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Halt in Gott – oder: Wie von Gott sprechen?

Predigt von Pfr. Nandkisore am Dreifaltigkeitssonntag 2020
Halt in Gott – oder: Wie von Gott sprechen?
Halt in Gott – oder: Wie von Gott sprechen?
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

was ist das für eine Sprache, mit der wir von Gott sprechen? Hören wir sie selbst noch und können wir ahnen, was sie bei anderen, die damit nichts anfangen können, anrichtet bzw. wie sie ankommt? Wenn wir fanatisierte Muslime mit ihrem „Gott ist groß“ und „Tod den Ungläubigen!“ hören, dann verziehen wir angewidert das Gesicht und können nicht verstehen, wie das religiöses Sprechen sein kann!

Aber: hören wir uns selbst noch, wenn wir von Gott sprechen? Das heutige Evangelium ist da ein Beispiel. Ich verkürze: „Gott gibt Seinen Sohn hin …der Sohn soll retten, nicht richten … wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“! Wer soll das verstehen? Oder besser: Wie kann da um Vertrauen geworben werden? Den Sohn dem Tod ausliefern, sich retten lassen, gerichtet sein – werbende Sprache sieht anders aus. Können wir gar nicht anders über unseren Glauben sprechen?

- Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt: von Kirche und Theologie kam so gut wie gar nichts oder eher Belangloses, was Menschen in dieser Zeit der Verängstigung und Verunsicherung einen Halt hätte geben können. Allgemeine Appelle des Vertrauens waren es dann, verbunden mit neuen Angeboten gestreamter Gottesdienste und Gebetsvorlagen für ein neues „Kirche-Sein zu Hause“.  In dieser Zeit von Gott sprechen – es fällt uns schwer, da wir es vorher immer weniger taten, teilweise schon verlernt haben!

Dabei: nehmen wir doch gerade das heutige Evangelium und betonen es an den Stellen, an denen es um Hoffnung und Perspektive geht:

- Gott liebt die Welt! Das ist das Entscheidende und steht ganz am Anfang: die gute Welt, die gute Schöpfung! Zugegeben: das zu glauben fällt uns immer wieder schwer. Weil wir den Blick auf uns und unsere Bedürfnisse haben und den Menschen so sehr in den Mittelpunkt stellen, dass sein Verwobensein in das Ganze nicht mehr gesehen wird. Die Welt ist gut – alles in ihr ist Frucht der guten Schöpfungstat Gottes. Und da Er Gott ist, übersteigt ER mein Verständnis von Gut! Da können wir angesichts von Krankheit und Plagen immer wieder verzweifeln. Daher Sein Einsatz in Seinem Sohn: auch Sterben und Tod gehören zur guten Schöpfung und sie haben nicht das letzte Wort! Dafür gibt ER Seinen Sohn – unseretwegen! Das ist Frohe Botschaft!

- Dieser Sohn kommt zu retten, Jesus, zwingt nicht zum Glauben! Er ist als Mensch verwoben mit uns allen. Wie kann man glauben, Er wäre nur für eine religiöse Klasse gekommen und hätte in der Konsequenz an allen anderen kein Interesse? Zugegeben: solches Denken hat lange auch bei uns vorgeherrscht und seine Spuren hinterlassen. Das hängt auch an der Sprache, die wir selbst sprachen und sprechen. Die Welt soll gerettet werden: gerade in dieser Zeit, jetzt, ist das auch eine Einladung einer Kurskorrektur! Auf Ihn zu blicken, an Ihm und Seinem Handeln Maß zu nehmen, durch Ihn ein neues Denken lernen. Dann lerne ich, dass ich ein Teil des Ganzen bin und meinen Teil zum Ganzen beitrage. Tue ich das in dieser Optik, dann geht automatisch – weil wir dann am Leben Jesu Maß nehmen – Heil von uns aus. Heil, nicht Abschottung, Angst und ein Zerstören der Schöpfung. Das muss unser Sprechen von Gott ausdrücken können: eine Einladung zum Leben. Eine Einladung, die der Mensch natürlich auch ausschlagen kann.

- Das ist nämlich das Dritte des heutigen Evangeliums: Unser Sprechen von Gott drückt sich in unserem Handeln aus! Unser Handeln gibt davon Zeugnis, ob wir an einen liebenden Gott glauben, ob wir vertrauen und uns getragen wissen. Ob ich also „ausgerichtet“ bin auf Ihn hin. Da steckt das Wort „richten“ drin! Wenn ich diesem Jesus nicht vertraue, Seinem Lebensmodell nicht folgen will – dazu habe ich die Freiheit, dann bin ich nach anderem „ausgerichtet“. Und auch das hat Konsequenzen.

Wir glauben als Christen nicht nur an die gute Schöpfungstat Gottes, die uns ständig am Leben erhält; nicht nur an Jesus Christus, der uns eine Lebensmodell des Vertrauens vorschlägt; sondern auch an das Mitgehen Gottes im Heiligen Geist, der mir hier und jetzt die Augen dafür öffnet, wo und wie ich an dem Platz, an den Er mich stellt, Heil wirken kann. Das Schönste, was ich dieser Welt schenken kann.

Unser Sprechen von Gott in dieser Welt – es hängt davon ab, ob wir es gewohnt sind, MIT Ihm zu sprechen. Für Jüngerinnen und Jünger Jesu doch eine Selbstverständlichkeit…

Amen

 

Fürbitten

Den Vater, der uns Seinen Sohn sandte und uns im Heiligen Geist stärkt, bitten wir:

- Wir bitten für alle Christen: dass wir neu lernen, auf Dein Wort zu hören und so den Menschen heute aufmerksame und ermutigende Wegbegleiter sein können.

Wir bitten Dich, erhöre uns

- Wir bitten Dich für die, die durch die aktuelle Krise in persönliche und materielle Not geraten sind: lass auch uns aufmerksam darauf achten, ihnen beizustehen und mit dem zu helfen, was wir erübrigen können.

- Fremdenhass, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten gibt es auch hier in unserem Land: Hilf uns tatkräftig daran mitzuwirken, dass ein tolerantes und friedliches Miteinander immer besser gelingt.

- In diesen Tagen und Wochen beenden Jugendliche ihre schulische Laufbahn: Hilf ihnen, ihren Weg in das Leben zu finden und mache uns zu glaubwürdigen Zeugen eines Vertrauens in Deine Vorsehung.

- Der Tod und damit der Abschied von lieben Menschen gehört immer wieder zu unserem Leben: Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen und die Angehörigen, die an einem Grab trauern.

Dir Vertrauen wir, der Du uns in Deinem Sohn alles schenkst und im Heiligen Geist begleitest, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770