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"Ostern erfahren"

Predigt von Pfr. Robert Nandkisore am Ostersonntag 2019
"Ostern erfahren"
"Ostern erfahren"
© Friedbert Simon in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

Ostern erfahren! Ostern feiern ist schön, nach der Fastenzeit wieder schlemmen. Klar. Aber das reicht nicht. Nach den frühen Zeugnissen der Christen geht es darum, dass Menschen Ostern erfahren und genau diese Erfahrung weitergeben – nicht als Konserve! Sondern als Ermutigung, ja als Erwartung, dass sich mir, dass sich uns der Auferstandene zeigt. Um nichts weniger geht es! Spannend.

„Glaub ich nicht!“ – Ja, ich weiß: Wir sehen es, wir spüren es. Glaubenstradition lässt sich in unserer Gesellschaft nicht mehr vermitteln. Vielleicht haben wir das zu lange versucht und meinen, nur so ginge es – nur so kann ich mir das hilflose Schreiben Papst Benedikts in der letzen Woche erklären! Damit lässt sich jedoch keine Kirche bauen, keine Gemeinde. Aber: Ostererfahrung – kann man das machen? Feiern können wir organisieren. Aber Erfahrungen?! Natürlich nicht! Deswegen: Hören wir in diesen Tagen doch einmal wieder genau hin, wer Erfahrungen gemacht hat, was das für Personen waren: Die Apostel, Maria Magdalena, Jünger auf dem Weg nach Emmaus…

- Da steht vor uns die weinende Gestalt am Grab: Maria Magdalena. Warum weint sie? „Man hat meinen Herrn weggenommen!“ Man hat ihr Jesus genommen. Deshalb weint sie! Der Tradition nach wurde sie von 7 Dämonen befreit – Jesus also befreite sie zum Leben. Dieser Jesus war für sie ihr ein und alles. Den hat man ihr genommen. Ein früheres Leben, in das sie zurück könnte, gibt es für sie nicht.

Zweimal, so heißt es, wendet sie sich um: Das erste Mal einem vermeintlichen Gärtner zu, der sie nach dem Warum ihrer Tränen fragt. Das zweite Mal dann – und irgendwie kann man sich das nur als innere Bewegung vorstellen – als sie Jesus erkennt. IHN, der sie beim Namen nennt, der sie kennt, um sie weiß. Da wird neues Leben erschlossen – da wird nicht das Alte weitergeführt. „Halte mich nicht fest!“ – das geht nicht, das geht nicht mehr. Glaube ist nicht zu „haben“, Glaube ist lebendig und nach vorne gerichtet, auf das Leben hin, ja auch auf die Veränderung, die das Leben mit sich bringt.

- Versuchen wir, das auf uns heute zu beziehen, auf uns als Kirche, als Gemeinde. Für nicht Wenige ist das Gefühl da, das Maria Magdalene ausdrückt: „Man hat mit Jesus weggenommen!“ Vielleicht nicht für sich persönlich aber für die Kinder und Enkel. Die leben, als gäbe es das alles nicht: Glaube, Kirche, Tradition. Das ist zum Heulen.

Oder es laufen Menschen weg – von Jerusalem. Von der Gemeinschaft. Wie die Emmausjünger. Sie treten aus. Das ist doch alles hoffnungslos. Da wurde alles zerschlagen, mutwillig. Da geht es nur um Macht – aber Jesus hat doch etwas anderes gebracht!

Wenn wir das so spüren – dann sind wir am Ende der Karwoche angelangt, ja eigentlich schon am Ostermorgen. Aber an dem Punkt können wir nichts mehr machen. Osterfahrungen bekommen wir geschenkt…

Es liegt uns irgendwie im Blut, dass wir auch das noch organisieren wollen. Die Gefahr besteht auch hier: Wir schauen zurück; wir wollen es so, wie wir es kennen. Obgleich wir wissen, dass es da kein zukünftiges Leben mehr gibt. Wie Maria von Magdala: „Wo hast du ihn hingelegt – dann kann ich ihn holen“ – zum Begraben! Dann sind wir dem Tod zugewandt. Aber das Leben ist Wachstum und Veränderung. Und das wollen wir ja auch in allen Bereichen unserer globalisierten Welt. Es aber genau in der Kirche, in der Gemeinde zu beklagen oder gar zu verhindern, ist nicht dem Leben zugewandt...

Es braucht Zeit: Bei Maria ist es der Name, mit dem sie gerufen wird. Bei den Emmausjüngern, nach der langen Klage und einem neuen Verständnis für die Schrift, die Erfahrung, dass ER bleibt, sich so zu erkennen gibt.

Ich bin bei Dir, ich bleibe bei dir – das ist das Schönste, was wir einander sagen und bezeugen können. Und wenn Jesus es sagt, der, dem die Todesgrenze nichts mehr anhaben kann, dann besteht doch Grund genug, sich darauf zu verlassen.

Die Erfahrung, dass ER bleibt, in allem Wandel – das ist Ostern. Auch heute. Und davon müssen wir erzählen. Mehr als gestern.

Amen.

 

Fürbitten Ostern 2019

Unseren Herrn Jesus Christus, der uns heute mit der Botschaft des Lebens beschenkt, bitten wir:

- Mache uns in der Gemeinschaft aller Christen zu glaubwürdigen Zeugen der Freude, die aus der Begegnung mit Dir entspringt.

(Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat)

- Für diejenigen, die wie Maria von Magdala oder die Emmausjünger tief erschüttert wurden, am Leben und auch an Dir verzweifeln: schenke ihnen neu die Erfahrung Deiner Gegenwart und Begleitung.

- Wir bitten Dich für alle Neugetauften und für unsere Kinder, die sich auf die Erstkommunion vorbereiten: Lass Deine Freundschaft zum Fundament ihres Lebens werden.

- Wir bitten darum, dass wir es mehr und mehr wagen, von unseren Erfahrungen mit Dir gerade denen zu erzählen, die nicht an Deine Wegbegleitung und ein Leben in Fülle glauben können.

- Führe unsere Verstorbenen, deren Namen Du kennst, zur Auferstehung und zur Gemeinschaft mit Dir.

Denn Du lebst und befreist uns aus allen Fesseln des Todes, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

 

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770