschriften machen zu wollen ist wahrhaft keine Kleinigkeit!

- Das Wort „Gott“ im Munde führen und ihn dann als Begründung, Legitimierung, Beweis benutzen: Für ein Wort, eine Handlung, eine Haltung – und damit andere und anderes ausschließen. Dieses Schauspiel erleben wir häufig, in Internetforen täglich.

Was will dem gegenüber Jesus? Wer sich in das Evangelium vertieft, der entdeckt, dass Er einen neuen, einen anderen Lebensstil vorlebt und vorschlägt, ein anderes Handeln, einen anderen Umgang miteinander und mit sich selbst. All das hat seine Wurzel in einem tiefen Vertrauen gegenüber Dem, den Er „Vater“ nennt! Dieses Vertrauen erlaubt es Ihm, sich ganz weit aus dem Fenster zu lehnen und eine Lebensweise vorzuschlagen, der anderen Werten folgt, als die, die uns normalerweise angeboten werden: Selbstverleugnung in der Nachfolge; das eigene Leben riskieren, weil es nur so gerettet werden kann. Dabei geht es nicht um eine asketische Leistung, sondern um pralles Leben. Die einzige Absicherung: Dem Vertrauen, dem Jesus vertraute!

Und dabei nicht zu wissen: Dieses und jenes ist nun ausdrücklich Gottes Willen, so und so muss es gehen, anderes ist falsch. Jesus lädt dazu ein, neue Wege zu gehen – nicht um des neuen Weges willen, sondern um des Menschen willen. Wie kann ich in der Spur Jesu dem Menschen vermitteln, wer und was er in den Augen Gottes ist und immer mehr sein soll? Dazu gehört, dass ich das selbst für mich erst einmal erkannt, erfahren habe – dafür sammelt Jesus die Apostel um sich, in einer Jüngerschulung. Dadurch sollen sie fähig werden, Seinem Beispiel zu folgen – durchaus auch auf immer neuen Wegen, dabei Gottes Geist vertrauend.

- Liebe Schwestern und Brüder, wir leben in einer herausfordernden Zeit, in der es nicht mehr gelingt, anderen einfach das Sprechen von Gottes Willen um die Ohren zu schlagen oder eigene Bilder von Gott als angebliches Evangelium auszugeben.

Die Herausforderung besteht in einem mündigen Christsein, das es wagt, das zu leben, was im Blick auf Jesus erkannt wurde.

Ein Leben mit Jesus ist nicht harmlos, keineswegs, es geht dabei um nicht weniger als darum, das Leben im Spiegel Seiner Botschaft zu wagen und darauf zu vertrauen, dass wir getragen sind und sein werden.

Amen.

 

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, der uns auch heute dazu ermutigt, dem Vater zu vertrauen, bitten wir:

- Für alle Getauften, dass wir durch unser Leben immer glaubwürdiger davon Zeugnis geben, dass wir uns Deiner Botschaft verpflichtet fühlen.

(Christus, höre uns - Christus, erhöre uns)

- Wir bitten Dich für jene, die angesichts des Leids, das sie erfahren, verzweifeln und keinen Ausweg mehr sehen.

- Bewahre uns davor, dem Bösen in uns Raum zu geben, auch wenn es uns noch so verlockend erscheint

- Schenke denjenigen, denen wir das Gebet versprochen haben und um die wir uns sorgen, Deine Nähe.

- Wir bitten Dich für unsere Kinder, die in diesen Tagen zur Ersten Heiligen Kommunion geführt werden: Lass sie durch die Begegnung mit Dir Kraft für ihr Leben schöpfen und erkennen, wie sehr Du ihr Leben formen und prägen möchtest.

- Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen: Lass sie erfahren, wer Du bist und nimm sie in Deine Gemeinschaft auf.

Allmächtiger Gott, erhöre unsere Bitten, auch die, die wir im Herzen tragen, der Du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770