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Macht und Einfluss – oder: Welchem Willen folge ich?

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 25. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Macht und Einfluss – oder: Welchem Willen folge ich?
Macht und Einfluss – oder: Welchem Willen folge ich?
Höher, schneller, weiter. Niemals Schwäche zeigen! Wie viele Zentner (1 Zentner = 50kg) stemmen Sie den so? © Pexels auf pixabay.com

Die Texte zum 25. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Weish 2, 1a.12.17–20 und Jak 3, 16 – 4, 3) und des Evangeliums (Mk 9, 30–37) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

die heutigen Lesungen erzählen nichts davon, was heute zählt: Der Gerechte wird erniedrigt, gequält; Jesus spricht als „Menschensohn“ von Seinem Ende, das wie Scheitern klingt, und stellt Schwaches und Kleines – ein Kind – ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Schauen wir uns doch um: Was zählt sind Stärke und Durchsetzungskraft. Es wird doch bei uns in einer Woche niemand die Wahl gewinnen, der sich auf seine Schwächen beruft!

- Christentum, Jesus, Nachfolge – das hat doch mit der modernen Welt nichts mehr zu tun! Nein, stimmt – das hat es noch nie! Deswegen stehen die, die sich heute für Jesus entscheiden vor dem gleichen Dilemma, wie schon die Jünger damals. Wollen wir diesem Jesus folgen?

Jesus erzählt den Jüngern schon das zweite Mal, was Ihm bevorsteht: Erniedrigung, Tod. Das ist im Leben der Jünger so präsent (und abschreckend!), dass sie das andere gar nicht hören: Auferstehung. Das ist nur ein Wort – damit können sie nichts anfangen. Das ist doch alles nichts, was begeistern kann!

Besser wäre doch: Jesus als Coach – mit Jesus aus der Erfolgsspur; das weckt Leidenschaft, das lässt uns die eigenen Kräfte einsetzen!

- Daher ist es doch nicht verwunderlich, wenn sich die Jünger in einem privaten Gespräch ihre Karriereträume erzählen. Gerade wenn man jung ist. Wenn man sich als Mitglied eines erfolgversprechenden „Start up“ versteht, wie es die Jünger wohl tun. In Jesu Geist die Welt verändern; im Sinne Jesu die Mächtigen entthronen; mit Jesus dafür sorgen, dass Gerechtigkeit – so, wie wir sie verstehen – in diese Welt einzieht; sich einem Unternehmen zur Verfügung stellen, das mich und meine Talente braucht – das ist es!
Ja, aber es muss klar sein, welche Ziele das Unternehmen verfolgt. Und Jesus hat Ziele. Ganz klare! Für Ihn ist das Zentrum von allem – und wir beten es täglich im Vaterunser: „Dein Wille geschehe!“ Der Wille des Vaters. Dem ordnet Jesus alles andere unter. Dabei muss klar sein: Der Vater ist gut – Gott ist gut! Ich mag Ihn manchmal nicht verstehen – das ist Jesus auch so gegangen – aber Er ist gut!

Dieser Vater hat ein Projekt für diese Welt. Nicht für eine ideale Welt, eine Traumwelt, sondern für die Welt, die ist, wie sie ist. Eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt; in der die Meinung dessen zählt, der am lautesten ist.

Für diese Welt hat ER einen Plan – oder besser: ein „Gegengift“! Die Barmherzigkeit! Es scheint utopisch (und das ist es auch, wenn man bedenkt, woher das Wort kommt:  (οὐτόπος), kein Ort – so etwas, Barmherzigkeit, hat hier keinen Platz“)

Und doch: Weil es der Wille des Vaters ist, gelingt es – gelingt es denen, die auf den Vater vertrauen:
Eine Frau verändert das Denken und Handeln unzähliger armer Menschen, indem sie anfängt, in Kalkutta die zum Sterben verurteilten Babys aufzusammeln – Mutter Teresa; ein Mann, er am eigenen Leib die Verelendung junger Männer im Gesellenhandwerk erlebt, verändert als Priester durch sein Handeln deren Existenz grundlegend – Adolf Kolping; ein anderer Priester glaubt an die Fähigkeiten armer Kinder und ermöglicht ihnen Bildung – Don Bosco in Turin.

Diese Menschen – und unzählige andere – mussten sich stark gegen die öffentliche Meinung zur Wehr setzen, teilweise auch gegen innerkirchliche Kritik. Aber sie waren wie Kinder: Sie vertrauten darauf, dass der Himmlische Vater ihnen das gibt, was sie brauchen: Was sie dafür brauchen, das zu verwirklichen, was sie vom Evangelium verstanden hatten. Das reicht. Gegen die Logik dieser Welt – und doch reicht es. Das ist das Zeugnis so vieler, das ist es, was Jesus Seinen Jüngern, uns, beibringen will.

Wenn jeder und jede von uns das zu verwirklichen sucht, was wir vom Evangelium verstanden haben, wird es reichen. Weil der Himmlische Vater es will.

Amen.

Unser Herr Jesus Christus lädt uns in der Kirche zu einem neuen Miteinander ein. Ihn bitten wir:

  • Hilf uns als Deiner Kirche, die Schwachen und Kleinen in unserer Gesellschaft zu sehen und ihnen geschwisterlich beizustehen.
    (Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)
  • Lass die Kirche gerade in unserem Land Deine Botschaft so verkünden und vorleben, dass darin deutlich wird, dass Deine Worte zum Leben führen.
  • In einem gesellschaftlichen Klima, das schuldig Gewordene ausgrenzt, lass uns an einer Kultur der Barmherzigkeit mitwirken, die einen Neuanfang fördert.
  • Stärke die Jungendlichen unserer Pfarrei, die sich auf die Firmung vorbereiten, und lass sie mutig dem Vater und Seinem Willen vertrauen.
  • Gib unseren Verstorbenen den Frieden, den unsere Welt nicht geben kann und lass sie bei Dir ewige Heimat finden.

Gütiger Vater, in Deinem Sohn zeigst Du uns, wie sehr du jeden Einzelnen gerade in seiner Schwachheit annimmst. Dir sei Dank, der Du mit Ihm und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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