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Der Prophet Joël – Umkehr in Zeiten des Unheils

Predigt von Pfr. Nandkisore am Aschermittwoch 2021 (17.02.)
Der Prophet Joël – Umkehr in Zeiten des Unheils
Der Prophet Joël – Umkehr in Zeiten des Unheils
© pixabay.com
  • Lesung

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

aus dem kleinen Buch des Propheten Joël hören wir eigentlich sonst nie – außer an Aschermittwoch und Pfingsten. Bisher habe ich ihm gar keine große Beachtung geschenkt, er fiel sozusagen „hinten runter“.

In diesem Jahr ist alles anders: Wir müssen keinen großen Sprung von einer ausgelassenen Zeit in eine Zeit des Verzichts leisten, denn wir alle kommen aus einer langen Zeit des Verzichts. „Fasten, Gebet, Almosen“ – ja, wichtig. Aber es reicht mir dieses Jahr nicht. Vielleicht auch deswegen gab ich dem Buch Joël eine Chance – und siehe da: da steckt etwas sehr aktuelles drin!

- Wohl im 4. Jh. vor Christus wurde das Heilige Land von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Die Folgen waren verheerend. „Ist so etwas jemals geschehen in euren Tagen oder in den Tagen eurer Väter?“ (Joël 1,2) fragt der Prophet! Die Verwüstung hat das ganze Land heimgesucht, das normale, das bisherige Leben liegt darnieder.

Es sind keine Heuschrecken, es sind noch kleinere Lebewesen, Viren, die unser bisheriges Leben angehalten haben und die Existenzen unzähliger Menschen bedrohen und den Tod Unzähliger mitverursacht haben. Menschen gehen ganz unterschiedlich damit um: Da gibt es die, die große Angst haben auf der einen Seite – die Leugner auf der anderen. Die meisten sind wohl irgendwie dazwischen. Und wir als Christen? Hat es für uns überhaupt etwas mit dem Glauben zu tun? Andersherum: gibt es für uns irgendetwas in der Welt, das nichts mit dem Glauben zu tun hat, nicht mit Ihm in einer Beziehung steht? Die Schöpfung, die ganze Schöpfung, ist doch durchatmet vom Geist Gottes!

- Joël fordert das Volk zum Bußgottesdienst auf – das ist der Teil der heutigen Lesung und tatsächlich: Gott erhört das Gebet und Sein Segen kommt erneut über das Land. Können wir so denken? Manche denken und sagen: Gott straft uns. Andere meinen: nein, das ist nicht unser Gottesbild! Was mir dabei fehlt: das Gespräch MIT Gott!

Unsere Welt verändert sich dramatisch und der Mensch hat nach unserer Überzeugung von Gott einen besonderen Auftrag zum Hegen und Pflegen der Schöpfung erhalten. Ist eine solche Pandemie – wie auch die Klimakrise – nicht Anlass genug, um mit unserem „Auftraggeber“ in einen Dialog zu treten und uns auch hinterfragen zu lassen?

- Der klassische Dreischritt „Fasten, Almosen und Gebet“ ist da sehr angebracht:

Fasten: Es geht nicht um Diät, nicht um Pfunde, ja vielleicht noch nicht einmal um Nahrung. Was brauche ich, was brauchen und verbrauchen wir durch unseren Alltag – durchaus auch auf Kosten anderer und der Umwelt. Krankheiten fallen nicht vom Himmel. Sie können sich entwickeln und finden Bedingungen vor, durch die sie sich entwickeln können – oder auch nicht. Unser Lebenswandel – wo macht er auch krank? Uns und andere?

Almosen: Neben dem Blick auf die armen Länder dieser Welt könnten wir auch auf die unter uns schauen, deren Existenz bedroht ist. Mein Almosen: Ich gehe zukünftig dort einkaufen, essen, wo das eine wirkliche Hilfe darstellt, ich unterstütze durch meinen Konsum konkret hier vor Ort …

Gebet: Das ist der Dreh- und Angelpunkt! Durch das Gebet mache ich deutlich, dass ich Gott das entscheidende Wort überlasse, dass ich Ihn auch durch mich handeln lasse. Allerdings muss ich ihn dafür erst hören, wieder neu lesen (Bibel!) und mich so dafür öffnen, dass neue Wege überhaupt erst gegangen werden können!

- Ja, in diesem Jahr ist wirklich alles anders und es besteht die Chance, dass durch unsere ehrliche Umkehr neues Heil möglich wird – ein Heil, das auch die erreicht, für die diese Zeit nicht religiös gefüllt ist. Das ist unser christlicher Stellvertreterdienst für die Welt!

- Joël beschreibt – und das ist an Pfingsten die zweite Gelegenheit, bei der wir aus diesem Buch hören – wie auf die Menschen der Geist Gottes ausgegossen wird und das die gerettet werden, die Seinen Namen anrufen. Wer weiß, was an Pfingsten sein wird, wenn wir diese Worte hören werden: Wird durch das Zeugnis gläubiger Menschen neue Hoffnung geweckt, eine Hoffnung, die darum weiß, dass durch echte Umkehr Segen für alle erwächst? Es ist ein langer Weg dorthin: 90 Tage! Aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Also heute! Mit der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen und umzukehren. Amen.

 

Fürbitten

Zu Gott, der uns diese Gnadenzeit schenkt, um mit Ihm am Heil der Welt zu wirken, rufen wir:

- Hilf Deiner Kirche und allen Getauften, dass wir umkehren und so der Welt helfen, die Gleichgültigkeit gegenüber den Nöten vieler Menschen und der Umwelt zu überwinden.

(Herr, erhöre uns – Herr, erhöre uns)

- Sei allen nahe, die sich in dieser Fastenzeit wieder neu um eine lebendige Beziehung zu Dir mühen und komme ihnen mit Deiner Liebe entgegen.

- Sei denen nahe, die den Armen und Notleidenden beistehen, die ihnen Zeit schenken, ihrer materiellen Not Abhilfe schaffen und ihnen ihr Herz öffnen. 

- In dieser Zeit der Pandemie bitten wir um Verwandlung unserer Herzen und Gedanken, um so neu Dein Wirken in dieser Welt wahrzunehmen.

- Wir bitten um Vertrauen für alle Kranken; um Kraft für alle, die in der Pflege tätig sind; um Trost für die, die einen geliebten Menschen verloren haben

- Lass unsere Verstorbenen die Gemeinschaft erfahren, zu der wir alle berufen sind.

Gott, unser Vater, wir danken Dir für diese 40 Tage der Gnade, die Du uns jedes Jahr schenkst. Begleite und stärke uns. So bitten wir Dich durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770

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