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Die Frage nach der Wahrheit – oder: Meint Er, was Er sagt?

Predigt von Pfr. Dr. Robert Nandkisore zum 34. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Die Frage nach der Wahrheit – oder: Meint Er, was Er sagt?
Die Frage nach der Wahrheit – oder: Meint Er, was Er sagt?
In der heutigen Zeit scheint es schwer zu sein zu erkennen ob jemand auch das meint was er sagt und wie viel Wahrheit darin steckt. Eine klare Beschilderung müsste es geben… © Gerd Altmann auf pixabay.com

Die Texte zum 34. Sonntag im Jahreskreis wie der Lesungen (Dan 7, 2a.13b–14 und Offb 1, 5b–8) und des Evangeliums (Joh 18, 33b–37) finden Sie online im Schott der Erzabtei Beuron oder auch bei Evangelium in Leichter Sprache.

Liebe Schwestern und Brüder,

„dem kannst du glauben: der meint, was er sagt!“

Authentisch zu sein und als solcher auch wahrgenommen zu werden, gehört – zumindest für mich – zu den Tugenden, die einen hohen Stellenwert besitzen. Gerade heute, wo viele ja nicht mehr wissen, wem und was sie glauben, vertrauen können, ist das besonders wichtig und anscheinend so selten: Fake News, Sprechverbote, politische Korrektheit als Maß von Wählbarkeit; Corona und das Impfen; Kirche und die Vertuschung von Missbrauch … Möglicherweise hat sich bei den meisten von uns die Haltung festgesetzt, auf Informationen und Botschaften erst einmal zurückhaltend, mit Skepsis zu reagieren: Ist dies oder das ernst gemeint? Kann ich dem oder der wirklich glauben?

- Das heutige Christkönigsfest spricht im Evangelium nicht nur vom „König“, sondern auch von „Wahrheit“. Wenn die Heilige Schrift dieses Wort gebraucht, sollten wir darauf achten, wie es genau gemeint ist. Im Denken Israels meint es vor allem „Treue“: Eine Wirklichkeit, die sich als treu und verlässlich erweist. Und damit spricht die Bibel in erster Linie von Gott. ER ist treu und wenn ER etwas sagt, können wir uns darauf verlassen, dass es wahr ist, denn: ER, Gott, meint, was ER sagt!

- Jesus sagt zu Pilatus, Er sei gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Das meint also: Er ist da, um die Treue Gottes zu bezeugen! Gottes „Ja“ zum Menschen: Seine Sorge gerade um die Schwachen und Benachteiligten; Seine Liebe zu Sündern und die gleichzeitige Ablehnung der Sünde; Seine bleibende Einladung an den Menschen, diese Welt in Gottes Sinne umzugestalten – das meint „Reich Gottes“.

Pilatus kann das nicht verstehen. Er will es auch gar nicht verstehen. Weil er einem anderen die Treue geschworen hat: Dem, der die „Macht“ besitzt, die wir bis heute so verehren und die viele anstreben. Eine Macht, die ausschließt und auch beherrscht; eine Macht, die sich und die eigene Gruppe bereichern will; eine Macht, die oft mit Angst und Unterdrückung einhergeht. Für die Wahrheit, die Jesus verkörpert, ist dabei kein oder kaum Platz. Bis heute.

- Am Ende des Kirchenjahres frage ich mich selbst: Habe ich mich in den zurückliegenden Monaten seit dem letzten Advent der „Wahrheit Gottes“ zur Verfügung gestellt? „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme“ (Joh 18,37), sagt Jesus im Evangelium. Höre ich diese Treue Gottes und: glaube ich ihr? Das Bedeutet auch: folge ich ihr? Wird spürbar, aus welcher Wahrheit ich lebe?

- Die Pandemie, die uns nun schon 1 ½ Jahre im Griff hat, und ihre Auswirkungen  lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise beschreiben: Auf der Ebene von Wirtschaft und Politik; auf gesellschaftlicher Ebene und dem Bereich der Medizin. Ich sehe sie auch im Blick auf „Wahrheit“, darauf, was sie über den einzelnen Menschen offenbart hat: Also wo sich der Mensch festmacht, wem er glaubt, wo seine Sicherheiten sind. Das Wort Wahrheit kann auch mit „Unverborgenheit“ übersetzt werden: Die Schleier fallen; man sieht, was ist! Es tritt deutlich hervor, was vorher nicht so gut zu erkennen gewesen war. Oder im Bild: Die Menschen haben keine Masken aufgezogen, sondern sie vielmehr abgenommen. Es zeigte sich, was auch in uns steckt: Wo wir uns festmachen, wenn Sicherheiten wegbrechen.

Da war viel Zusammenhalt zu spüren, Fürsorge und Gemeinsinn. Aber auch Rücksichtslosigkeit, üble Nachrede und Egoismus – im Kleinen und Großen: Da wird die Ansteckung anderer auf Berufung auf die eigene Freiheit billigend in Kauf genommen – da verweigern die wenigen reichen Länder den vielen armen Ländern die Impfdosen und die Kirchen schweigen dazu. Die christliche Botschaft von Tod und Auferstehung kann sich angesichts der um sich greifenden Verzweiflung und Panik selbst bei den eigenen Leuten kein Gehört mehr verschaffen: Dieses Leben ist dann doch das Einzige, das wir haben!

Die Kirchenkrise, in der wir uns befinden, ist letztlich eine Glaubenskrise: Glauben wir dem, der sagt, Er sei als Zeuge der Wahrheit gekommen? Was nehmen die, die nicht glauben, an uns wahr, wenn sie uns begegnen?

Wer ist der König auf meinem Herzensthron?
Glaube ich Jesus, dass Er meint, was ER sagt?
Dabei steht ER vor mir:
Mit Dornenkrone und Purpurmantel.
Mein, unser König.

Amen.

In unserem König Jesus Christus erkennen wir die Wahrheit über uns selbst. Wir bitten Ihn:

  • Lass uns die Wahrheit unseres Lebens erkennen und annehmen: Dass unser Leben gewollt und heilig ist.
    (Christkönig - wir bitten Dich, erhöre uns.)
  • Schenke uns offene Augen, Ohren und Herzen, dass wir als Deine Kirche die Not und Bedürftigkeit anderer erkennen und in Deinem Namen handeln und so Deine Treue bezeugen.
  • Hilf den die Politiker gerade in dieser schweren Zeit, das menschliche Wohl vor rein wirtschaftliche Interessen zu setzen und schenke ihnen so den Mut für nötige Entscheidungen.
  • Segne das Tun derjenigen, die sich um Sterbende mühen: Bei der Linderung ihrer Schmerzen, in der Not des Alleinseins, in der Angst vor dem Nahen des Todes.
  • Lass unsere Verstorbenen in dem Reich des Friedens wohnen, zu dem wir alle unterwegs sind.

Du wirst dem Vater das Reich übergeben, in dem Er mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Leiter des Pastoralteams, Vertretung der Pfarrei nach außen und Ansprechpartner für Tauf- und Eheseminare und Kirchenentwicklung
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123-703770

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