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Ein anderer Advent – oder: das Herz verwandeln lassen

Predigt von Pfr. Nandkisore zum 1. Advent 2020 (29.11.)
Ein anderer Advent – oder: das Herz verwandeln lassen
Ein anderer Advent – oder: das Herz verwandeln lassen
© Peter Weidemann in pfarrbriefservice.de
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  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

diese Adventszeit wird anders. Anders als in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Vieles, was für viele dazugehört, wird es nicht geben: Weihnachtsmärkte, Konzerte, gemeinsame Einkaufsbummel, Adventsfeiern mit Kollegen – wir hier können nicht singen, unsere schönen Adventslieder, die das Herz so anrühren. Der Advent einmal anders – oder als Chance, ihn neu zu entdecken: Als Zeit der Umkehr, Einkehr, Vorbereitung? Die biblischen Lesungen zum 1. Advent – und in den folgenden Wochen – haben in die bisherige Stimmung nie so recht hineingepasst. Aber heute ..

- „Warum machst (du) unser Herz hart?“ (Jes 63,17) heißt es in der 1. Lesung aus Jesaja. Daran bleibe ich in diesen Tagen hängen. „Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht fürchten?“ Die Menschen, so Jesaja, irren herum, torkeln, sind orientierungslos, weil sie nicht mehr auf den Herrn schauen, nicht mehr danach fragen, was Er möchte, was Er uns wünscht. Die Folge davon ist nicht Freiheit – sie ist Hartherzigkeit!

Drei Schlaglichter dieser Tage:

- Impfdosen gegen Corona stehen bald bereit. Die europäischen Regierungen gemeinsam mit den USA überschlagen sich mit Verträgen mit den Konzernen, wer die meisten Impfdosen abbekommt. Gerecht soll es natürlich sein. Es war nur eine kleine Meldung, die auch bald wieder verschwand: Afrika wird bei den Impfdosen erst einmal nicht ausreichend berücksichtig. Afrika – wer hat in dieser Zeit schon einen Sinn für Entwicklungshilfe, Solidarität, Gerechtigkeit. (Afrika: ich kenne Menschen, die – ab dem 4. Glas Wein – zugeben, dass ein Afrikaner weniger wert ist als ein Weißer!) Rassismus pur! Wir haben die Orientierung verloren und irren umher – und das Herz verhärtet!

- Papst Franziskus schaut in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ mit den Augen eines Christen auf diese Welt. Geschwisterlichkeit und weltweite soziale Freundschaft sollten da gelten. In der globalisierten Welt sind wir alle miteinander verbunden und so auch miteinander in Gefahr. Dass Wirtschaft und Politik dieses Schreiben ignorieren, überrascht nicht, von ihnen erwarte ich keine moralische Orientierung, aber von der Kirche schon. Womit befasst sich unsere Kirche hier? Ich bin fassungslos und traurig. „Stadt auf dem Berge“ sieht anders aus. Wir haben die Orientierung verloren und damit wird das Herz hart.

- Menschen verzweifeln am Leben, leiden an für sie unerträglichen Schmerzen, leiden an Sinnlosigkeit  und bitten um Euthanasie. Sie erscheint als human, gar mitfühlend. Wir haben uns alle verirrt und die Orientierung verloren. Die Folge: unser Herz wird hat, denn die Stimme der Verzweiflung findet nicht mehr die einzig nötige Antwort: Mitmenschlichkeit.

Jesaja bittet den Herrn: „Kehre zurück um deiner Knechte willen!“ (Jes 63,17b) Die Menschen, wir brauchen Sein Zurückkommen, Sein Ankommen, Seinen Advent! Wir brauchen diesen Advent, um wieder mitfühlend zu werden, Orientierung zu bekommen, um wahrhaft menschlich und damit herzlich zu werden, so wie wir als Sein Ebenbild geschaffen sind.

- Ja, wir können uns in diesem Advent ängstlich verstecken, einzig darauf bedacht, Abstand zu halten und zu hoffen, dass Weihnachten doch nicht ganz ausfallen möge. Wir können diese Zeit darüber hinaus aber auch dafür nutzen, um „Advent“ zu begehen: als eine Zeit, die Ihn wieder neu ankommen, zurückkehren lässt. Wir Christen können das! Sein Geist wohnt in uns und Er wartet nur auf die Möglichkeit, durch uns wieder spürbar und verändernd einzubrechen in diese Welt. Gott ist schon längst da, verborgen – und Advent heißt dann, das zu entdecken. Gott kommt im ganz konkreten Menschen auf uns zu: im einsamen und traurigen; im versagenden und gescheiterten. Er kommt auch in dem, der sich in seiner Angst, seinem Hochmut und seinem Egoismus verschlossen hat. Wir Christen haben die wunderbare Möglichkeit, die Gabe, IHN zu empfangen. Aber eine Gabe, die nicht zu einer Aufgabe wird, verkümmert.

Das darf nicht geschehen. Gerade jetzt nicht, im Advent, der unser aller Herz wieder menschlicher machen will. Zum Wohle aller. Wenn wir Christen jetzt wachsam sind, wird Er wieder neu erfahrbar werden: der Heiland! Amen.

 

Fürbitten

Unseren Herrn Jesus Christus, den Heiland, der unser Herz verwandeln möchte, bitten wir:

- Hilf uns als Deiner Kirche gerade denen eine Stimme in unserer Gesellschaft und Welt zu geben, die gerade in dieser Zeit der Pandemie überhört und nicht gesehen werden.

(Komm, Herr Jesus – Komm, Herr Jesus)

- Für alle Menschen, die eine Leere in ihrem Herzen verspüren; die einsam sind und sich nach Freundschaft und Nähe sehnen; für die, die sich ängstigen und für die, die trauern – lass sie entdecken, wie nahe du ihnen bist.

- Schenke besonders in diesen Wochen des Advent unseren Familien Zeit füreinander. Festige das Band der gegenseitigen Liebe und heile dort, wo Verletzungen sind.

- Hilf den politisch Verantwortlichen in unserem Land, das Wohl der ganzen Menschheitsfamilie im Blick zu haben, und lass nationale Egoismen nicht bestimmend werden. 

- Erfülle an unseren Verstorbenen Deine Verheißung und lass sie im Himmlischen Jerusalem den Frieden schauen, den du uns allen verheißen hast.

Du bist uns nahe und wirst wiederkommen, um die Welt zu vollenden. Wir danken Dir, der Du mit dem Vater und dem Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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