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Dankbarkeit

Fest Mariä Himmelfahrt (15. August)
Dankbarkeit
Dankbarkeit
Muttergottes in den Weinbergen von Martinsthal © Elisabeth Schulz
  • Evangelium

  • Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich das Magnifikat höre oder selbst bete, dann kommt mir einfach das Wort „Dankbarkeit“ in den Sinn! Da dankt jemand – hier Maria – aus vollem Herzen Gott! Wenn ich den Zusammenhang des Evangeliums richtig verstehe, dann bricht dieser Dank geradezu aus ihr heraus. Und das ist nicht selbstverständlich: Ihr Lebensplan, ihre Vorstellungen von Leben wurden durchkreuzt, sie fand sich in einer Situation wieder, die für sie höchst lebensgefährlich war. Ein Mädchen, eine Jugendliche in einer solchen Lage. Sie hatte wohl kaum jemanden, mit dem sie reden konnte – zuerst einmal „machte sie sich auf den Weg“, wie es heißt; sie „eilte“. Sie lief nicht nur „hin“, sondern sicher auch „weg“! Wer wollte ihr das verdenken?

Das Evangelium gibt nicht wider, was wirklich zwischen Elisabeth und Maria geschah. Auf jeden Fall aber war es Maria in dieser Begegnung möglich, in all ihrer Angst, Unsicherheit, Überforderung durchzubrechen zu einem großen Dank, ja einem Jubel! Vielleicht sind solch große Gefühle wirklich nur jungen Menschen möglich .... ?! Was in diesem Dank durchkommt – und das ist hier das für mich Entscheidende: Das Vertrauen gegenüber Gott, trotz allem, in allem.

Auch wenn die hl. Schrift von Maria nicht viel erzählt, so ist sie doch seit der frühesten Zeit der Kirche ein wichtiger Bezugspunkt dafür, was christliches Leben ist:

- Zunächst einmal ist sie ein Bild dafür, was wir alle sind und immer mehr sein sollen: Gottesträger! Bei Paulus heißt es: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Maria wurde vom Geist „überschattet“ – ihre Aufgabe, ihre Sendung war es, Jesus leiblich zur Welt zu bringen; in uns wohnt dieser gleiche Geist und die Aufgabe eines jeden von uns ist es, diesem Geist Ausdruck zu verleihen, jeder und jede so, wie es der eigenen Sendung entspricht. Diese Sendung herauszufinden ist eine wichtige Aufgabe. Da sind wir aufeinander angewiesen, da braucht es Hilfe und Helfer. Maria hatte da Elisabeth an der Seite, die ihr dabei half. Meine Sendung zu entdecken heißt immer auch, in meinem Leben einen tiefen Sinn zu sehen. Dafür kann ich dann nur danken – wie Maria! Und dieser Sinn hat mit Christus zu tun: Ihn durch mich wirken zu lassen, „zur Welt zu bringen“.

- Dann zeichnet Maria exemplarisch das Vertrauen aus – auch wenn sie nicht alles versteht und verstehen wird. „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5), wird sie bei der Hochzeit zu Kana sagen. Wie auch immer ER das Problem lösen wird – es wird schon so richtig sein. Was mich in Rom im Petersdom vor der Pietà des Michelangelo immer anrührt: Da sitzt eine einerseits kräftige Frau – und doch eine, die sich ein jugendliches Gesicht bewahrt hat, das Gesicht einer Freundin, einer Braut, die eher ihren Freund als ihren Sohn im Schoß hält. Zudem ist sie „schön“ – nein, kein Schönheitsideal und Jugendwahn im herkömmlichen Sinne, sondern Ausdruck dafür, dass ein Mensch, der Gott in seinem Leben strahlen lässt, schön, „makellos“ ist! Dieses Vertrauen, das gerade auch junge Menschen auszeichnet, die durch die Erfahrungen des Lebens noch nicht „abgebrüht“ sind – das gerade gilt es als Christ, in der Spur Jesu zu bezeugen: vertraut! Es wird nicht immer so, wie ihr es wünscht oder gut findet – aber es wird so, wie es sein soll. Gerade in diesen Monaten, die für uns alle eine Herausforderung darstellen, ist diese Haltung wichtig und kann helfen, so manches zu entkrampfen. Vertraut – das heißt nicht: seid leichtsinnig. Keineswegs. Aber wisst, dass ihr getragen und begleitet seid – und dass Gott durch eure Haltung, eure Worte und Handlungen immer wieder neu zur Welt kommen will.

- Und schließlich ist auch das ganz entscheidend: Unser Leben beginnt hier, aber es endet hier nicht! Wie es in der Lesung hieß: „Verschlungen ist der Tod vom Sieg.“ Himmelfahrt Mariens heißt, dass wir Menschen dort unsere Heimat haben, dort, wo sie schon angekommen ist – bei Gott! Das ist unsere Bestimmung. Und wenn ich das weiß, lebe ich mein Leben hier und jetzt anders. Ich weiß nicht um die Stunde und die Umstände meines Todes –aber ich weiß um die große Chance, Christusträger zu sein mit meiner Sendung, die auch dazu dient, dass andere in größerem Vertrauen ihr Leben leben können. Nicht die Länge meines Lebens ist entscheidend, sondern die Qualität. Maria ist uns Vorbild, wie ein Leben aussieht, das nicht um sich selbst kreist – sondern um den Urheber des Lebens, der keinen Gefallen hat am Tod, sondern ihn besiegt hat.

Auch diese Freude können wir bezeugen.

Amen.

 

Fürbitten

Auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, bitten wir den Allmächtigen Gott:

- Du Gott unseres Lebens, Maria hat uns Jesus geboren: Lass die Kirche und jeden einzelnen Getauften durch einen fruchtbaren Glauben Christus stets neu zur Welt bringen.

(Wir bitten dich, erhöre uns)

- Elisabeth hat Maria geholfen, ihr Magnifikat zu sprechen: Lass uns gerade in schweren Zeiten einander helfen, unser Vertrauen in Dich zu stärken und Dir so Dank sagen zu können.

- Schenke uns das feste Vertrauen, dass vor Dir auch das Verborgene und Kleine zählt, dass unsere Tränen gezählt, unsere Leiden bei Dir nicht vergessen sind.

- Wir bitten für die Mutlosen und Enttäuschten, für die Suchenden und Hoffenden, um neue Zuversicht und den Mut, Entscheidungen zu treffen.

- Schenke unseren Verstorbenen – wir gedenken heute besonders Julia Leckert – die Vollendung an Leib und Seele, die wir von Maria bekennen und für uns selbst erhoffen.

In Maria zeigst du uns, was Du Großes an uns tun willst. Dir sei Dank mit dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770