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Ein Wort, das trägt – oder: was bleibt von Weihnachten?

Predigt von Pfr. Nandkisore am 2. Sonntag nach Weihnachten 2021 (03.01.)
Ein Wort, das trägt – oder: was bleibt von Weihnachten?
Ein Wort, das trägt – oder: was bleibt von Weihnachten?
© Friedbert Simon in pfarrbriefservice.de
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

so geht es uns ja immer wieder einmal: wir hören zwar etwas, nehmen es aber nicht wirklich zur Kenntnis, wir hören und hören nicht. Möglicherweise ist auch das ein Grund, warum wir heute, 10 Tage nach dem Weihnachtfest, noch einmal das Weihnachtsevangelium hören: Damit wir es wirklich hören. Denn: Weihnachten im christlichen Sinne will uns nicht verzaubern, sondern verwandeln, es möchte ein konkreter und solider Anker sein, an dem ich mich in den Stürmen des Lebens festmachen will. Nichts anderes heißt „Religion“, nämlich ein Wieder-Festmachen. Ein religiöser Mensch ist jemand, der sich wieder festgemacht hat, der weiß, wo er Sicherheit und Halt in den Fragen des Lebens findet. Gerade im letzten Jahr wurde deutlich, wie wichtig das ist – welchen Unterschied es ausmacht, ein gläubiger, ein religiöser Mensch zu sein.

- „Das Wort ist Fleisch geworden. Das zentrale Wort der Weihnachtsbotschaft. Gott hat nicht irgendein Wort für uns, für jeden gleich und gleichsam von oben herab. Nein, ER selbst ist das Wort. Seine Nähe uns gegenüber – sei es als Gruppe oder Gemeinde, sei es als Einzelner – ist Ausdruck Seiner Schöpfungsabsicht: ER möchte, dass wir das Ziel erreichen, dass Ziel der Schöpfung und das heißt, letztlich bei Ihm anzukommen.

Gott hat nicht einfach ein Wort, das ER ohne Ansehen der Person in die Welt werfen würde, ob wir es verstehen oder nicht. Im Gegenteil: Nicht ein Gott, der einfach „da“ ist, sondern ein Immanuel, ein „Gott mit uns“, mit dir! Er wollte und will sich mit jedem und jeder verbinden, von Du zu Du. Und das Wort, das ER spricht, das Wort, das ER ist, ist mir noch verständlicher als meine Muttersprache.

Denn um uns, um mich zu beruhigen, gerade in dieser Zeit der Pandemie, muss ER doch um mich, um uns wissen: Angst, Unsicherheit, Kontaktvermeidung, Trauer – wenn mich da irgendjemand erreicht, dann atme ich auf. An Weihnachten sagt ER ausdrücklich: „Glaubst du wirklich, ich wäre nicht da? Ich bin da, mittendrin“. Gottlos ist höchstens das Gerede, das uns anderes einzureden versucht! Wenn Gott da ist, steht alles unter einem anderen Stern. Alles.

- „Das Licht leuchtet in der Finsternis“. Vielleicht muss man erst einmal so richtig im Finstern gewesen sein, um zu begreifen, zu ermessen, was ein einziges Licht für eine Hoffnung schenken kann – und Zukunft. Die letzten Monate waren für nicht wenige unserer Zeitgenossen finster, denn je länger die Pandemie uns den Alltag zerschlug, umso deutlicher und drängender wurde die Frage: was trägt eigentlich, wenn nichts mehr trägt? Ich kann nichts Allgemeingültiges sagen, sondern nur von meiner Erfahrung berichten: mein Glaube war und ist mir dieser Anker, dieses Licht. „Fürchte dich nicht“ – so sagen es die Engel in den ersten Kapiteln bei Lukas ständig. Denn: Er, Gott ist doch da, ER sorgt, leitet, führt. Vertrau einfach. Es wird möglicherweise nicht so, wie du es willst und planst, das heißt aber doch nicht, dass es damit schlechter ist. Und diese Erfahrung der letzten Monate halte ich an die Texte der Hl. Schrift und an die Erfahrungen vieler Frauen und Männer im Laufe der Kirchengeschichte und finde sie bestätigt: Credo – ich glaube! Das ist ein Licht, ER ist mein Licht!

- „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“. Auch wenn es viele andere Erfahrungen gibt, so gilt doch: ein Kind ist bei den Eltern geborgen. Das ist ein Schatz und ein Geschenk. Gott zwingt mich nicht, Er lädt mich aber ein, dieses Getragen- und Behütet-Sein zu erfahren, Sein Kind zu werden. Das klingt theoretisch – aber nur für den, der sich darauf noch nicht eingelassen hat. Jeder andere sagt: klar, wie denn sonst!? Und deswegen ist das auch mein Wunsch: Sei und bleibe behütet – nicht: bleib gesund! Nein, behütet sein trägt auch dann, wenn der Boden unter mir scheinbar wegbricht. Ich sage scheinbar – denn als Christ weiß ich, dass das, was viele als Ende ansehen, ein Übergang ist, ein notwendiger!

Ob etwas von Weihnachten bleibt hängt an meiner Entscheidung: Ob ich Sein Wort annehme. Denn es gibt auch diese Möglichkeit: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“.

Ermutigen wir uns gegenseitig, Ihn aufzunehmen. Das wird dann zum Segen für viele um uns herum, die durch die Pandemie aus der Umlaufbahn ihrer bisherigen Sicherheiten geworfen wurden. Amen.

 

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du bist das Wort, das trägt. Wir bitten Dich:

- Lass uns als Menschen leben, die durch die Botschaft des Weihnachtsfestes ermutigt werden, Dir und Deiner Gegenwart unter uns Menschen  den Weg zu bereiten.

(Christus, höre uns - Christus, erhöre uns)

- Lass Deine Kirche nicht müde werden, immer wieder neu danach zu fragen, was in Deinem Namen in dieser Welt zu tun ist und gerade denen beizustehen, die am Rande leben und leicht vergessen werden.

- Schenke den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft gerade in den kommenden Monaten die Bereitschaft, ihr Planen und Handeln vor Dir zu verantworten und dem Wohl der Weltgemeinschaft zu dienen.

- Stärke all diejenigen, die den Kranken und Sterbenden beistehen; diejenigen, die sich in unseren Altersheimen den Menschen widmen: Lass durch sie spürbar werden, wie nahe Du jedem bist.

- Schenke den Verstorbenen des vergangenen Jahres Gemeinschaft mit Dir und lass die Hinterbliebenen aus der Begegnung mit Dir Dankbarkeit und neue Lebensfreude schöpfen.

Du bist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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