Kategorien &
Plattformen

"Einführung in die Passion - das Kreuz"

Predigt von Pfarrer Robert Nandkisore
"Einführung in die Passion - das Kreuz"
"Einführung in die Passion - das Kreuz"
© Christine Limmer in pfarrbriefservice.de

Liebe Schwestern und Brüder,

Palmsonntag: Da geht’s doch um den Einzug Jesu nach Jerusalem, Seinen triumphalen Empfang. Was hat da die Passion verloren? Die hören wir doch auch an Karfreitag. So kann man fragen. Daher ist gleich ein Missverständnis auszuräumen: Wir begehen heute und in den kommenden Tagen keine Passionsspiele, weder die Oberammergauer noch die Rheingauer! Es geht nicht um das Nachspielen von Ereignissen, es geht um die Konfrontation mit der Wirklichkeit unseres Lebens: Dem Kreuz – dem Loslassen – dem Tod. Und wir tun das – in Erbach werden wir das am Ostermorgen erfahren – weil uns eine Botschaft erreicht, die auf all das ein neues Licht wirft, die die Wirklichkeit unsres Lebens in einen anderen, einen neuen Kontext stellt. Glauben heißt, diesen Kontext als den wahren anzuerkennen. Aber dafür müssen wir sie erst anschauen – die Wirklichkeit, wie der Mensch sie erlebt.

  • Und dazu gehört das Kreuz. In diesen Tagen wird es wenn möglich verhüllt. Wir sehen es in unseren Kirchen immer und das birgt die Gefahr, dass wir es nicht mehr sehen. Aber wir müssen es sehen, wir dürfen uns nicht daran gewöhnen! Das Kreuz macht sichtbar, was wir uns antun! Das ist ernüchternd, erschreckend, demütigend, traurig – und deswegen gibt es immer wieder die Tendenz, es nicht sehen zu wollen. Uns zu beruhigen, die Dinge zu verharmlosen und auf unseren Willen zum Guten zu setzen. Die Macht des Kreuzes wird damit nicht gemindert – im Gegenteil: Es kann so seine Arme noch enger um das Leben schlingen!
  • Das Kreuz hier in der Kirche: Es soll uns wieder erschrecken lassen. Der Einzug in Jerusalem, der so ganz anders Früchte hätte tragen können, soll uns erschrecken lassen über das, was Menschen einander zumuten. Manchmal können Bilder – Variationen des Kreuzes – uns aufrütteln: Das war bei vielen rund um den Erdball das Bild des dreijährigen Aylan aus Syrien, der tot an einem türkischen Strand lag. Die oft ideologisch geführte Flüchtlingsdebatte versiegte für einen Moment und bekam ein menschliches Gesicht – es wurde für alle sichtbar, worum es wirklich ging und geht: Um den Menschen in seiner Sehnsucht nach Freiheit und Frieden – und um den Menschen, der das dem anderen verwehrt. Das Kreuz wurde sichtbar. Brutal.
  • Das Kreuz soll sichtbar werden. Verharmlosen wir es nicht. Das hat Folgen. Unbarmherzige. Wenn wir die Bereitschaft aufbringen und den Mut, das Kreuz in diesen Tagen wirklich anzuschauen – und dann am Freitag ehrlich erschüttert in die Knie gehen vor den Opfern der Kreuzesmacht – dann kann es von uns angenommen und verändert werden. Diese Macht haben wir!
  • Diese Tage sind die Einladung zur Gewaltanschauung und zum Staunen über Gottes Wege. Im Evangelium hieß es vorhin: „Gesegnet sei der, der kommt im Namen des Herrn – im Himmel Friede“ (vgl. Lk 19, 38).

Gott, der Himmel, baut einen Weg für den Frieden. Den Preis dafür zahlt Jesus. Billiger ist der Friede nicht zu haben! Lassen wir uns jetzt durch diese Tage führen – und beginnen wir mit dem Schauen:

Auf das Kreuz

Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, zu Beginn der Heiligen Woche, in der Du uns mitnimmst auf den Weg Deines Leidens und Deiner Auferstehung, kommen wir mit unseren Bitten zu Dir:

  • Wir bitten Dich für Deine Kirche und alle Getauften: Dass wir durch die Feier dieser Tage verwandelt werden und so  Deinem Frieden durch unser Leben und Zeugnis in unserer Welt zum Durchbruch verhelfen.
    (Gesungener Antwortruf: GL 563,1: "Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung")
  • Zu Beginn der Heiligen Woche bitten wir besonders für das Land Israel: Für  unsere  Glaubensgeschwister  in ihrer  Sorge um ihre Zukunft; für die Muslime in ihrem Bestreben nach einem eigenen Staat; für die Juden in ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Wohlfahrt.
  • Für diejenigen, die an diesen Tagen hilflos an Kreuzwegen anderer stehen oder eine eigene Leidenszeit durchleben  müssen: Stärke ihr Vertrauen in Dich.
  • Schenke uns den Mut, uns in diesen Tagen versöhnen zu lassen und einen neuen Anfang wagen: mit denen, die uns etwas schuldig geblieben sind; mit unserer Schuldgeschichte; mit Dir.
  • Wir bitten Dich für unsere Verstorbenen: lass sie im Himmlischen Jerusalem ewigen Frieden finden.

Denn in Dir erkennen wir die Liebe des Vaters, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.

Pfarrer Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770