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"Glaube hat Zukunft"

Predigt von Pfr. Nandkisore am 5. Sonntag der Osterzeit 2019 (19. Mai)
"Glaube hat Zukunft"
"Glaube hat Zukunft"
© Martin Manigatterer in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

„Glaube hat Zukunft! – so hat es der Ortsausschuss von Eltville für sich an einem gemeinsamen Wochenende überschrieben. Toll! Griffig! Mein erster Gedanke: Stimmt die Überschrift? Müsste es nicht heißen: „Hat Glaube Zukunft?“ – mit einem übergroßen Fragezeichen versehen? Unsere Wahrnehmung scheint doch zu sagen: Nein! Im Gegenteil! Glaube ist doch auf dem Rückzug. Glaube ist nur noch was für Ältere. Schauen wir uns um. Zukunft sieht anders aus.

- So könnte man es verstehen – aber nur dann wenn man Glaube mit „Kirche“ gleichsetzt. Diese Versuchung gibt es. Von denen, die in der Kirche sind. Aus Sorge, bald nur noch ein kleiner und überalterter Rest zu sein, wird Werbung gemacht. Muss doch Werbung gemacht werden. Wie soll es denn weitergehen? Da stirbt so Vieles weg, was Menschen Heimat war. Frustration multipliziert mit den aktuellen Skandalen der Kirche – Freude an der Kirche sieht anders aus. Hat Glaube Zukunft?

- Was meint denn Glaube? Für mich ist es jedes Jahr spannend, die Apostelgeschichte zu lesen, die uns bis Pfingsten in den Lesungen der Gottesdienste begleitet. Da geht es nicht um „Kirche“, da geht es um den Glauben. Und dieser Glaube hatte eine enorme Zukunft. Das wird uns erzählt: Die Apostel, besonders Paulus und Barnabas, ziehen umher und erzählen von Jesus. Das fällt auf fruchtbaren Boden. Menschen sind davon begeistert, finden sich zusammen als Gruppe, bilden Gemeinden, bilden die Kirche.

Was haben die Apostel nur gemacht, was haben sie erzählt?

Das sollten wir uns wirklich anschauen!

- Der Kern der Verkündigung – wir lesen das z.B. in Apg 13, 38f – lautet: „Ihr sollt also wissen: Durch (Jesus) wird euch die Vergebung der Sünden verkündet und in allem … wird jeder, der glaubt, durch ihn gerecht gemacht“. Das ist es. Das hat die Menschen elektrisiert? Die Sprache ist uns heute nicht mehr verständlich. Das Gemeinte aber durchaus:

- „Hat Gott an mir Interesse? Bin ich ‚in Ordnung‘? Kann Gott mich so, wie ich bin, wirklich lieben? Diese Fragen trieben Menschen an – und das treibt sie auch heute an, ob sie das Wort „Gott“ benutzen oder nicht! Menschen sehnen sich nach Annahme, sehen die Brüche in ihrem Leben, das Scheitern; sehen und erleben verletzte Beziehungen, spüren nicht die Annahme, die sie satt macht. Woran liegt es?

Ich bin irgendwie „schuldig“, nicht „gut genug“.

Religiös sind Menschen in „Sündenangst“, wie auch immer sich das ausdrückt. Ohne Gott nehmen Menschen auch enorme Bußleistungen auf sich: Ernährung, Diäten, Fitnessübungen, Stylings, Körperoptimierungen – scheinbar freiwillig. Dahinter die Hoffnung: Damit bin ich besonders, attraktiv, liebenswert. Dann wird man mich sehen … Was für eine seelische Qual verbirgt sie hinter nicht wenigen scheinbar makellosen Fassaden?

Du bist „gerecht“ – du bist „richtig“ – Gott liebt dich, nimmt dich an. Das kannst du dir durch Leistung nicht erkaufen, nicht erzwingen. Es ist umsonst, gratis, Gnade. Einfach so, weil Er dich liebt. Gott nimmt dich an. Einfach so. Weil du Sein Geschöpf bist. Du bist, weil du gewollt bist. Hör auf, dich selbst zu zerfleischen – dich abzusondern, zu sündigen.

Wer das begriffen hat, wem das glaubwürdig vermittelt wird – der kann sich nur befreit in Gottes Arme werfen! Die zweite Lesung aus der Offenbarung des Johannes schenkt uns dafür heute ein schönes Bild: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen“ (Offb 21,4). Wie sehr kennt Er uns, mich – die Zweifel, die Ängste. Komm, lass los, was hast du dich so gequält!

- Dieser Glaube wurde verkündet. Dieser Glaube hat auch heute Zukunft. Es ist ein Glaube, der bezeugt, wie sehr uns Jesus liebt und uns, alle Jünger bis heute auffordert, dies einander zu bezeugen, zu spiegeln: du bist geliebt. Das ist Sein Gebot, das nach wie vor gilt und von dem uns das Evangelium heute berichtet.

Liebt einander, wie ich es tat.

Glaube hat Zukunft, wo ein solcher Glaube glaubwürdig verkündet und bezeugt wird. Amen.

 

Fürbitten

Der Glaube an Jesus Christus hat Zukunft. Ihn, der uns mit Leben beschenken will, bitten wir:

- Lass uns als Christen den Menschen unserer Tage die Osterbotschaft so bezeugen, dass sie darin neue Lebenskraft und Lebensfreude finden.

(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns)

-  Wir bitten für die Menschen, die nach Leben dürsten und nach jemandem Ausschau halten, der ihnen von Gott und seiner Liebe kündet.

- Für diejenigen, die der Lebensmut verlassen hat, die keine Lebensperspektive mehr sehen, die daran zweifeln, dass ihr Leben einen Sinn hat.

- Wir bitten für unsere Erstkommunionkinder und die Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten: Lass sie spüren und erfahren, welche Freude der Glaube schenkt.

- Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen: Lass sie bei Dir die Vollendung finden, die wir alle erhoffen.

Allmächtiger Gott, in Deinem Sohn finden wir das Ziel unseres Lebens. Dir sei Dank, der du mit Ihm und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770